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Acht spannende Taktik-Projekte international

Die Bundesliga bietet mittlerweile ein großes taktisches Spektrum. Einige Teams setzen auf Ballbesitz-Fußball, andere auf Pressing und Stabilität. Wieder andere, zum Beispiel Hoffenheim oder Leipzig, passen die Strategie bisher stark dem Gegner an. Neue Trainer wie Marco Rose oder Oliver Glasner bringen interessante Herangehensweisen in die Liga. Aber auch international gibt es einige eher unbekannte Mannschaften, die taktisch aus den verschiedensten Gründen sehenswert sind. Wir stellen acht dieser Mannschaften vor.

Leeds United: spektakulär dank Bielsa

Marcelo Bielsa gilt als einer der einflussreichsten Trainer für den modernen Fußball. U. a. Pep Guardiola und Mauricio Pochettino wurden vom 63-jährigen Argentinier geprägt. Letztes Jahr übernahm Bielsa den englischen Zweitligisten Leeds United und führte ihn auf den dritten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an den Aufstiegs-Play-Offs berechtigte. In diesen verlor man zwar, nun ist man aber wieder einer der Favoriten auf den Aufstieg. Bielsa lässt einen extrem energischen, schnellen Fußball spielen. Gegen den Ball will der Coach sehr hoch und mannorientiert pressen. Mit dem Ball kombiniert sich Leeds vor allem auf kleinen Räumen am Flügel nach vorn. Dabei bildet man stets Dreiecke oder Rauten, um immer wieder mehrere Anspielstationen zu haben. Nur so kann es wie von Bielsa gewünscht mit Tempo in Richtung Tor gehen. Dank dieser Spielweise sind Leeds-Spiele fast immer spektakulär.

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Sheffield United: die hinterlaufenden Innenverteidiger

Sheffield United ist einer der traditionsträchtigsten Vereine Englands. Anfang des Jahrzehnts rutschte der Klub bis in die Drittklassigkeit ab. 2016 übernahm dann Chris Wilder den Verein. Bis dahin hatte der Engländer nur bei kleineren Vereinen gearbeitet. Mit dem Klub, von dem er schon als Kind großer Fan war, stieg er zwei Mal in Folge auf. Nun, in der Premier League, steht Sheffield nach vier Spieltagen auf einem Mittelfeld-Platz. Wilder lässt ein 3-5-2 spielen. Besonders offensiv zeigt sein Team interessanteste Ideen. Die erwähnenswerteste dürfte die der hinterlaufenden Innenverteidiger sein. Die Halbverteidiger der Dreierkette sollen sich ins Offensivspiel einschalten und sogar die eigenen Flügel hinterlaufen. Auf diese Weise schoss auch schon ein Innenverteidiger aus dem Spiel heraus ein Tor innerhalb des gegnerischen Fünfmeterraums. Wer verrückte Taktik-Experimente liebt, sollte sich Sheffield mal anschauen.

SD Eibar: das intensivste Pressing Europas

Eibar ist einer der kleinsten Erstliga-Vereine Europas. Die Stadt Eibar hat nur 27.000 Einwohner. Das Stadion fasst lediglich knapp über 6.000 Zuschauer. Gaizka Garitano, der aktuelle Trainer Athletic Bilbaos, brachte den Verein von 2012- 2014 mit zwei Aufstiegen in Folge in die erste Liga. Nach dem ersten Jahr in La Liga übernahm Jose Luis Mendilibar den Verein. Seitdem landete man trotz Mini-Budget nie unter dem 13. Tabellenplatz. Erfolgsrezept ist das hohe, sehr intensive Pressing. Im letzten Jahr hatte man den geringsten PPDA-Wert aller Vereine aus den Top-5-Ligen (6,83). PPDA steht für passes per defensive actions allowed, also für die Anzahl der Pässe des Gegners, die eine Mannschaft zulässt, bevor sie eine defensive Aktion (Zugriffsaktion) hat. Ein kleiner Wert deutet dementsprechend auf ein sehr aggressives Pressing hin. Laut den Daten spielt Eibar also das aggressivste Pressing Europas. Wer auf perfekt abgestimmte Pressing-Trigger steht, muss einen Blick nach Eibar wagen.

Krasnodar: ein Hauch von Guardiola in Russland

Krasnodar mag kein allzu bekannter Name sein, feierte aber zuletzt einige Achtungserfolge. In der vergangenen Europa-League-Saison schlugen die Russen Bayer Leverkusen. In dieser Spielzeit gewannen sie dann sogar gegen Porto in der Champions-League-Qualifikation. Grund für den Erfolg ist der 35-jährige Murad Musaev, der aufgrund der fehlenden Trainerlizenz bei internationalen Spielen verrückterweise nicht mal auf der Bank sitzen darf. Dennoch ist er eines der vielversprechendsten Trainer-Talente Europas. Krasnodar spielt unter ihm im 4-3-3, rotiert in der Offensive häufig die Positionen und spielt ansehnlichen, weil sehr zielgerichteten Ballbesitz-Fußball. In der grundsätzlichen Spielanlage und dem Vertrauen in das Positionsspiel erinnern die Russen durchaus an Guardiola-Teams. Die Namen Musaev und Krasnodar sollte man sich definitiv merken.

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US Sassuolo: das Krasnodar Italiens

Die Parallelen zwischen Krasnodar und Sassuolo sind nicht zu übersehen: Beide Vereine sind erst seit ein paar Jahren in der ersten Liga ihres Landes und haben einen jungen, stark von Guardiola beeinflussten Trainer. Dieser hört bei Sassuolo auf den Namen Roberto de Zerbi. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere arbeitete der 40-Jährige sich bei kleineren Vereinen hoch und ist nun seit Anfang des letzten Jahres Trainer Sassuolos. Wie Musaev baut auch er auf das 4-3-3 und Positionsspiel. Damit wurde man in der letzten Saison schon Achter. Dieses Jahr ist vielleicht sogar noch mehr möglich.

Athletic Bilbao: der Barcelona-Schreck

Athletic Bilbao steht nach drei Spieltagen mit sieben Punkten auf dem dritten Tabellenplatz. Dabei schlug man zum Saisonauftakt direkt das große Barcelona. Eben jenem Klub hatte man auch schon in der vergangenen Saison zwei Zähler abluchsen können. Am Ende der abgelaufenen Spielzeit stand der achte Tabellenplatz und das trotz schwacher Hinrunde. Im Dezember übernahm Gaizka Garitano das Team. Richtig: Der Garitano, der zuvor bereits Eibar in die erste Liga geführt hatte. Danach folgten für ihn einige wenig erfolgreiche Kurzzeit-Engagements bei anderen kleineren spanischen Teams, bevor der Baske 2017 bei der zweiten Mannschaft Bilbaos angeheuert war. Der Erfolg seiner Teams liegt weiterhin im Pressing begründet. Sie ahnen es: Nach Eibar hatte Athletic Bilbao in der letzten Saison den höchsten PPDA-Wert der Liga (7,97). Spielerisch mag Bilbao nicht so viel anbieten wie andere Teams. Über das Spiel gegen den Ball stellt man aber selbst Top-Teams wie Barcelona vor schwierige Aufgaben.

AC Milan: Mit Giampaolo kommt eine Spielphilosophie

Zugegeben, die AC Milan ist kein kleiner, unbekannter Verein. In den vergangenen Jahren kriselte sie jedoch erheblich und die Aufmerksamkeit alter Tage ging rapide zurück. Milan verpflichtete viele vermeintliche Top-Stars, stand aber nie für eine klare Idee. Diese kam in diesem Sommer endlich mit Marco Giampaolo. Dieser trainierte zuvor Sampdoria Genoa und ist ausnahmsweise kein spektakulärer Name. Auch auf dem Transfermarkt wurden dieses Jahr keine Hochkaräter à la Gonzalo Higuain verpflichtet, sondern unterschätzte und talentierte Spieler wie Ismael Bennacer und Rafael Leao, die gut ins System passen. Giampaolo lässt am liebsten im 4-Raute-2 spielen und möchte das Spiel über ruhigen Ballbesitz-Fußball kontrollieren. Mit einem nach wie vor guten Kader ist dieses Jahr einiges möglich für die AC Milan.

Ajax Amsterdam: das Jahr danach

Ajax Amsterdam kann nach dem letztjährigen Champions-League-Halbfinaleinzug natürlich nicht mehr als taktischer Geheimtipp gelten. Der Einfluss, den Pep Guardiola auf Erik ten Hag in seiner Bayern-Zeit genommen hat, war unübersehbar. Man spielte furiosen, offensiven Kombinationsfußball und sorgte so auf europäischem Parkett für sensationelle Spiele. Im Sommer gingen mit Mathijs de Ligt und Frenkie de Jong allerdings die beiden Aushängeschilder des jungen Teams. Beide Abgänge sind logischerweise nicht einfach zu verkraften. Zu Saisonbeginn offenbarte Ajax bereits einige Probleme, war noch nicht im Flow der Vorsaison. Aufgrund der Abgänge muss ten Hag sein System verändern. Dabei zeigte er immerhin schon wieder interessante Ideen. Einige Spieler agierten in anderen Rollen als im Vorjahr und neue Spieler wurden integriert. Daley Blind wurde beispielsweise immer wieder als Sechser getestet. Neuzugang Lisandro Martinez hat sich sofort als Innenverteidiger festgesetzt. Aktuell sieht es so aus, als würde bei Ajax nicht nur personell, sondern auch taktisch einiges auf den Kopf gestellt werden. Die kommenden Wochen und Monate werden daher spannend zu beobachten sein.

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