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Augsburg und Union sitzen im selben Boot

Auf dem Papier teilen Augsburg und Union Berlin nicht so viele Gemeinsamkeiten. Die einen sind in ihrem neunten Bundesligajahr und dürften mittlerweile als etablierter Erstligist gelten. Die anderen bestreiten gerade die erste Bundesligasaison ihrer Vereinsgeschichte. Trotzdem haben beide Teams fußballerisch mehr gemein, als gerade den Augsburgern lieb sein dürfte. Das bewies spätestens das direkte Aufeinandertreffen.

Augsburg und Union haben eine ähnliche Strategie

Augsburg gegen Union Berlin galt vor dem Spieltag mit Sicherheit nicht als fußballerischer Leckerbissen oder Tipp für Taktik-Freaks. Wenn man so will: Die nicht vorhandenen Erwartungen haben beide Teams vollends erfüllt. Flaches Aufbauspiel durchs Zentrum? Fehlanzeige! Hohe Bälle die Flügel entlang? Klar doch!

Spannend war dabei, wie sehr sich die fußballerischen Ansätze der beiden Teams ähnelten. Zu Beginn des Spiels sah sich Augsburg als Heimteam und leichter Favorit in der Verantwortung, das Spiel machen zu müssen - mit Betonung auf müssen. Einen sonderlich guten Plan für das Ballbesitzspiel hatten die Fuggerstädter nämlich nicht. 

Oft besetzte Augsburg das offensive Mittelfeld mit den einrückenden Außen Hahn und Vargas sogar überraschend gut. Eine Neuerung im Schmidt-System, die allerdings verpuffte. Denn gefunden wurden Hahn und Vargas dort kaum. Flachpässe der Innenverteidiger ins Zentrum waren die Ausnahme. Wenn überhaupt erreichte man das offensive Mittelfeld durch einen Chipball. Viel lieber spielte man allerdings den hohen diagonalen Ball auf die Außen, bevorzugt durch den zurückfallenden Sechser Baier. Aber auch der hohe Ball die Linie entlang hatte Hochkonjunktur. Probleme bereitete man Union damit fast nie.

Das Glück des FCA: Die Eisernen hatten selbst auch nicht mehr Ideen. Zu Beginn der Partie waren sie ohnehin nicht an kontrollierten Ballbesitzphasen interessiert. Später, besonders nach dem Rückstand, versuchte man zeitweise - ebenfalls mit einem tiefen Sechser - für etwas mehr Ruhe im Spielaufbau zu sorgen. Die Mittel blieben aber dieselben wie bei den Augsburgern: hohe Bälle in die gegnerische Hälfte, bevorzugt die Linie entlang. 

Beiden Mannschaften fehlen die spielerischen Mittel

Gerade zu Beginn des Spiels ergab sich so eine für den Zuschauer schwer anzusehende Partie. Nicht mal durch erfolgreiche Gegenpressingaktionen schaffte es eines der Teams, den Ball im Zentrum mit Blick zum gegnerischen Tor zu kontrollieren. Die größte Gefahr strahlten beide Mannschaften stattdessen durch Flanken aus. Wobei Gefahr hier relativ zu sehen ist. Die Erfolgsquote Unions lag bei 16,7 %.

Gegen den Ball unterschieden sich die Ideen von Fischer und Schmidt anfangs etwas mehr. Der FCA presste oft hoch und mannorientiert. Gefährliche Ballgewinne entstanden daraus nicht. Schließlich war Union zu keinem Moment dazu bereit, im Aufbauspiel auch nur ein kleines Risiko einzugehen. 

Union agierte wie auch am ersten Spieltag raumorientierter und attackierte den gegnerischen Spielaufbau erst ab der Mittellinie. Der Fokus lag darauf, keine direkten Flachpässe ins Zentrum zuzulassen. Dies gelang auch deutlich besser als noch gegen Leipzig. Das hatte allerdings stark mit der Qualität des Gegners und weniger mit einer eigenen Steigerung zu tun. Hatte sich die Nagelsmann-Elf ihren Gegner noch gezielt zurechtgelegt, war davon am Samstag wenig zu sehen.

Im weiteren Spielverlauf pressten auch die Mannen von Urs Fischer zeitweise höher und dann auch mannorientierter. Grund dafür war der Rückstand, der das Team aktiver werden ließ. Das führte allgemein zu einem offeneren Spiel: Es gab insbesondere mehr Platz für den Kampf um den zweiten Ball. Entsprechend gefährlicher wurde es, sobald ein Team den Ball im gegnerischen Drittel unter Kontrolle bekam. 

Wie holen Augsburg und Union Punkte?

Am Ende jedoch standen zwei Teams, die einen sehr ähnlichen Plan verfolgten und (abgesehen von jeweils einem Tor) nach vorn wenig zustande brachten. Nach den deutlichen Niederlagen am ersten Spieltag kommt unweigerlich die Frage auf: Wie wollen diese beiden Teams konstant punkten? Was zeichnet sie aus, wo stechen sie aus dem grauen Bundesliga-Alltag heraus? Und vor allem: Welche drei Teams möchten sie so hinter sich lassen?

Es zeigen sich dabei Tendenzen, die schon in der Vorbereitung zu sehen waren. Union und Augsburg haben entweder nicht die Qualität oder nicht den Anspruch, das Spiel flach zu eröffnen und aus dem eigenen Aufbauspiel Chancen zu kreieren. Stattdessen setzt man auf Umschaltspiel und Flanken. Dass Flanken wiederum nicht das effizienteste Mittel im Fußball sind, hat man aber nicht erst an diesem Wochenende beobachten können. Umso problematischer scheint es, dass beide Mannschaften bislang weder über das Pressing noch durch Gegenpressing Umschaltsituationen erzeugen können. 

Zwangsläufig landet man so in einer Ausgangslage, in der man sich gegen jeden Gegner schwer tut. Beide hatten schon die Möglichkeit, gegen ein Top-Team der Liga anzutreten - und sind krachend gescheitert. Mit einem defensiven Ansatz, der vor allem von Mutlosigkeit geprägt war. Zu keiner Zeit hatte man das Gefühl, dass Union oder Augsburg eine Idee haben, wie sie Leipzig bzw. Dortmund gefährlich werden können. 

Wenn man aber schon keine Punkte gegen die Großen holen kann, wäre es von Vorteil, wenn man wenigstens gegen die Kleinen einen klaren Plan hat, um zu Torchancen zu kommen. Augsburg befindet sich nun in der vermeintlich glücklichen Lage, kommende Woche auf einen der Gegner zu treffen, die ihnen am ehesten liegen sollten. In Bremen spielt man gegen eine Mannschaft, die den Anspruch hat, über Ballbesitz Torchancen zu kreieren. Werder hat dabei aber nicht die Qualität der Top-Teams. Spätestens hier muss Schmidt zeigen, wie weit sein strategischer Ansatz den FCA diese Saison tragen kann. 

Für Union dagegen folgt das nächste Heimspiel gegen einen schier übermächtigen Gegner. Fischer wird beweisen müssen, dass er vor allem aus dem ersten Spieltag gelernt hat. Nur dann nämlich wird Union gegen den BVB mehr Gegenwehr zeigen können als noch gegen Leipzig. Mitaufsteiger Köln hat es vorgemacht. Mit viel Körperlichkeit, mit viel Intensität. Und mit einer gehörigen Portion Umschaltstärke.

Tags: Bundesliga, FC Augsburg, Martin Schmidt, Union Berlin, Urs Fischer

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