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Horst Wein erklärt Funiño

Horst Wein gilt als einer der prägendsten Figuren der Trainingslehre, insbesondere für den Kinderfußball. Im Interview mit der NZ sprach der 73-Jährige über sein vielleicht größtes Ausbildungs-Konzept: Funiño.

...seinen Weg vom Hockey zum Fußball:

"Das Hockeyleistungszentrum in Barce­lona, wo ich immer die spanische Hockey-Nationalmannschaft trainier­te, lag in unmittelbarer Nähe des FC Barcelona. Einige von ihren Trainern besuchten häufig unser gutes Restau­rant und mussten zum Mittagessen am Hockeyplatz vorbeilaufen, wo sie mich oft die besten Spieler Spaniens trainieren sahen. Offenbar imponierte ihnen meine Art und Weise, das Trai­ning zu gestalten, denn eines Tages sprach mich Carles Rexach (Ex-Trai­ner und Nationalspieler, Anm. d.Red.) an, um ihnen meine "Geheimnisse" mitzuteilen. Das geschah dann eine Woche später im Jahre 1985 – so fing alles an."

...die Entwicklung von Funiño, dem kindgerechten Training:

"Als mich eines Tages mein ältester Sohn kritisierte, weil ihm mein Vorschlag für das Trai­ning nicht passte, fing ich an, dem Leistungssport den Rücken zuzuwen­den und mich um eine altersgerechte und kindgemäße Ausbildung zu küm­mern, in der das Spiel der Meister ist und nicht der Trainer. Funiño wurde in Chile im deutschen Hockeyclub Manquehue geboren und seitdem von mir dauernd weiter verbessert. Von ei­nem Spiel 1986 sind wir jetzt 29 Jahre später bei 50 Spielen und mindestens 80 Varianten angelangt. Javier Her­nandez vom FC Barcelona wurde vier Jahre lang von seinem Trainer mit mei­nem Ausbildungsprogramm stimu­liert. Einige Jahre später veröffent­lichte es der spanische Fußball-Ver­band. Der Begriff "Funiño" ist nichts anderes als eine Zusammensetzung aus Fun (Spaß) und niño (Kind) oder eine Abkürzung meines weltbekann­ten spanischen Fußballentwicklungs­modells Fútbol a la medida del Niño."

...die Wichtigkeit und Ideal-Rolle eines Trainers im Kinderfußball:

"Erst dann, wenn ein Trainer, der viel weiß, wenig preisgibt, kommt es zu einem aktiven Lernen des jun­gen Spielers. Kinder und Jugendliche sollten das Spiel entdecken lernen, wobei ihnen der Trainer Probleme gibt, welche die Spieler mit oder ohne Hilfe des Trainers lösen können. Das Wort "Instruktor" wird immer noch in vielen Ausbildungssystemen be­nutzt und ist nur ein Indiz dafür, wie rückständig wir noch in unserer Art und Weise sind, unsere Jüngsten im Sport auszubilden. Bis zum Alter von zwölf Jahren werden sehr viele wichti­ge Grundsätze der Trainingslehre und Sportpädagogik ignoriert, insbesonde­re in den Wettkämpfen und dadurch rückwirkend auch im Training."

...die Ziele von Funiño:

"Alles orientiert sich am Profifuß­ball, und unsere Kinder dürfen im Fußball leider nicht mehr Kinder sein wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als bedingt durch die Notlage der Stra­ßenfußball aufblühte. Vielmehr wer­den sie heute im Fußball bereits wie Erwachsene behandelt. Funiño wird ein Umdenken im deutschen Kinder­und Jugendfußball einleiten, dessen viele positive Konsequenzen für die Spieler, Trainer, Eltern, Vereine und Verbände nur von wenigen gesehen werden."

...die Alterklassen, die das Konzept anspricht:

"Für Sieben- bis Zehnjährige gibt es im Funiño ein reichhaltiges Angebot von Spielen, in denen das Kind Hauptdarsteller ist und nicht mehr der Trainer. Funiño ist nicht nur ein Spiel, vielmehr eine Lehrmethode, in der kindgemäß und spielorientiert das motorische Lernen Hand in Hand mit dem kognitiven Lernen verbun­den wird. Bald wird es, wie bereits in einigen Ländern geschehen, in den Schulunterricht integriert werden. Es gibt bereits drei Universitäten in drei verschiedenen Ländern, die Funiño in sportwissenschaftlichen Instituten lehren. In den letzten Jahren haben Funiño und seine Prinzipien auch das Training vieler Fußballprofis berei­chert, weil es den Spielern optimale Lernerfolge ermöglicht, viele neue Kenntnisse und Erfahrungen vermit­telt und sie gleichzeitig physisch opti­mal auf den Wettkampf vorbereitet. [...] Funiño ist zunächst ein hervor­ragendes, effektives Werkzeug, um den Körper und den Geist vieler nor­maler Bürger zu bewegen sowie ihren Charakter durch das Spiel der vielen Varianten zu formen. Die letzten Er­gebnisse von wissenschaftlichen Stu­dien zeigen uns aber auch seine Wir­kung für eine Optimierung der Leis­tung eines Einzelnen, einer Gruppe oder einer Mannschaft."

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