f logo RGB Blue 58 Twitter Social Icon Circle Color

Die Fohlen sind die Dribblingkönige der Liga

Borussia Mönchengladbach hat in dieser Saison schon sehr unterschiedliche Leistungen auf den Platz gebracht. Angefangen mit einer uninspirierten Vorstellung im Pokal, steigerte man sich in den ersten beiden Bundesliga-Spielen und war zumindest defensiv stabil. Nach der unglücklichen Niederlage gegen RB Leipzig setzte sich gegen den 1. FC Köln ein Trend fort: Die Borussia entwickelt sich von Woche zu Woche weiter. Besonders im Ballbesitzspiel.

Wer nicht den ganzen Artikel lesen will:

- Gladbach hatte zu Saisonbeginn immer wieder Probleme damit, aus eigenem Ballbesitz Torgefahr zu erzeugen

- Gegen Köln verzichtete man auf Chipbälle und nutzte die Vorteile der Mittelfeldraute mehr im Umschaltmoment

- Das Ballbesitzspiel der Borussia wird extrem durch viele Dribblings im Zentrum geprägt

- Die Entwicklung in den ersten Wochen unter Marco Rose ist sehr vielversprechend

Gladbachs Probleme mit den Chipbällen

Wer genau hingeschaut hat, dürfte bei der Entwicklung der letzten Wochen bemerkt haben, dass ein Stilmittel quasi komplett aus dem Offensivspiel der Niederrheiner verschwunden ist. In der Saisonvorbereitung und auch im Pokal suchten die Gladbacher aus dem tiefen Spielaufbau heraus noch oft den Chipball auf einen Stürmer. Diese Vorgehensweise bietet sich an, spielt die Borussia doch meist in einer sehr zentrumslastigen Formation, dem 4-Raute-2. Entsprechend sieht man sich gegen viele Gegner schon rein personell im Vorteil beim Kampf um den zweiten Ball, sollte der Stürmer den Chippass nicht festmachen können. Soweit funktioniert zumindest die Theorie.

In der Praxis führte diese Herangehensweise oft zu sehr zerfahrenen und unansehnlichen Partien mit wenig Spielfluss. Die Räume im Zentrum waren meist so eng, dass selbst nach gewonnenem zweiten Ball für den Ballführenden nur wenig Anschlussoptionen zur Verfügung standen. Es fehlte an Breite und Tiefe.

Anzeige

Rose findet andere Wege, um die Stärken der Mittelfeldraute zu nutzen

Die Vorzüge der Mittelfeldraute möchte die Fohlenelf aber dennoch ausnutzen. Gegen Köln sah man zum ersten Mal, wie das funktionieren kann. Die Borussia suchte gegen einen gut gestaffelten und kompakten Gegner weniger selbst das Zentrum per Chipball. Stattdessen war man darauf aus, die Vorteile der eigenen Zentrumspräsenz mehr nach Ballgewinnen zu nutzen – wie zum Beispiel vor dem 0:1. Köln stand bei einem eigenen Abstoß weiter auseinandergezogen als gewohnt. Die Borussia gewann nach dem hoch ausgeführten Abstoß den zweiten Ball und hatte viel Platz plus eine Überzahl im Zentrum. Ein schneller Pass von Kramer und Embolos Dribbling Richtung Tor kreierten dann schlussendlich die Torchance. Da konnte man sie sehen, die Vorteile der Mittelfeldraute. 

In den Wochen zuvor scheiterten Gladbachs Chipbälle ins Zentrum meist daran, dass man diese gegen sehr gut formierte und kompakte Defensiven genutzt hat. So war man nicht nur selber gut im Zentrum besetzt, sondern auch der Gegner. Der Kampf um den zweiten Ball gestaltete sich entsprechend schwierig und ausgeglichen. Gegen Köln schaffte es die Borussia, die Mittelfeldraute vor allem in ungeordneteren Situationen zur Geltung zu bringen. Gleichzeitig fand man in ruhigen Ballbesitzphasen dennoch (funktionierende) andere Lösungen.

Anzeige

Entscheidend hierfür waren die vielen Dribblings im Zentrum, die die Fohlenelf riskierte. Die Gladbacher sind ohnehin ein Team, das verhältnismäßig häufig das Dribbling sucht. Mit knapp 14 Dribblingversuchen pro Spiel führt man die Liga in diesem Bereich nach vier Spieltagen an. Gegen Köln kamen alleine Florian Neuhaus, Denis Zakaria und Breel Embolo auf jeweils sechs erfolgreiche Dribblings. Insgesamt ging die Mannschaft von Rose 37-mal ins Dribbling und war dabei 25-mal erfolgreich. Der Vergleich mit den Durchschnittswerten verdeutlicht, wie extrem diese Zahlen sind.

Verantwortlich dafür sind auch hier die Gegebenheiten der Mittelfeldraute. Wenn die Abwehrkette der Borussia keinen flachen Vertikalpass spielen kann und auch der hohe Ball nicht das Mittel der Wahl darstellt, bleibt oft nur noch das Dribbling. Hierfür hat man im Zentrum die optimalen Spielertypen. Mit Zakaria und Embolo spielten gegen Köln zwei Spieler, die aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen auch mit direktem Gegnerkontakt den Ball behaupten können und so eine enorme Pressingresistenz an den Tag legen. Das Dribbling von Embolo vor dem 0:1 steht auch hier exemplarisch für seine Qualitäten. Mit Neuhaus hat Rose zudem einen Spieler im Kader, der sich in engen Räumen wohlfühlt und mit kleinen Bewegungen und Finten den Gegner aussteigen lassen kann. So gewinnt er Raum. 

Trotz kleiner Schwächen: Gladbach ist auf dem richtigen Weg

Gegen Kölns mannorientierte Spielweise konnte die Borussia gerade in der ersten Halbzeit oft die direkten Duelle gewinnen, Räume schaffen und mit Dynamik in die gegnerische Hälfte vorstoßen. In der zweiten Spielhälfte merkte man aber auch, dass der Mannschaft von Rose noch die Fähigkeit abgeht, ein Spiel mit einer ruhigen Ballzirkulation zu kontrollieren. Man habe sich zu wenig ohne Ball bewegt und deshalb die Kontrolle verloren, konstatierte der Gladbacher Übungsleiter nach dem Spiel. Die Partie wurde zum Nachteil der Fohlen wilder und offener, sowohl mit wie auch ohne Ball fehlte wegen der hohen Intensität in Halbzeit eins oft die Kraft für Sprints und Dribblings. 

Im Vergleich zum Saisonstart können die Gladbacher diese Schwächen aber gut und gerne als Luxusprobleme einordnen. Max Eberl warnte in den letzten Wochen immer davor, zu schnell zu viel von Rose und seinem Team zu erwarten. Schließlich soll eine grundlegende Änderung der Spielweise vollzogen werden. Das brauche Zeit. Doch momentan macht es eher den Eindruck, als sei die Mannschaft schon früh in der Saison sehr vertraut mit den neuen Ideen. Bislang konnte Rose seine Mannschaft von Spieltag zu Spieltag ein kleines bisschen weiterentwickeln. Kann er diesen Trend fortsetzen, dürfte einer erfolgreichen Saison nichts im Wege stehen. 

Anzeige

Tags: Bundesliga, Borussia Mönchengladbach, Marco Rose

Anmelden