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Drei Engel für Freiburg: Koch, Lienhart & Schlotterbeck im Spieler-Check

Ömer Toprak und Weltmeister Matthias Ginter sind in diesem Jahrzehnt wohl die beiden bekanntesten Innenverteidiger mit Freiburger Vergangenheit. Doch auch nach dem letzten Abstieg (2014/15) konnte man beim SC ein paar interessante Spieler auf dieser Position beobachten, von denen zwei auch schon wieder abgegeben wurden. Vor der letzten Saison verließ der spektakuläre Zweikämpfer Çağlar Söyüncü für viel Geld die Bundesliga und wechselte zu Leicester City, wo er nach einer schweren ersten Saison nun auch Spielzeit bekommt. Marc Oliver Kempfs Vertrag lief zu diesem Zeitpunkt aus und seitdem ist er wichtiger Bestandteil der Innenverteidigung des VfB Stuttgart. Und trotz dieser namhaften Abgänge ist die Freiburger Innenverteidigung keine Problemposition der Mannschaft. Vielmehr hat Christian Streich das Luxusproblem, ehemalige Stammspieler auf die Bank setzen zu müssen. Doch wer sind die drei jungen Innenverteidiger, die sich bisher in der Startaufstellung wiederfanden, während das Innenverteidigerpaar der letzten Saison – Heintz und Gulde (war verletzt) – nicht eingesetzt wurde?

Dies ist eine Gastanalyse des Twitter-Taktikers Mischa. Hier geht es zu seinem Profil: https://twitter.com/ZerstreuungFuss. Der Artikel wurde von unserer Redaktion durch das Köln-Spiel ergänzt. 

Wer nicht den ganzen Text lesen will:

- Koch ist als Zentralverteidiger und Sechser einsetzbar, am weitesten in der Entwicklung

- besitzt ein gutes Kurzpassspiel, kann auch diagonale, lange Bälle zum Mann bringen

-  hat leichte Probleme in ganz engen Situationen

- Lienhart ist Halbverteidiger (äußerer Innenverteidiger der Dreierkette) oder Sechser

- ist langsamer als Koch, aber etwas besser in Engen und forsch unter Druck

- Schlotterbeck ist ein ganz junges (Halbverteidiger-)Talent

- er zeigt Schwankungen, aber auch viel Potenzial, z. B. im Aufbau

Robin Koch – der neue Ginter

Der zentrale Spieler der Innenverteidigung ist Robin Koch: Sohn von Harry Koch, U-21-Nationalspieler (fünf Einsätze), 1,93 Meter groß, 23 Jahre alt. Er kam in der Saison 2017/18 vom 1. FC Kaiserslautern und absolvierte seitdem 53 Spiele für den SC Freiburg. Er ist gelernter Innenverteidiger, wurde allerdings von Streich häufig als defensiver Sechser eingesetzt. Zuletzt in der ersten Halbzeit gegen Köln. Gerade zu Beginn merkte man die Schwierigkeiten dieser Umstellung. Als Verteidiger ist man es gewöhnt, dass man mit dem Ball am Fuß den Gegner vor sich hat. Im Mittelfeld wird man aber von allen Seiten attackiert. Auf dieses Problem machte zumindest Christian Streich aufmerksam, als er Ginter das erste Mal auf die Sechs gestellt hatte. Doch mit der Zeit gewöhnte sich Koch daran und ließ sich nur noch selten den Ball von hinten wegnehmen.

Sein Stärkenprofil passt aber trotzdem besser zur Position in der hintersten Reihe. Er ist mit seiner Größe kopfballstark, dafür dennoch recht schnell und hat eine saubere Zweikampfführung. In den letzten beiden Saisons kam er mit jeweils nur drei gelben Karten aus. Sein sicheres Kurzpassspiel (über 80% Passquote 2019/20) und seine guten diagonalen Bälle machen ihn zu einem ziemlich kompletten zentralen Innenverteidiger. Möchte man nach Schwächen suchen, so ist es vielleicht die Fähigkeit den Ball unter Druck zu halten oder ein kurzes Dribbling anzuziehen. Spielt er in der Innenverteidigung, schafft er es aber mit einem guten Stellungsspiel, Situationen zu vermeiden, in denen dies von ihm verlangt wird. Allerdings hat Koch schon bewiesen, dass er sich schnell an neue Situationen und ein neues Niveau anpassen kann. Sollte Streich das Wechselspielchen zwischen Dreier- und Viererkette fortsetzen und Koch im Mittelfeld gebraucht werden, ist eine Verbesserung in Drucksituationen auch noch möglich. Koch scheint insgesamt am weitesten von den drei jungen Innenverteidigern zu sein.

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Philipp Lienhart – der zweifache Champions-League-Sieger

lienhartLienhart kam in der Saison 2017/18 von der zweiten Mannschaft Real Madrids zum SC Freiburg. Er durchlief alle Jugendnationalmannschaften Österreichs ab der U-18 und war Kapitän der U-21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft diesen Sommer. Dort sammelte er – ähnlich wie Koch – Erfahrungen auf der Sechserposition. Als Spielertyp passt er dort sogar noch ein bisschen besser hin als sein Mannschaftskollege. Er fühlt sich in engeren Situationen etwas wohler, ist dafür aber etwas langsamer im Sprint, wie man auch am zweiten Spieltag gegen Paderborn sehen konnte. Beim SC Freiburg kam er auf 28 Spiele, wurde 27 Mal als Innenverteidiger, einmal als Rechtsverteidiger eingesetzt.

Im Spielaufbau ist er ein sehr mutiger Spieler, lässt pressende Stürmer mit einer kurzen Körpertäuschung ins Leere laufen, läuft selber mit dem Ball am Fuß ins Mittelfeld, wenn der Platz da ist und spielt teilweise sehr schöne flache Pässe durch die Ketten – vorzugsweise auf den zurückfallenden Waldschmidt. In seiner Defensivarbeit ist er mindestens solide. Dennoch wird man eher in dieser Sphäre nach dem Grund suchen müssen, warum ihm der im Aufbau deutlich schwächere Gulde letzte Saison meistens vorgezogen wurde. Für ihn gilt aber dasselbe wie für Robin Koch: Lienhart ist jung, hat nachgewiesen, dass er in der Bundesliga konkurrenzfähig ist und verfügt noch über viel Entwicklungspotenzial.

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Nico Schlotterbeck – das Talent

Als letzte Saison Koch, Gulde und Lienhart gleichzeitig verletzt waren, wurde es eng auf der Innenverteidigerposition. Dies hatte zur Folge, dass die Brüder Schlotterbeck in die erste Mannschaft hochgezogen wurden und auch beide zu Einsätzen kamen. Der ältere Bruder Keven kam dabei auf neun Einsätze über die volle Spielzeit und hinterließ einen guten Eindruck, obwohl Freiburg in dieser Phase kaum Punkte holte. Gerade die flachen Pässe durch die Ketten – vergleichbar mit Lienhart und seinem jüngeren Bruder – gaben dem Aufbauspiel eine weitere Komponente, da Heintz eher lange Diagonalbälle spielt. Diese Einsätze scheinen auch bei Union Berlin einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, die ihn für diese Saison ausgeliehen haben.

Der jüngere Bruder Nico Schlotterbeck kam letzte Saison auf vier Einsätze, zwei davon über 90 Minuten. Er gilt als der talentiertere Spieler von beiden, was aber wahrscheinlich häufiger über den jüngeren Bruder gesagt wird. Es war aber schon eine größere Überraschung, als Streich ihn in den ersten Spielen für Heintz brachte, der letzte Saison in allen Spielen auf dem Platz gestanden hatte. Nach diesen beiden Spielen, kann man aber festhalten, dass Heintz es nicht leicht haben wird, seinen Stammplatz zurückzuerobern. Im Spiel gegen Paderborn machte Schlotterbeck mit zwei hervorragenden Rettungsaktionen im eigenen Sechzehner auf sich aufmerksam und gegen Mainz konnte er mit zwei Vorstößen in das letzte Drittel zeigen, dass er auch im offensiven Bereich Stärken hat. In der Spieleröffnung ist er bedacht, spielt aber den öffnenden Pass, wenn es möglich ist. Auch wenn es in dieser Saison erst drei Spiele waren und man bei jungen Spielern geduldig abwarten sollte, wie sie sich entwickeln: Das erst 19-jährige Talent wusste zu beeindrucken. Es wird spannend, wie schnell er durch die Berufung in die U21 und mehr Ligaeinsätze weitere Schritte machen kann. Gegen Köln zeigte sich, dass Schlotterbeck noch ein wenig Grün hinter den Ohren ist. Auch wenn er ebenso seine Stärken einzubringen wusste. Wie etwa vor dem 1:0, als Schlotterbeck einen schönen langen long-line Ball in den offenen Raum schlug.

Fazit

Der SC Freiburg scheint seit dem Abstieg 2014/15 ein gutes Auge für Innenverteidiger zu haben und ist für seine Verhältnisse sehr gut auf dieser Position besetzt. Mit Heintz und Gulde hinter der aktuellen Dreierkette ist auch für genug Tiefe im Kader gesorgt. Koch oder Lienhart könnten zur Not Ausfälle im Mittelfeld kompensieren.

Für den Spielaufbau scheint die Besetzung mit Schlotterbeck, Koch und Lienhart ziemlich optimal zu sein. Koch kann als zentraler Innenverteidiger Bälle sicher verteilen oder direkt Verlagerungen auf die Außenverteidiger spielen. Schlotterbeck und Lienhart können als äußere Innenverteidiger sowohl mit dem Ball am Fuß ins Mittelfeld ziehen, als auch den öffnenden Pass ins Zentrum spielen. Gegen die Mainzer Raute und das aggressive Paderborner Pressing im Mittelfeld konnten sie ihre Stärken sogar noch gar nicht richtig ausspielen, sondern nur hin und wieder andeuten. Gegen Köln war dies ähnlich, wobei Koch in den ersten 45 Minuten im Mittelfeld spielte und erst später wieder auf Dreierkette umgestellt wurde. 

Neben den weiträumigen Bewegungen von Waldschmidt und den Pressingfähigkeiten von Petersen ist der Spielaufbau der Innenverteidiger der Tipp für den fußballinteressierten Beobachter. Es lohnt sich ein genauerer Blick in den Breisgau. Dank der drei Freiburger Youngsters.

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Fotoquelle Lienhart

Tags: SC Freiburg, Robin Koch, Nico Schlotterbeck, Philipp Lienhart

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