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Eduardo Camavinga: das nächste Riesen-Talent aus der Rennes-Akademie

Eduardo Camavinga. Dieser Name sagte vor einem halben Jahr wohl selbst den meisten Rennes-Fans nichts. Am vergangenen Sonntag startete der 16-Jährige sein zweites Ligue-1-Spiel in Folge, legte ein Tor auf. So verhalf er Rennes zum 2:1-Sieg gegen die vermeintliche Übermannschaft Paris Saint-Germain. Spätestens nach dieser Leistung dürfte Camavingas Name auf den Wunschzetteln unzähliger Top-Klubs auftauchen. Sein Aufstieg begann aber schon etwas früher.

In einem halben Jahr zum wichtigsten Spieler Rennes

Nach einer enttäuschenden Hinrunde wurde Rennes' Trainer Sabri Lamouchi Anfang Dezember 2018 entlassen. Sein Nachfolger wurde das 38-jährige französische Trainertalent Julien Stephan, der zuvor die zweite Mannschaft Rennes' betreut hatte. Von dort kannte er Camavinga schon. Dieser wurde nämlich schon mit 15 Jahren in die zweite Mannschaft berufen. Mit Beginn der Rückrunde zog Stephan seinen Schützling dann in den Kader der ersten Mannschaft hoch, wechselte ihn am 6. April das erste Mal ein. Von den letzten fünf Saison-Spielen startete Camavinga in vieren.

In der Sommer-Transferperiode verlor Rennes seinen Kapitän Benjamin Andre. Der Sechser war elementar wichtig für das System der Rennais. Er war der Ruhepol vor der Abwehr, überzeugte durch sicheres Passspiel und gutes Stellungsspiel gegen den Ball. Umso größer war die Überraschung als Rennes keinen direkten Ersatz für Andre verpflichtete. Stattdessen sollte Camavinga dessen Rolle übernehmen. Sowohl im französischen Super-Cup als auch in den ersten beiden Liga-Spielen verpasste der in Angola geborene Mittelfeldspieler keine Minute.

Trainer Stephan lässt seine Mannschaft seit dieser Saison in Ballbesitz mit einem 3-1-4-2 auflaufen, möchte dabei stets flach herausspielen, selbst gegen Teams wie PSG. Camavinga ist der alleinige Sechser in diesem System. Defensiv muss er im 5-3-2 derweil das Mittelfeldzentrum organisieren. Dies macht ihn jetzt schon zum vielleicht wichtigsten Spieler Rennes'.

Enorme Ballsicherheit

Gegen PSG spielte Camavinga 57 Pässe. Jeder dieser 57 Pässe erreichte sein Ziel. Die Passsicherheit zeichnet den 16-Jährigen aus. Seine Zuspiele sind sehr genau, er spielt den von ihm anvisierten Passempfänger stets auf dem richtigen Fuß und mit der richtigen Schärfe an. Das macht es seinen Mitspielern leichter, eine gute Folgeaktion zu starten. Camavingas Passspiel beruht in erster Linie auf sicheren, flachen Pässen, aber auch Seitenverlagerungen gehören zu seinem Repertoire. Ein Beleg für seine Kreativität: Das 2:1 gegen PSG bereitete er durch einen platzierten Chipball in den Sechzehner vor.

Im Spielaufbau seines Teams positionierte sich Camavinga zum Großteil zentral hinter der ersten Pariser Pressinglinie. Dort zeigte er immer wieder kluge Bewegungen, um sich aus dem Deckungsschatten von Cavani herauszubewegen. Allgemein: Er bietet stets Optionen für den Ballführenden an, vor allem, wenn Rennes auf den Außenverteidiger verlagert, ist Camavinga anspielbar.

Im Kopf sehr weit

Besonders nach Ballgewinnen weiß er zu glänzen. Während der Gegner ins Gegenpressing übergeht, bietet er sich ballnah an, ist sofort mit einem Pass erreichbar. Anschließend leitet er den Ball mit ein bis zwei Kontakten auf einen freien Mitspieler weiter. Gegen PSG starteten so einige vielversprechende Angriffe Rennes'. Hierbei wurde eine der größten Stärken des Linksfußes deutlich. Er ist sehr spielintelligent, verfügt vor allem über eine gute Vororientierung. Durch Schulterblicke ist er sich seinem direkten Umfeld zu fast jedem Zeitpunkt bewusst. Dies hilft ihm in der Entscheidungsfindung.

Oft gibt er den Ball nach nur wenigen Sekunden wieder ab. Er weiß aber auch, wann er Zeit zum Aufdrehen hat. Dies macht er dann enorm schnell. Ist kein Mitspieler anspielbar, treibt der Franzose auch mal selbst den Ball. Er schirmt ihn dabei gut ab, hat mit einer Körpergröße von 1,82 Metern eine große körperliche Präsenz. Die Kombination aus Technik, Spielintelligenz und Physis macht ihn zu einem sehr pressingresistenten Spieler. Auf den ersten Metern ist Camavinga schnell, erzeugt eine hohe Dynamik. Auf diese Weise kann er den Ball weit in die gegnerische Hälfte treiben. Dies tut er zumeist aber nur, wenn die Situation es erfordert.

Auch gegen den Ball kann Camavinga überzeugen. Als zentraler Mittelfeldspieler im 5-3-2 verschiebt er klug, sortiert teils schon seine Mitspieler. Er stellt Passwege in die zentrale Zone vor den Strafraum zu, übt aber gleichzeitig auch Druck auf den Ballführenden aus. Selten versucht er den Ball direkt zu erobern. Stattdessen versucht er den Gegner nach außen zu lenken. Hierbei fällt auf, wie selten er Fouls begeht. Teils ist er aber auch noch etwas zu passiv in tiefen Zonen.

Zuletzt probierte sich Rennes in einem höheren Pressing. Hierbei rückte Camavinga auf und konnte auch einen größeren Raum gut abdecken. Sein Positionssinn ist schon jetzt sehr ausgeprägt. Wenn er doch mal in Zweikämpfe geht, führt er diese nicht übereifrig, wie es in seinem Alter vielleicht zu erwarten wäre. Er geht selten übermotiviert zu Werke oder läuft mit zu viel Tempo in den Gegner. So wie offensiv begeht er auch defensiv kaum gravierende Fehler.

Der nächste Schritt wird kommen

Camavinga hat berechtigte Hoffnungen eine ähnliche Erfolgsgeschichte zu schreiben wie Ousmane Dembelé, der ebenfalls aus der Akademie Rennes' stammt. Im Gegensatz zum Ex-Dortmunder wird Camavinga aber nachgesagt, dass er außerhalb des Platzes ein sehr bescheidener Mensch ist. Dies wird ihm während seiner weiteren Karriere helfen.

Die bisherigen Leistungen des 16-Jährigen waren enorm vielversprechend. Er deutete an, in der Ligue 1 einer der Top-Spieler seiner Position werden zu können und verkörpert einen sehr modernen Spielertyp. Nun steht er vor seiner ersten Saison als Stammspieler. Bestätigt er die Leistungen der ersten Saisonspiele, kann er sich in einem Jahr womöglich selbst aussuchen, welches Top-Team sein neues Zuhause werden soll. Das neue Zuhause eines dann 17-Jährigen.

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Bulirooooberts Avatar
Buliroooobert antwortete auf das Thema: #2 22 Aug 2019 16:16
Schlicht und einfach der Wahnsinn. Bin Mal mal gespannt zu welchem Verein er schlussendlich geht. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass er nach Dortmund wechselt, ähnlich wie eben Ousmane Dembele. Dortmund hat sich was internationale Talente angeht im Geschäft etabliert.
Dreierkettenmonsters Avatar
Dreierkettenmonster antwortete auf das Thema: #3 22 Aug 2019 18:24
Jop, ist ein riesiges Talent. Mit 16 ist das schon unfassbar. Glaube aber ehrlich gesagt nicht, dass da nur der BVB dran ist. Könnte ihn mir auch bei Chelsea z. B. vorstellen. Leihen inklusive. :P ;)
Bulirooooberts Avatar
Buliroooobert antwortete auf das Thema: #4 22 Aug 2019 22:39
Im Gegenteil! Es sollen im Grunde alle Top-Klubs Europas an ihm dran sein, er kann sich mehr oder weniger aussuchen zu welchem Verein er am Ende wechselt.