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Die Taktik-Stimmen des 5. Spieltags (Teil 2)

Auf Teil 1 folgt Teil 2. Julian Nagelsmann sticht mal wieder mit besonders inhaltlichen Aussagen heraus. Aber auch einige andere Trainer hatten spannende Dinge zu analysieren. Wir haben die Stimmen des Spieltags zusammengefasst.

 Julian Nagelsmann (RB Leipzig): Wir haben es offensiv in der ersten Halbzeit nicht so schlecht gemacht. Die Räume waren natürlich sehr knapp und sehr gut verengt. So waren Tiefenläufe nicht ganz so einfach. Wir hatten trotzdem, wenn wir verlagert haben und geduldig in den Position geblieben sind, einen ordentlichen Spielvortrag. Wir hätten heute öfter zum Abschluss kommen können aus kleinen Drehungen in der Box, um uns dann wieder zu staffeln. In der Restverteidigung waren wir nicht gut in der ersten Halbzeit. Die Kombination aus zu wenigen Abschlüssen und der schlechten Restverteidigung lässt auf Kontermöglichkeiten für den Gegner schließen. Davon gab es zu viele Situationen. Bremen hatte keine brandgefährlichen Konter, weil wir sie dann immer noch ordentlich wegverteidigt haben. Trotzdem waren dadurch sehr viele Meter zu gehen für uns in der eigenen Hälfte. Mit zwei Standardsituationen haben wir dann zwei Tore gemacht. Später hatten wir deutlich mehr Flügelangriffe, die zweiten Bälle waren bei uns und die Restverteidigung war sehr gut, wodurch wir mehr Druck aufgebaut haben. Gott sei Dank fahren wir noch einen guten Konter und verteidigen es in letzter Linie sehr gut.

Florian Kohfeldt (SV Werder Bremen): In der ersten Halbzeit haben wir uns sehr gut an den Plan gehalten. Es war klar, dass wir einen offenen Schlagabtausch, im Sinne von wir verteidigen ein bisschen höher und öffnen vielleicht Räume hinter der letzten Kette, unbedingt vermeiden wollten. Das haben wir gut gemacht. Wir haben aus dem Spiel in der ersten Halbzeit nicht viel zugelassen. Nur zwei Standardsituationen für RB, darunter einen tollen Freistoß. Das 1:0 ärgert mich, weil wir wussten, dass Leipzig diese Position freiziehen will und wir darauf vorbereitet waren. Dazu haben wir nicht so gute Entscheidungen im Umschalten getroffen, wo wir auch unsere Geschwindigkeit ein bisschen überschätzt haben. Stattdessen hätten wir vielleicht noch ein, zwei Kombinationen spielen sollen. In der ersten Halbzeit war es ein Spiel, was unter gewissen Umständen auch in unsere Richtung hätte kippen können, ist es aber nicht. Und dann in der zweiten Halbzeit, als wir höher verteidigt haben, hatte RB auch Chancen.

Friedhelm Funkel (Fortuna Düsseldorf): Das war aus unserer Sicht eine sehr ärgerliche und vermeidbare Niederlage. Wir haben es in der ersten Halbzeit richtig gut gemacht, erst im 3-5-2, dann im 4-2-3-1, nachdem auch Gladbach umgestellt hatte. In der zweiten Halbzeit ist Gladbach besser ins Spiel gekommen, wir haben da zu viele Fehler gemacht, zu schnell den Ball verloren und nicht mehr genügend Diagonalbälle gespielt. Ich ärgere mich über unseren Freistoß in der 87. Minute, den wir schlecht ausgeführt haben, daraus resultierte ein Konter, Eckball und dann das 2:1. Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass uns das passiert ist.

Marco Rose (Borussia Mönchengladbach): Das war ein wichtiger Sieg für uns. Wir sind nicht so gut ins Spiel gekommen, bekommen dann dieses Standardgegentor. Für die zweite Halbzeit dann ein großes Kompliment an die Mannschaft, wie sie immer wieder versucht hat, mit Tempo anzuschieben. Wir haben Düsseldorf von Anfang an eher im 4-4-2 oder 4-4-1-1 erwartet, haben aber dann schnell gemerkt, dass sie in einer Dreierkette agieren. Wir hatten im Vorfeld bereits über Lösungsmöglichkeiten aus der Raute geredet, dann haben wir aber relativ schnell auf 4-3-3 umgestellt. Es ging darum, das Spiel mit Ball zu verbessern. Denn in der Raute hat das Positionsspiel nicht so gut funktioniert und wir hatten nicht den Zugriff gegen den Ball, wie wir ihn uns erhofft haben.

Lucien Favre (Borussia Dortmund): Wir hatten große Möglichkeiten, um mehrere Tore zu machen. Wir haben zeitweise sehr gut gespielt, aber der letzte oder vorletzte Pass kam manchmal nicht an. Das war in der ersten und auch in der zweiten Halbzeit der Fall. Wir haben viel verpasst – Ballannahmen, der letzte oder vorletzte Pass, Läufe und auch Balleroberungen. Gegen eine Mannschaft, die so hart presst wie Frankfurt, muss man in einem hohen Tempo spielen. Insgesamt bedauere ich die großen Möglichkeiten, die wir hatten. Und wenn du gegen Frankfurt Flanken zulässt, musst du im Strafraum sehr konzentriert sein und den Ball wegverteidigen. Das haben wir nicht geschafft.

Adi Hütter (Eintracht Frankfurt): Dortmund hatte mehr vom Spiel und auch die besseren Torchancen. Die ersten 35 Minuten des Spiels waren wir überhaupt nicht auf dem Platz. Unser erstes Tor ist in einer Phase entstanden, in der wir bereits besser mitgespielt und die Zweikämpfe angenommen haben. Dortmund hat die Qualität und die Klasse, den Ball gut laufen zu lassen. Sie stehen taktisch sehr gut und können schnell umschalten. Wir wollten das Spiel etwas anders anlegen und wollten Dortmund nicht ganz vorne angehen, weil sie uns wehtun können, wenn sie Räume vorfinden. Wir haben es in der Mittelfeldzone nicht geschafft, die Räume eng zu machen, sie da rein spielen zu lassen, um dann selber schnell umzuschalten. In der zweiten Halbzeit war das besser, Mittelfeld und Angriff, aber auch Mittelfeld und Abwehr haben besser zusammengearbeitet. So war es kompakter.

Alfred Schreuder (TSG Hoffenheim): Die erste Viertelstunde haben wir gut angefangen, dann haben wir aber ein bisschen abgeschaltet. Die zweite Halbzeit war sehr gut. Wir haben immer versucht, flach nach vorne zu spielen oder das Spiel zu verlagern. Das war wichtig für uns, Vertrauen in das Spiel mit Ball zu bekommen. In den letzten Wochen hatten wir dort viele Probleme, aber wir arbeiten daran. Das Positionsspiel braucht Zeit, weil es immer um Details geht - und um Mut.

Oliver Glasner (VfL Wolfsburg): Ich bin mit dem Ergebnis und dem Punkt zufrieden, mit der Leistung aber nicht. Die erste Halbzeit war noch okay. Nach dem ersten Torschuss waren wir 1:0 hinten, dann haben wir das Spiel unter Kontrolle bekommen und den Ausgleich erzielt. In der zweiten Halbzeit haben wir unserem Gegner zu viele Torchancen ermöglicht und waren zu fehleranfällig. Gegen eine fußballerische Mannschaft wie Hoffenheim ist das Spiel gegen den Ball die Basis. Ich erwarte von meinen Spielern mehr Konsequenz und mehr Verantwortung für die Situation. Unser Ausgleich war Kreativität pur. Dynamik über die Seite, dann ein flacher Ball ins Zentrum, per Direktspiel abgelegt, Tiefgang und konsequent abgeschlossen.

Tags: Bundesliga, Borussia Dortmund, Lucien Favre, Borussia Mönchengladbach, Marco Rose , VfL Wolfsburg, Oliver Glasner, RB Leipzig, Werder Bremen, Florian Kohfeldt, TSG Hoffenheim, Alfred Schreuder, Eintracht Frankfurt, Adi Hütter, Friedhelm Funkel, Fortuna Düsseldorf, Julian Nagelsmann

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