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Wolfsburgs Probleme gegen die vermeintlich Kleinen

Oliver Glasner beschrieb die Probleme des VfL Wolfsburg nach dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf sehr treffend: Man habe nicht genug Läufe in die Tiefe gesucht und hätte „schneller kombinieren müssen“. Die letzte Genauigkeit im Angriffsdrittel fehlte, so der Österreicher. Viel besser kann man es nicht zusammenfassen. Wie problematisch diese Defizite für die Wolfsburger sein können, deutete sich schon in den letzten Wochen an. Das Spiel der Wölfe basiert darauf, dass schnelle Kombinationen mit höchster Genauigkeit funktionieren. Gegen die Fortuna war das aus mehreren Gründen nicht der Fall. 

Wer nicht den ganzen Artikel lesen will:

- Brooks vertikale Pässe fehlten dem Aufbauspiel der Wölfe gegen Düsseldorf enorm

- Wolfsburg dribbelte gegen ein passives Pressing zu selten an

- Die Außenverteidiger standen oft zu tief und fehlten so als Kombinationspartner in der Offensive

- Die Abhängigkeit von Einzelspielern in der Offensive ist verhältnismäßig groß

- Wolfsburg könnte trotz eines soliden Fundaments in Zukunft Probleme gegen die vermeintlich Kleinen haben

 

Den Wolfsburgern fehlen gleich mehrere Stammspieler

Neben Mittelfeldspieler Xaver Schlager fehlten den Wolfsburgern mit Koen Casteels und Anthony Brooks an diesem Wochenende gleich zwei weitere wichtige Faktoren im Aufbauspiel. Der Ausfall des belgischen Schlussmanns fiel dabei nicht so sehr ins Gewicht, weil die Fortuna nur selten hoch anlief. So konnte auch der fußballerisch schwächere Ersatzkeeper Pavao Pervan das Spiel ohne Probleme eröffnen. Brooks' Ausfall wog dagegen um einiges schwerer.

Der US-Amerikaner ist zumeist derjenige, der das Spiel der Wolfsburger mit einem vertikalen Pass in das zweite oder dritte Drittel bringt. Mit Brooks ging der Innenverteidigung zudem der einzige Linksfuß ab. Ersatzmann Marcel Tisserand hatte nun die unangenehme Aufgabe, als Rechtsfuß den linken Halbverteidiger geben zu müssen und als solcher das Spiel der Wölfe anzukurbeln. Es verwundert nicht, dass der Kongolese dabei deutlich vorsichtiger agierte, als es sein amerikanischer Kollege normalerweise tut. Vertikale, linienüberspielende Pässe traute sich Tisserand fast nie zu, entsprechend selten schafften die Niedersachsen den direkten Übergang in das letzte Drittel. 

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Auch das Andribbeln kam in der neuen Personalkonstellation häufig zu kurz. Allgemein ist dies ein Mittel, das die Mannschaft unter Glasner bislang zu selten nutzt. Gegen Düsseldorf bot sich den Wolfsburger Innenverteidigern aufgrund des tiefen Pressings der Fortuna oft die Möglichkeit, die erste Pressinglinie mit einem Dribbling, statt mit einem Pass zu überspielen. Genutzt hat man dieses Angebot kaum. Zwischendurch hatte man sogar das Gefühl, dass der VfL im Aufbau gar keinen dritten Verteidiger benötigt. Auch mit einem Mann weniger in der Abwehrreihe hätte man den Ball vermutlich problemlos zirkulieren lassen können. Auch Glasner wird das bemerkt haben. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass er seine Mannschaft als noch nicht gefestigt genug sieht, um während des Spiels die Formation zu ändern. Schließlich spielen die Wölfe in der Amtszeit des Österreichers bislang nahezu ausschließlich im 3-4-3. Umso enttäuschender war es, dass sie die trotzdem vorhandenen Vorteile des dritten Manns in der Innenverteidigung so selten zu nutzen wussten. 

Glasners Mannschaft hat Probleme, im letzten Drittel zu kombinieren

Statt eines Dribblings suchten die Wolfsburger Halbverteidiger meist den kurzen Pass zum Außenverteidiger. Die tiefe Positionierung des Außenverteidigers brachte aber weitere Probleme mit sich. Glasners Offensivkonzept baut darauf auf, dass seine Mannschaft zwischen den Linien des Gegners mit wenigen Kontakten kombiniert. Steht der Außenverteidiger tief, fehlt im zweiten und dritten Drittel ein möglicher Kombinationspartner. Die Achter haben nicht die Aufgabe, vertikale Läufe in die Offensive anzubieten. Sie stellen eher eine sichere Rückspieloption dar. Überladungen einer Seite, zum Beispiel mit dem ballfernen Halbstürmer, sind in Glasners System ebenfalls kaum vorgesehen. So bleiben oft nur noch Stürmer Wout Weghorst sowie der ballnahe Halbstürmer des 3-4-3 für Kombinationen zwischen den Linien des Gegners. 

Erklärung: Eine Überladung hat das Ziel, durch viel Personal in einer Zone Überzahl zu schaffen.

Kommt wie an diesem Tag eine schwache individuelle Leistung von einem der Offensivspieler hinzu, fehlt es der Wolfsburger Offensive an Durchschlagskraft. Admir Mehmedi hatte, nach zuletzt starken Leistungen als Einwechselspieler, Glasners Vertrauen gewonnen und wurde in die Startelf beordert. Rechtfertigen konnte der Schweizer seine Nominierung nicht. Oft hatte er Probleme, als rechter Halbstürmer die richtige Positionierung im Halbraum zu finden und sich anspielbar zu machen. Wenn er doch mal den Ball zwischen den Linien erhielt, schien ihm an diesem Abend jegliches technische Geschick für eine gelungene Anschlussaktion abhanden gekommen zu sein. 

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Josip Brekalo, Mehmedis Pendant auf der linken Seite, zeigte sich da schon spielfreudiger. Zwar hatte auch er Probleme damit, zwischen den Linien aufzudrehen und das Spiel in Richtung des gegnerischen Tores fortzusetzen. Kontrollierte er aber erst einmal den Ball mit Blick zum gegnerischen Tor, wurde es meist direkt gefährlich. Nicht zuletzt das einzige Wolfsburger Tor an diesem Abend dokumentiert Brekalos Stärken. Nach einem Einwurf gelang es den Wolfsburgern wie sonst nur selten, die rechte Seite zu überladen und eine Überzahlsituation herzustellen. Über eine schnelle Kombination zog man die Düsseldorfer Defensive zur Ballseite. Brekalo bekam von William den Pass in die Tiefe, gewann das 1-gegen-1 Duell gegen Düsseldorfs Innenverteidiger Robin Bormuth und konnte Weghorst einen einfachen Abschluss vorbereiten. 

Eine Tendenz ist erkennbar

Es war ein Spielzug, den Glasner mit Wohlwollen beobachtet haben dürfte. Das Tor sowie das gesamte Spiel gegen Düsseldorf bestätigen aber auch eine Tendenz, die sich schon während der ganzen Saison andeutet: Wolfsburg ist von einzelnen Aktionen wie diesen abhängig. Je weniger die Wölfe auf einfachem Wege in gefährliche Räume kommen, desto schwerer tun sie sich. Denn die Autostädter schaffen es nur sehr selten, den Gegner mit einem klugem Anlocken des Pressings und anschließenden Verlagerungen systematisch zu zerlegen. Besonders gegen die kleinen Gegner, die sich auf das Spiel gegen den Ball konzentrieren und mit großer Kompaktheit glänzen, könnte man diese Qualitäten in Zukunft aber benötigen. 

Solange man diese Fähigkeit nicht hat, ist die Gefahr groß, dass man weiterhin verhältnismäßig stark von Ausfällen und individuellen Schwächen wie denen am Freitagabend beeinträchtigt wird. Gegen den 1. FC Köln und Hertha BSC konnte man solche Probleme schon erahnen, teilweise halfen dort auch ein günstiger Spielverlauf sowie Stärken im Umschaltspiel und bei Standardsituationen zum Sieg. Das, und auch die weiterhin stabile Defensive, bleibt ein Faustpfand der Wolfsburger im Kampf um Europa, der sie vermutlich vor ganz großen Leistungsschwankungen bewahren wird. Die Spiele gegen den SC Paderborn und Düsseldorf machen aber deutlich: Platz für weitere Entwicklungsschritte gibt es genug, besonders im Ballbesitzspiel. 

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Tags: Bundesliga, VfL Wolfsburg, Oliver Glasner

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