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Welche Rolle spielt Taktik auf dem Transfermarkt?

Sommerzeit heißt Transferzeit. Jahr für Jahr scheint es für die Manager schwieriger zu werden, die passenden Spieler für ihre Mannschaft zu finden. Dies liegt unabhängig von marktspezifischen Entwicklungen auch an dem enormen taktischen Niveau in der Bundesliga, den immer konkreter werdenden Entwicklungsplänen der Trainer sowie der starken Jugendarbeit in Deutschland.

Grundsätzlich ist das Bewusstsein für taktische Prozesse hierzulande in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Durch das veränderte Ausbildungskonzept des DFB sieht selbst der Jugendfußball schon in jüngsten Jahren eine weitreichende taktische Weiterentwicklung der Spieler vor, beginnend bei individualtaktischen Elementen bis hin zu komplexen gruppentaktischen Bewegungen, Laufmustern und Passabfolgen. Je nach Spielklasse wird sogar die Mannschaftstaktik berücksichtigt.

Was dies nun mit den Transfermechanismen zu tun hat? Grundsätzlich ist es so, dass die verbesserte Ausbildung der Jugendspieler erst durch die optimierte Ausbildung der Trainer möglich war. Zu nennen ist hier insbesondere der Name von Chefausbilder Frank Wormuth, der gewissermaßen den notwendigen Input geliefert hat, um derartige Veränderungen anzustoßen. Die Taktik als solche hat an Priorität in den Trainerlehrgängen gewonnen, was sich wiederum positiv auf die Praxisarbeit mit den Spielern ausgewirkt hat. Innerhalb eines Spiels - und teilweise auch Trainings - müssen sich die Akteure immer wieder auf systematische Veränderungen einstellen, sie verstehen und im Gesamtkonstrukt passend umsetzen. Dies erfordert neben einer hohen taktischen Grundlagenausbildung eine enorme Auffassungsgabe in Bezug auf die eben jene Mechanismen und Zusammenhänge. Genau hier liegen oft Schwierigkeiten bei der Beurteilung von Spielern aus dem Ausland, gerade aus schwächeren Ligen. Es gibt schlichtweg keine Statistiken oder Richtwerte, an denen gemessen werden kann, ob ein Spieler den Umschwung in puncto Handlungsschnelligkeit, Flexibilität und Taktik schaffen kann. Denn insbesondere in der Ausbildung der Trainer liegen viele Nationen im Vergleich zu Deutschland deutlich zurück. Dies wirkt sich - um den Kreislauf zu vervollständigen - negativ auf die taktische Ausbildung und Vollständigkeit der Spieler aus. Es muss im Falle einer Verpflichtung folglich gewissermaßen das Risiko eingegangen werden, dass der Wunschakteur es in kürzester Zeit schafft, die vorhandenen Defizite aufzuarbeiten, ohne dass es aussagekräftige Indizien dafür gibt, ob der Spieler die Voraussetzungen für eine solche Entwicklung überhaupt mitbringt. Ein persönliches Gespräch könnte potenziell zumindest Aufschluss über die kognitiven Fähigkeiten bringen, wobei es schwierig ist, hier eine Verknüpfung zur fußballspezifischen Auffassungsgabe herzustellen. Teil zwei folgt.

 

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