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Frankfurts Ballbesitzspiel - Zeit für eine Zwischenbilanz

Vor der Saison machte es sich Adi Hütter zum Ziel, das Ballbesitzspiel seines Teams zu verbessern. Natürlich ist es noch nicht absehbar, welche Auswirkungen die Stürmerrochaden dieses Transferfensters darauf haben werden. Dennoch scheint die Zeit nach drei Spieltagen reif für eine Zwischenbilanz. Das Spiel gegen die Fortuna ist dafür ein guter Maßstab, weil es sich um eine auf dem Papier unterlegene Mannschaft handelt, die ihre Stärken besonders im Verteidigen und Kontern sieht. Das kann für ein unreifes Ballbesitzspiel zur Gefahr werden.

Hütter baut auf eine flexible Offensivstruktur

Grundsätzlich ist die Frankfurter Ballbesitzstruktur immer davon abhängig, ob Kamada und Gacinovic Plätze im Offensivtrio einnehmen. Anfang der Saison begann die Eintracht meist in einer 3-4-2-1-haften Struktur mit Gacinovic und Kamada als Zehner hinter der Solospitze Rebic. Gegen Leipzig und Düsseldorf setzte Hütter hingegen auf Paciencia und Joveljic als Doppelsturm vor dem Japaner.

Die Staffelung der drei Offensiven ist aber auch so keineswegs in Stein gemeißelt. Vielmehr gibt es viele Rochaden, da das Spiel der Eintracht im Allgemeinen viel auf Flexibilität ausgelegt ist. Besonders Paciencia lässt sich gerne fallen und überzeugt durch sein Spiel mit Gegner im Rücken. Joveljic dagegen war bisher eher auf Aktionen an der gegnerischen Abwehrlinie fokussiert. Als Gegenpol zu Paciencias Bewegungen begibt sich Kamada immer wieder hinter die gegnerische Verteidigung und versucht den Raum anzusteuern, den Paciencias Gegenspieler eventuell durch ein mannorientiertes Verfolgen öffnet.

Das Ballbesitzspiel der Eintracht wird aber nicht nur durch die Bewegungsmuster des Offensivtrios geprägt. Auch der tiefe Aufbau ist spannend und untypisch. Die Dreierkette fächert bei tiefem Ballbesitz enorm weit auf, sodass beide Halbverteidiger nah an die Außenlinien schieben. Hinteregger und Abraham rücken oft sogar noch leicht auf, wodurch sie quasi die Außenverteidigerpositionen in einer Viererkette einnehmen. Hasebe ist dann vorerst alleine in der Mitte, bekommt aber immer wieder Unterstützung durch einen abkippenden Sechser. Um diesem Raum zu schaffen, orientiert sich Hasebe oft schon früh nach halblinks oder halbrechts. So wird jeweils der andere Halbraum freigeräumt.

Die Eintracht nutzt unorthodoxe Aufbaurochaden

Gegen die Fortuna war es häufig Sebastian Rode, der sich den Ball neben Hasebe abholte. Das Abkippen hatte für die Sechser den Vorteil, dass sie sich den Mannorientierungen durch die gegnerischen Achter Morales und Fink entzogen. Anschließend konnten sie unbedrängt andribbeln. Der Frankfurter Aufbau, dessen breite Dreierkette sowieso schon ein ungewohnter Anblick ist, wird durch das Verhalten der Sechser aus der tiefen Position nochmal unorthodoxer. Sollte sich vorher nicht ein Passweg durch das Düsseldorfer Mittelfeld ergeben haben, schleppte Rode den Ball nämlich weiträumig quer über das Feldes, um dann den ursprünglich ballfernen Halbverteidiger anzuspielen.FrankfurtBB

In diesen Fällen sind dann die Halbverteidiger in der Verantwortung, das Spiel aufzubauen. Grundsätzlich aber ist es die Strategie der Eintracht, die Offensivspieler so wie früh wie möglich zu finden - und das am liebsten flach. Dafür wird die breite Positionierung der Halbverteidiger genutzt, die es den Wingbacks Kostic und da Costa ermöglicht, in die Halbräume einzurücken oder zumindest weit vorzuschieben. Vor allem Kostic erhielt auch einige Male im Zwischenlinienraum den Ball. Grund dafür war, dass Hinteregger trotz seiner Positionierung als Rechtsfuß auf links die besseren Pässe durch das Mittelfeld der Fortuna spielte. Kostic erhielt dazu auch mehr Unterstützung durch Kamada und Paciencia. Auf rechts ist das Spiel dagegen linearer und noch mehr von da Costas Einzelaktionen abhängig, da Abrahams Passspiel nicht so viele Varianten aufweist. Auch Joveljic und Dost waren als rechte Stürmer gegen die Fortuna nicht so kombinativ veranlagt und unterstützen da Costa weniger.

Wenn der Pass auf die Außen gespielt wurde, erfährt der Ballführende schnell Hilfe durch die Sechser. Rode setzt dabei oft zu tiefen Läufen an, während Kohr als pressingresistenterer Spieler eher seine Position im Sechserraum hält. Da aber selbst Rode nicht in jedem Angriff nach vorne durchsprinten kann, wechselten sich die beiden in ihren Aufgaben auch mal ab. Nach dem Rückstand wollte Hütter schließlich gegen die Fortuna noch mehr Präsenz hinter dem gegnerischen Mittelfeld schaffen. Hierfür brachte er Gacinovic für Rode. Frankfurt setzte fortan mehr auf 3-1-4-2-Staffelungen mit Gacinovic neben Kamada. Das hatte es im Pokal gegen Waldhof Mannheim schon mal gegeben.

Zu viel Flügel, zu wenig Zentrum

Aus dem tiefen Aufbau konnte Frankfurt so recht konstant zwischen Mittelfeld und Abwehr der Fortuna kommen. In diesen Räumen gibt es jedoch noch so einige Schwierigkeiten bei den Hessen. Insgesamt fehlt im Frankfurter Spiel oft noch die Diagonalität, um aus Halbräumen und Flügelzonen direkt vor das Tor zu kommen. Das bedeutet, dass Frankfurt häufig aus einer vielversprechenden Position zu schnell den Weg zur Grundlinie sucht. Besser wäre es teilweise, sich zum Tor zu orientieren und den Durchbruch in der Zentrale zu suchen. Dass das nicht passiert, hat mehrere Gründe. Zum einen ist es der Charakter der Hütter-Mannschaft, sich schnell und direkt Chancen zu erarbeiten. Dafür ist es nötig, schnell Räume nach vorne zu erschließen, auch wenn diese direkt an der Seitenlinie liegen. Auf dem ersten Blick scheinen die Flügel oft offener und die Spieler lassen sich dorthin treiben. Zum anderen erschwert die flexible, improvisierte Struktur das Einspielen klarer Mechanismen in den Zonen ums gegnerische Tor. Die Frankfurter besetzen nicht wie beim Positionsspiel immer bestimmte Zonen. Deshalb ist es schwierig, in den entscheidenden Momenten genau die Bewegungen und Positionsbesetzungen abzurufen, die zu mehr Durchbrüchen führen könnten. So werden viele Frankfurter Angriffe durch Flanken oder Schüsse aus der zweiten Reihe abgeschlossen. Ohne Zweifel ist dies auch ein Teil der Hütter-Idee: Besonders bei Flanken bringt die Eintracht immer viel Personal in den Strafraum. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass ihr durch diese Probleme noch etwas verloren geht.

Wie gut ist die Eintracht denn nun?

Kommen wir zum versprochenen Zwischenfazit: Hütters Team kann bis dato auf jeden Fall einen Gegner über Ballbesitz kontrollieren und sich Chancen herausarbeiten. Das Spiel gegen die Fortuna wurde sogar nach 0:1-Rückstand noch in einen Sieg umgebogen. Die Tore dabei entstanden, natürlich, nach Flügelangriffen. Um noch mehr aus seinem Team herauszukitzeln, sollte sich Hütter aber das Ausspielen der Angriffe über das Zentrum zur Brust nehmen. Vielleicht kann die Eintracht dann sogar das Märchen der Vorsaison weiterschreiben. Trotz neuem Offensivpersonal.

Tags: Bundesliga, Eintracht Frankfurt, Adi Hütter

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