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Funkel muss Fortunas Umschaltspiel wiederbeleben

Die letzte Spielzeit verlief für die Fortuna mehr als erfolgreich. Platz 10 und 44 Punkte - viel mehr kann man von einem Aufsteiger nicht erwarten. Die Düsseldorfer zeichnete dabei eine gute Kompaktheit gegen den Ball und ein brandgefährliches Umschaltspiel aus. Das soll auch in diesem Jahr wieder so sein. Bislang klappt das aber nur bedingt. 

Wer nicht den ganzen Artikel lesen will:

- Die Fortuna verteidigt auch in der neuen Saison meist tief

- Die weiten Wege bis zum gegnerischen Tor erschweren das Umschaltspiel ohne Lukebakio

- Es fehlt der Fortuna an Durchschlagskraft im letzten Drittel

- Funkel muss das Umschaltspiel an das neue Spielermaterial anpassen

 

Fortuna hält an der eigenen Spielanlage fest

Es verwundert kaum, dass Friedhelm Funkel in seinen Statements vor und nach den Spielen immer wieder Worte wie „Kampf“, „Einsatz“ oder „Leidenschaft“ gebraucht. Es sind genau diese Tugenden, die seine Elf letztes Jahr ausgezeichnet haben. Und es sind auch die Qualitäten, die seine Mannschaft in die neue Saison herüberretten konnte. An der Bereitschaft mangelt es bei Düsseldorf nie. 

Genau wie letztes Jahr beginnt die Fortuna ihre Spiele oft mit einem hohen und meist intensiven Angriffspressing. Es dauert aber nicht lange, bis man sich wieder in die gewohnt tiefe Abwehrhaltung zurückzieht. Gegen Wolfsburg waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, als man langsam aber sicher immer mehr den Rückwärtsgang einlegte. Wichtig ist Funkel nur, dass man auch im Abwehrpressing nicht in eine Passivität verfällt, sondern aktiv und aggressiv verteidigt.

Das gelingt den Düsseldorfern oft exzellent, in der etwas zurückgezogenen Grundhaltung fühlt sich das Team sichtlich wohl. Die Stürmer arbeiten aktiv mit nach hinten, die offensiven Außenbahnspieler unterstützen die Außenverteidiger und bilden so zeitweise Fünfer- oder Sechserketten in letzter Linie. So macht man es vor allem solchen Gegnern schwer, die nicht genug Kreativität im letzten Drittel mitbringen, um einen tiefstehenden Gegner zu knacken. 

Ein unüberwindbares Defensivbollwerk bilden die Fortunen trotzdem nicht. Zu groß sind dafür oft die Lücken im Sechserraum, zu gering die individuelle Qualität bei einem Verein wie Düsseldorf. Doch das war auch letzte Saison bereits der Fall. 65 Gegentore kassierte die Fortuna in 2018/19. Das reicht gerade mal für Platz 14 im Ligavergleich. Verantwortlich für das trotzdem erfolgreiche Abschneiden war eine sehr funktionale und effiziente Offensive.

Die Probleme im Umschaltspiel ohne Lukebakio

Umso problematischer ist es, dass es genau in diesem Bereich zu Saisonbeginn noch ordentlich hakt. Es ist der normale Lauf der Dinge, dass Erfolge wie die der Düsseldorfer im letzten Jahr Begehrlichkeiten wecken. Spieler wie Lukebakio oder Raman kann die Fortuna nicht eins zu eins ersetzen. Ihre Qualitäten fehlen dennoch enorm. 

Durch das tiefe Pressing kann die Fortuna nur selten hohe Ballgewinne verbuchen. Stattdessen hat man im Konter meist einen weiten Weg vom eigenen Drittel bis zum gegnerischen Tor. Lukebakio und mit Abstrichen auch Raman waren in der Lage, diesen Raum im Alleingang zu überbrücken. Besonders Erstgenannter ist ein starker Unterzahldribbler, der einen Konter mit seinen cleveren Laufwegen und der enormen Geschwindigkeit auch ohne viel Unterstützung der Mitspieler erfolgreich abschließen kann.

Momentan hat die Fortuna keinen Spieler mit solchen Qualitäten. Erik Thommy und Kenan Karaman würde man im ersten Moment vielleicht in diesen Rollen sehen. Doch beide sind keine klassischen Schnittstellensprinter, die immer die Tiefe suchen. Sie können zwar aus dem Dribbling Dynamik erzeugen, doch um innerhalb weniger Sekunden den halben Platz zu überbrücken, sind sie nicht die richtige Wahl.

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Findet Funkel Mittel gegen die mangelnde Durchschlagskraft?

In Folge des Fehlens der 1-Mann-Kontergefahr Lukebakio muss die Fortuna ihre Umschaltangriffe nun über mehrere Stationen nach vorne tragen. Das erfordert bessere Abläufe im Team und erhöht die Fehleranfälligkeit. Funkel sprach nach dem Spiel gegen Wolfsburg davon, dass man im Umschaltspiel „nicht genau genug“ gewesen sei. Der Düsseldorfer Übungsleiter traf damit den Nagel auf den Kopf.

Es ist deshalb nur logisch, dass es der Fortuna momentan an Durchschlagkraft im letzten Drittel mangelt. Am besten verdeutlicht dies eine einfache Zahl: Ganze 62 % der eigenen Abschlüsse nimmt die Funkel-Elf von außerhalb des Sechzehners - der Spitzenwert aller Bundesligisten. Auf Platz zwei folgen die als Fernschusskönige bekannten Mainzer mit 53 %.

Entsprechend froh sollte man in Düsseldorf sein, dass man trotz diverser Startschwierigkeiten aus vier Spielen vier Punkte geholt hat. Verdanken tut man diese Ausbeute einer weiteren Qualität, die man schon aus der letzten Saison kennt: der hohen Effizienz. Die Fortunen machen aus wenig Chancen viele Tore. Platz 18 in der Tabelle nach expectedPoints legt die These nahe, dass man mit etwas weniger Glück auch deutlich weniger Punkte auf dem Konto haben könnte. Mit den etwas schmeichelhaften vier Punkten erkauft man sich nun aber Ruhe und Zeit, die man dringend benötigen wird. Klar scheint: Über die Saison gesehen muss sich die Fortuna wieder zu einer echten Kontergefahr entwickeln, um in der Bundesliga bestehen zu können.

Der Hoffnungsschimmer für alle Fortuna-Fans: Auch letztes Jahr dauerte es ein wenig, bis man das gefürchtete Umschaltspiel regelmäßig auf den Platz bringen konnte. Die Qualität im Kader ist auch dieses Jahr unbestritten. Funkel wird jetzt aber andere Wege finden müssen, sie richtig zu nutzen. 

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Tags: Bundesliga, Friedhelm Funkel, Fortuna Düsseldorf

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