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Spieler des Spieltags: Thomas Delaney

Man kann wohl unbehelligt sagen: Thomas Delaney ist zurück. Vor dem vierten Spieltag hatte der Däne nur 45 Minuten Einsatzzeit bekommen. Zu stark war die Vorbereitung von Julian Weigl auf der Sechs. Doch Delaney blieb geduldig, erhielt seine Chance und nutzte sie. Gegen Leverkusen avancierte er zum Mann des Spiels, arbeitete beispiellos gegen Mann und Ball. Delaney als reinen Defensivspieler abzustempeln, wäre dennoch zu kurz gegriffen. Er mag zwar nicht der kreativste aller Köpfe im BVB-System sein. Aber er macht viele kleine Dinge gut. Delaney ist ein Spieler für die Details. Das stellte er am Samstag eindrucksvoll unter Beweis.

delaneyWer nicht den ganzen Artikel lesen möchte:

- Delaney war wichtig für Dortmunds Stabilität gegen Leverkusen

- er verteidigt gut im Raum und unterstützt seine Mitspieler

- genauso kann er selbst aktiver ins Pressing gehen

- mit Ball wird er unterschätzt, denn er findet stabile Lösungen

- auch hier kann er offensiver spielen oder die Konterabsicherung übernehmen

Delaney füllt Favres Matchplan mit Leben

Über Lucien Favres Matchplan wurde bereits so einiges geschrieben. Er wollte dem Leverkusener Ballbesitzspiel über eine Mix-Taktik den Wind aus den Segeln nehmen. Mal sollte sein Team tief und kompakt stehen, im typischem Favre-4-4-2 eben. Dann wieder sollte höher gepresst werden, um Leverkusen unter Druck zu setzen. Gut möglich, dass Favre vor dem Spiel zu der Erkenntnis kam: Wer, wenn nicht Delaney, ist genau dazu in der Lage? Der Däne kann seine Mitspieler unterstützen, aber genauso selbst aggressiv gegen den Mann spielen. Und das auch noch auf Spitzenniveau. Kein Wunder, dass Favre nach dem Spiel gestand: “Die Sechser mussten viel laufen, vor der Abwehr verteidigen, aber auch vorne attackieren. Das ist nicht einfach.” Der Nachsatz konnte allerdings nicht anders ausfallen: „Sie haben es sehr gut gemacht.”

Es ist die Kunst des Favre-Systems, den Gegner aus dem Zentrum fernzuhalten, ihn in unwichtige Zonen abzudrängen. Genau für diese Leistung hatte Delaney am Samstag einen Orden verdient. Der Ex-Bremer hielt die Abstände um den Ball herum eng, schloss so die Schnittstellen zu seinen Nebenleuten. Mit vielen kleinen, unscheinbaren Bewegungen konnte Delaney Pässe in den Rücken des Mittelfelds verhindern. Schritt nach links, Schritt nach rechts, kurzes Fallenlassen, kurzes Vorrücken: Das Zentrum war dicht und damit das Favre-Ziel Nummer eins erreicht. Leverkusen musste auf den Flügel ausweichen. Und auch dort machte Delaney eine gute Figur.

Denn wenn der Außenverteidiger Hilfe brauchte, war sie da. Delaney machte die Räume nach innen zu, sodass Leverkusen sich am Flügel abrackern musste. Auch ohne im Zweikampf selbst zuzupacken, trug Delaney zur Stabilität bei. Das mag unspektakulärer sein als seine direkten Balleroberungen. Der detailversessene Favre wird diese Qualitäten aber umso mehr zu schätzen wissen.

Ein kompletter Defensivspieler

Delaney sprüht vor Spielintelligenz. Genau deshalb kann er nicht nur Räume kontrollieren, sondern auch körperlich gegen Mann und Ball zu Werke gehen. Das ist eine hohe Defensivkunst: Selbst Top-Sechser wie Thiago beherrschen eins besser als das andere. Der Spanier des FC Bayern beispielsweise verteidigt lieber nach vorne als im Raum für Kompaktheit zu sorgen. 

Delaney ist ein Meister darin, Situationen zu lesen. Wenn die Mannschaft ins Pressing geht, schiebt er auf den Gegner vor. Damit schließt er wichtige Anspielstationen. Andernfalls würde das Pressing wahrscheinlich ins Leere laufen. Bei diesem permanenten Wechselspielchen aus Spiel im Raum und Spiel gegen den Mann hilft Delaney eine gute Mischung aus Dynamik und Körperlichkeit. Er kommt aus dem Stand gut weg, ist deshalb immer wieder rechtzeitig am Gegner. Er erkennt die Situationen also nicht nur, sondern kann dann auch schnell reagieren. Das ist ihm auch in Kopfballduellen nützlich. Er schiebt zeitig vor oder zurück, um dann aus einer guten Position in die Luft zu steigen. Seine Sprungkraft regelt oft den Rest. 

Im Zweikampf kann Delaney seinen Gegenspieler immer wieder bedrängen, ihn zumindest am Aufdrehen hindern. Wenn er nicht sogar gleich den Ball gewinnt. Durch seine Reichweite im Zweikampf gelingt ihm das nämlich immer wieder. Das bekam am Samstag auch Kai Havertz zu spüren. Delaney war nicht der Kettenhund des Nationalspielers. Aber durch sein defensives Gesamtpaket legte er Havertz in Fesseln. Er konnte nur mühsam hinter Delaney angespielt werden und wurde in anderen Räumen ebenfalls bekämpft. Damit nahm Delaney im Verbund mit seinen Kollegen die Leverkusener Schlüsselfigur aus dem Spiel.

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Delaney kann auch offensiv

Ja, Delaney ist ein kluger Arbeiter, der eine gelungene Symbiose aus Abräumer und Pressingspieler verkörpert. Das heißt aber nicht, dass er nach vorne ein Hemmschuh sein muss. In der Vergangenheit wurde ihm genau das vorgeworfen. Er sei fußballerisch limitiert, würde dem Ballbesitz eher schaden als Input geben. Doch auch in der Disziplin konnte Delaney seine Kritiker Lügen strafen.

Er mag zwar kein Ballvirtuose wie Thiago sein, um den Vergleich mit dem Spanier wieder aufzunehmen. Trotzdem löst Delaney viele Situationen im Ballbesitz klug und stabil. In größeren Räumen spielt er auch mal eine weitere Verlagerung, damit das Tempo nicht verschleppt wird. In engeren Situationen und mit Gegner im Rücken nutzt Delaney viele One- oder Two-Touch-Aktionen. Das macht er technisch gut. 

Außerdem ist er am Flügel immer wieder rechtzeitig für die Außenverteidiger da. Er versteckte sich auch gegen das forsche Leverkusener Pressing nicht. Dass er den Ball schnell wieder abgibt und nicht allzu häufig aus engen Räumen herausspielt, wird ihm gerne als Schwäche ausgelegt. Das stimmt aber nur bedingt. Delaney spielt tatsächlich viele Rückpässe auf den Außen- oder Innenverteidiger. Damit lädt er den Gegner aber bewusst zum Pressing ein. Mit den richtigen Mitspielern kann dann anschließend aus der Enge in noch größere Räume hineingespielt werden. Außerdem probiert sich Delaney in verschiedensten Situationen sogar an kreativen Chipbällen, die man ihm auf dem ersten Blick gar nicht zutraut. Auch wenn die gegen Leverkusen mal besser und mal schlechter funktionierten. 

Was Favre ebenfalls gefallen dürfte: Delaney kann durchaus mal in den Strafraum gehen und seine Box-to-Box-Anlagen ausleben. Gleichzeitig ist er kein Sechser, der nur offensiv denkt und stark abgesichert werden muss. Delaney hat kein Problem damit, selbst Teil der Absicherung zu sein und Konter abzufangen. In diesem Fall kann dann Witsel stärker nach vorn schieben. 

Wie gut ist Delaney?

Die große Frage wird sein, ob Delaney das gute Ballbesitzlevel aus dem Leverkusen-Spiel konservieren kann. Gegen den Ball wird er das wohl ohnehin tun. Auch gegen Barcelona performte er hier wieder auf Topniveau. Ein Jungspund ist Delaney nicht mehr. Trotzdem wird es spannend, wo sein Weg in den kommenden Wochen und Monaten hinführt. Erst einmal kann er sich aber die Taktikfüchse-Urkunde als Spieler des Spieltags an die Wand hängen. Und wer weiß: Vielleicht ist genau sie die Motivation, weiter an sich zu arbeiten und den nächsten Schritt zu machen. Wir werden es beobachten.

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Tags: Bundesliga, Borussia Dortmund, Spieler des Spieltags, Thomas Delaney

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