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Fortuna: Ein Umbruch, der keiner werden soll

Ja, die Vorbereitung auf die Saison hatte für Fortuna Düsseldorf mit großen Nackenschlägen begonnen. Lukebakios Leihe konnte nicht verlängert werden, im Tauziehen um Raman entschied man sich letztlich dazu, den Spieler freizugeben. Zu groß war der Wunsch des Belgiers in Zukunft ein königsblaues Trikot zu tragen. Beide hatten in der Vorsaison maßgeblich zu Fortunas Stärke beigetragen, sprinteten in die Tiefe, konnten mit ihrem Tempo oft kaum verteidigt werden. Der vielleicht schwerste Schlag für die Fortuna aber könnte die Verletzung von Kevin Stöger sein. Der Österreicher riss sich im Mai das Kreuzband. Er hatte dafür gesorgt, dass die Fortuna sich im Zweifel auch spielerisch helfen konnte. Das wird Düsseldorf nun fehlen - oder?

Neues Personal, ähnliche Taktik?

Zweifellos stehen Friedhelm Funkel in den nächsten Wochen schwere Aufgaben bevor. Denn der Umbruch auf dem Platz soll nach Möglichkeit gar nicht so groß ausfallen wie der auf der Spielerliste. Am liebsten will die Fortuna weiter den Fußball der letzten Saison spielen  - nur eben mit neuem Personal.

Kompaktheit, Umschaltspiel, Antworten mit Ball. Wer die Fortuna im Vorjahr als reine Kontermannschaft bezeichnet hat, liegt falsch. Zumindest ein bisschen. Denn die Mannschaft konnte immerhin punktuell mit guten Ballbesitzmomenten überraschen, versuchte sich gerne am flachen Spielaufbau. Auch unter Druck, z. B., wenn der Gegner Gegenpressing spielte. Dass all das ohne Kevin Stöger nicht möglich gewesen wäre, stellte Funkel unmittelbar nach der schweren Verletzung des 25-Jährigen klar: “Kevin hat unser Spiel getragen.” 

Tun müssen das nun die Neuen, damit die Fortuna auch 19/20 eine Symbiose aus möglichst vielen Facetten auf den Rasen bringen kann. Die Liste der Neuzugänge ist lang. Um nur ein paar aus ihr zu zitieren: Zack Steffen (Manchester City), Kasim Adams (TSG Hoffenheim), Lewis Baker (FC Chelsea), Bernard Tektepey (Schalke 04), Erik Thommy (VfB Stuttgart). Kleine Spieler von großen Vereinen, wenn man so will.

Wer setzt das neue Tempo ein?

Der Überraschungssieg am ersten Spieltag gegen Werder Bremen könnte Funkel etwas Zeit verschaffen, um seinem Team das neue alte Fortuna-System einzuimpfen. Die dürfte er auch brauchen. Denn so gut das Ergebnis auch ausfiel: Wenn man ehrlich ist, fußte es vielmehr auf purer Effizienz und einer großen Portion Spielglück als auf einer taktischen Meisterleistung. Besonders aussagekräftig: Funkel lobte seinen Torwart Steffen nach dem Spiel öffentlich. Nach einem 3:1-Sieg wohlgemerkt.

In den ersten zehn Minuten machte Fortuna noch im Angriffspressing Dampf, ehe man sich weit zurückzog, manchmal sogar bis ins Abwehrpressing. Ja, ein Bild, das man schon aus der letzten Saison kennt: Düsseldorf lässt den Gegner kommen, setzt auf Konter. Vor allem die Flügel im 4-4-2 unterstützten die Viererkette stark.

Dass Bremen die Fortuna zumindest phasenweise knacken konnte, lag insbesondere daran, dass sich die Sechser gelegentlich etwas zu leicht herauslocken ließen. Über ein schnelles Kombinationsspiel kam Werder dann hinter das Düsseldorfer Mittelfeld. Ein Bollwerk boten die Mannen von Funkel also nicht an - das tat die Fortuna tatsächlich aber auch in der vergangenen Saison nicht. Man verteidigte aufopferungsvoll, taktisch sehr ordentlich - und war eben selbst nach vorn immer wieder gefährlich. 

Was Funkel gerade deshalb weniger gefallen haben dürfte, könnte die fehlende Entlastung seines Teams gewesen sein. Die eigenen Konterversuche erstickten oft im Bremer Gegenpressing. Auch wenn der Bundesliga-Veteran nach der Partie erklärte: "Wir wollten nach der Führung kein großes Risiko eingehen im Umschaltspiel, um nicht selbst anfällig zu sein."

Dennoch: Will die Fortuna an die Erfolge der letzten Spielzeit anknüpfen, geht es vor allem um eines: effizient sein. Düsseldorf muss schnell ein paar Punkte sammeln, um sich in Ruhe wieder dorthin entwickeln zu können, wo man schon mal war. Insbesondere offensiv. Vieles könnte am Ende daran hängen, ob der eine oder andere Neuzugang ähnlich durch die Decke geht wie seine Vorgänger.

Schon gegen Bayer Leverkusen steht Düsseldorf das nächste Duell als Außenseiter bevor. Und so kurios es auch klingen mag: Genau für diese Aufgabe wird Funkel nicht nur Konterspieler, sondern vor allem auch gute Fußballer brauchen. Sonst nämlich könnte es passieren, dass der Ball immer wieder wie ein Fisch im Gegenpressingnetz der Werkself zappelt - und Düsseldorf wieder Entlastungsangriffe vermissen lässt. 

Denn am Ende ist es eben oft eine Symbiose: Nur, wenn die neuen Tempospieler vorne auch gefüttert werden, ist ihre Stärke wirklich etwas wert. Das wissen Stöger, Lukebakio und Raman wohl am besten.

Tags: Bundesliga, Friedhelm Funkel, Fortuna Düsseldorf

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