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Welche Rolle spielt Taktik auf dem Transfermarkt? [2]

Sommerzeit heißt Transferzeit. Jahr für Jahr scheint es für die Manager schwieriger zu werden, die passenden Spieler für ihre Mannschaft zu finden. Dies liegt unabhängig von marktspezifischen Entwicklungen auch an dem enormen taktischen Niveau in der Bundesliga, den immer konkreter werdenden Entwicklungsplänen der Trainer sowie der starken Jugendarbeit in Deutschland. Teil zwei der Analyse.

Die bessere technische und taktische Ausbildung der Jugendspieler, welche mit der Etablierung des neuen DFB-Konzeptes infolge der EM 2004 einherging, hatte mittelfristig einen hohen Einfluss auf das Handeln der Vereine auf dem Transfermarkt. Nicht nur, dass Talente aus dem eigenen Stall aufgrund der gestiegenen Ausbildungs-Qualität früher und in der Gesamtbetracht häufiger in die Profiteams integriert werden können und damit wichtige Kaderplätze einnehmen, auch die Verknüpfung zwischen A-Team und Jugendabteilung ist deutlich harmonischer, der Austausch intensiver geworden. So liegt die These nicht fern, dass ein durchschnittlicher Bundesliga-Trainer die vereinseigenen Talente bis zur C-Jugend herunter sehr genau kennt. Im Falle eines Transfers gilt es aus Klubsicht folglich stets abzuwägen: Wird durch eine Verpflichtung eines externen Spielers womöglich die Entwicklung eines eigenen Nachwuchstalents blockiert, das in zwei bis drei Jahren eine höhere Leistungsstärke erreichen könnte? Oder gibt es im Jugendbereich oder in der U-23 vielleicht sogar schon Spieler, die das gewünschte Profil abdecken? Es gilt im Zusammenspiel zwischen Trainer und Manager stets das Momentum und die kommende Saison im Blick zu halten und die Leistungsfähigkeit für diese sicherzustellen. Gleichzeitig dürfen strukturelle, zukunftsorientierte Aspekte allerdings niemals außer Acht gelassen werden.

Einen Vorteil haben Jugendspieler, die viele Jahre in einem der Top-Nachwuchsleistungszentren durchlaufen haben, oft gegenüber Spielern externer Vereine, weil sie die Spielphilosophie des Klubs bereits kennen. Sie kennen die Abläufe, die technischen und eben auch taktischen Grundvoraussetzungen für das Spielsystem. Die Eingewöhnungszeit könnte daher geringer sein. Bei ähnlichem Leistungsniveau und ähnlicher taktischer Ausbildung ziehen Vereine einen eigenen Nachwuchsspieler meist also einem Transfer vor. Zumal dies weiter nicht unerhebliche Vorteile in Bezug auf das Öffentlichkeitsbild des Klubs haben kann und gleichzeitig neue Reize für Talente bietet, sich dem entsprechenden Verein anzuschließen. Der Gesamtkontext, in welchem die Integration eines talentierten Nachwuchsakteurs steht, ist letztlich ein sehr komplexer, der in den meisten Fällen allerdings ein verhältnismäßig geringes Risiko birgt. Teil drei folgt.

 

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