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Wofür möchte Arsenal unter Emery stehen?

Wo soll die Reise unter Emery hingehen? Diese Frage stellte man sich vor einem Jahr, als der Baske Arsenal nach 22 Jahren unter Arsene Wenger übernahm. Seitdem ist viel Zeit vergangen - und eine Antwort gibt es noch immer nicht. Zuletzt traf Arsenal im North-London-Derby auf Tottenham Hotspur. Nach einem 2:0-Rückstand konnte die Emery-Truppe noch ausgleichen und sich immerhin einen Punkt aufs Konto gutschreiben. Die Geschichte des Spiels aber ist - genauso wie die der letzten Saison - eine der fehlenden Konstanz. Arsenal befindet sich auf der Suche nach einer klaren Spielidee.

Wechsel-Meister Emery

Allein ein Blick auf einige Ergebnisse der Vorsaison offenbart die Unstetigkeit Arsenals. So hatte man das erste North-London-Derby unter Emery in einem elektrisierenden Spiel mit 4:2 gewonnen. Dazu holte man gegen Rennes in der Europa League ein 3:1 aus dem Hinspiel auf und zerlegte Valencia im Europa-League-Halbfinale mit einem Gesamtergebnis von 7:3. Auf der Gegenseite stehen jedoch klare Niederlagen gegen Liverpool in der Liga (1:5) und gegen Chelsea im Europa-League-Finale (1:4). Gegen den Tabellen-Siebzehnten Brighton spielte man zwei Mal unentschieden, Crystal Palace eroberte das Emirates Stadium und holte auch zuhause einen Punkt gegen die Londoner. 

Eine solche Diskrepanz in den Ergebnissen eines Teams ist unter einem neuen Cheftrainer nicht komplett ungewöhnlich. Oft liegt dies daran, dass sich das Team noch an die neuen Vorstellungen des Trainers gewöhnen muss. Das gilt besonders bei Coaches, die für eine klare Spielphilosophie stehen, ein neues Fundament legen wollen. Emery ist jedoch kein Trainer dieser Art. Wie lassen sich dann die Leistungsschwankungen Arsenals erklären?

Emery gelang es in seiner ersten Saison nicht, eine gesunde Basis aufzubauen. Der Baske wechselte oft die Formation. Am liebsten setzte er auf ein 4-2-3-1 und 3-4-2-1, aber auch andere Varianten wurden zwischendurch ausgetestet. Arsenal versuchte sich häufig an den Gegner anzupassen, konnte aber gleichzeitig wenig eigene Spielprinzipien entwickeln, die unabhängig vom Gegner Gültigkeit haben. So ging der Emery-Matchplan oft nicht komplett auf. Das wiederum sorgte für viele Wechsel im Spiel. Emery veränderte in vielen Fällen direkt zu Wiederbeginn der zweiten Hälfte Personal und Taktik. Konstanz bekam das Arsenal-Spiel dadurch fast nie.

Diese Saison begannen die Gunners wieder im Lieblingssystem Emerys, dem 4-2-3-1. Für das dritte Saisonspiel gegen Liverpool stellte er auf ein 4-3-1-2 um. Das North-London-Derby ging man derweil im 4-3-3 an. In diesem sonst wenig genutzten System zeigten sich noch einige strukturelle Probleme, aber auch interessante Ansätze. Ob das 4-3-3 nach der Länderspielpause zum neuen Stamm-System Arsenals werden könnte?

Die Frage der Positionsbesetzung

Ein großes Problem der Vorsaison waren die nicht aufeinander abgestimmten Spielerprofile in der Startelf. Spieler mussten teils außerhalb ihrer favorisierten Position spielen, funktionierten nicht im angedachten System oder beraubten sich gegenseitig ihre Stärken. All dies besserte sich auch im 4-3-3 nicht. Im Dreiermittelfeld agierte Xhaka als Anker-Sechser, Guendouzi gab den linken Achter und Torreira spielte den rechten Part. Guendouzi ließ sich oft neben den linken Innenverteidiger fallen, leitete von dort das Spiel und brachte Arsenal mit genialen Pässen ins Offensivdrittel. Klingt erst einmal gar nicht so schlecht. Aber während mit dem jungen Franzosen ein Spieler bestmöglich eingebunden war, litten andere Spieler und das gesamte Konstrukt darunter. 

Xhaka ist gerne für den Spielaufbau zuständig. Als alleiniger Sechser ist das auch durchaus naheliegend. Da dieser aber größtenteils schon von Guendouzi übernommen wurde, war Xhaka nicht wirklich als Spielgestalter gefragt. Gegen den Ball wiederum musste der Schweizer den Sechserraum verteidigen. Das aber entspricht nicht seinen Stärken. Ein Spieler, der großen Raum gut verteidigen kann, ist Torreira. Der Uruguayer wurde aber bekanntermaßen woanders eingesetzt. Offensiv sollte Torreira weit vorrücken und das Kombinationsspiel im Offensivdrittel verstärken. Das, man kann es sich denken, passt aber weniger zum Uruguayer. In der zweiten Hälfte wurde er vom klassischeren Kreativspieler Ceballos ersetzt, der diese Rolle besser ausfüllte. Xhaka und Guendouzi spielten im Ballbesitz weiter nebeneinander.

Trotz dieser Probleme gab es auch ein paar Lichtblicke. Die Wahl fiel auch deshalb auf das 4-3-3, damit Pepe, Aubameyang und Lacazette gemeinsam in die Startelf passen. Pepe dürfte auf dem rechten Flügel gesetzt sein. Der Ivorer zieht gerne ins Zentrum und kann durch seine Fähigkeiten im Dribbling Lücken aufreißen, diese selbst attackieren und auch abschließen. Neben diesen neuen Pepe-Elementen bleibt die Symbiose zwischen Aubameyang und Lacazette einer der besten Aspekte im Offensivspiel Arsenals. Das Zusammenspiel zwischen ihnen sah gegen die Spurs so aus, dass sich Lacazette aus dem Sturmzentrum fallen ließ und Aubameyang vom linken Flügel einrückte. Von dort startete er Tiefenläufe hinter die Tottenham-Abwehr. Spieler wie Özil oder Ceballos wären theoretisch in der Lage, Aubameyang dann mit Pässen zu füttern. Arsenal hat eine Ansammlung von hochtalentierten Spielern, die spannende Ansätze mitbringen. Dass es aber bisher stets nur bei Ansätzen blieb, liegt daran, dass dahinter kein stabiles mannschaftstaktisches Konstrukt steckt.

Das Puzzle zusammensetzen

Emery steht diese Saison wieder vor der gleichen Aufgabe wie im Vorfeld seiner Debüt-Saison: Leichter wird diese aber nicht. Im Kader tummeln sich besonders im Mittelfeld und Angriff viele unterschiedliche Spielertypen, die alle ein hohes Niveau haben. Aus all diesen Teilen muss Emery nun das fertige Puzzle kreieren.

Dafür gilt es, zunächst die passende Grundordnung zu finden. Nach der letzten Saison wird es entscheidend, dieses Jahr ein festes System und auch eine Art Stammelf zu etablieren. Nur dann können auf Dauer auch klare Prinzipien auf den Platz gebracht werden, die nicht an den Gegner gebunden sind. Sollte Emery das nicht gelingen, wird Arsenal zwar wieder für ein paar Highlights sorgen. Der durchschlagende Erfolg dürfte aber erneut ausbleiben. Und dann könnten sich viele auch am Saisonende noch fragen: Wofür möchte Arsenal unter Emery eigentlich stehen?

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Tags: Premier League, FC Arsenal, Unai Emery

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