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Herthas schlechter Saisonstart: 3 Punkte, in denen sich die Berliner verbessern müssen

Den Saisonstart hat Ante Covics Team trotz eines achtbaren Punktgewinns gegen die Bayern erstmal vermasselt. Die gezeigten Leistungen waren zwar nicht so schlecht, dass nur ein Punkt aus den ersten vier Spielen die logische Konsequenz darstellt. Dennoch hat die Hertha ein paar ziemlich große Problemstellen, die möglichst bald behoben werden sollten, wenn man die Saison nicht im unteren Tabellendrittel verbringen will. Wir nennen drei davon.

Wer nicht den ganzen Artikel lesen will:

- Im Pressing sollte Hertha wieder kollektiver agieren und muss die Mannorientierungen besser balancieren

- Auch im Spiel mit dem Ball sollte es eine klarere Struktur geben, damit Durchbrüche nicht zum Glücksspiel werden

- Die Hertha muss aufpassen, dass es genug Konterabsicherung gibt, da sonst vermeidbare Tore fallen

 

1. Das Pressing

Wir haben bereits nach dem Auftaktspiel gegen Bayern in einem Artikel eines der Probleme im Berliner Spiel gegen den Ball beschrieben: die weit verbreiteten kruden Mannorientierungen, die der Kompaktheit schaden. Seit dem ersten Spieltag hat sich das ein wenig verändert, was mit einer größeren Strategie-Umstellung zu tun hat.

So presste Hertha gegen Schalke und Mainz deutlich tiefer als vorher. Das Pressing begann zumeist erst an der Mittellinie. Und selbst wenn Hertha mal höheres Pressing spielte, zog man sich schnell zurück, sobald eine der ersten Linien überspielt wurde. Weiterhin war das Auftreten des Hauptstadtklubs aber wenig kollektiv. Berliner Achter ließen sich beispielsweise immer wieder aus der Formation ziehen, um Latza und Fernandes beim Zurückfallen in die Abwehr zu verfolgen. Da Hertha aus einer 5-3-2-Formation presste, durfte das Mittelfeld eigentlich nicht so sehr gestreckt werden. So offenbarten sich immer wieder Lücken für Pässe zwischen die Linien. Außerdem wirkte das Pressing der Stürmer nicht gut aufeinander abgestimmt. Insgesamt muss Hertha wieder mehr als Mannschaft verteidigen. Mannorientierungen an sich wären dabei natürlich angebracht, sollten aber besser in ein großes Ganzes eingegliedert werden.

2. Die improvisierten Ballbesitzstaffelungen

Ein Problem, das schon die Dardai-Ära begleitet hat, sind die strategischen Schwächen der zentralen Mittelfeldspieler. Will heißen: Darida, Grujic und Duda neigen alle zu Läufen zum Ball hin, auch wenn es sinnvoller wäre, die Position zu halten. So wird die Formation durcheinander gewirbelt. Die Konsequenz: Wenn alle Läufe zufälligerweise zueinander und zum Gegner passen, ergibt das in dem Moment wahrscheinlich eine bessere Struktur zum Ausspielen des Ballbesitzes als sonst. Passen die Läufe jedoch nicht perfekt, ergeben sich fast zwangsläufig Probleme.

Bei den angesprochenen Läufen zum Ball hin ist das Ergebnis oft eine hohe Überzahl in tiefen Räumen, da sich der Ball dort länger aufhält. Der Überzahleffekt im Aufbauspiel mag angenehm sein, immerhin stabilisiert das in den meisten Fällen die Ballzirkulation. Gleichzeitig fallen aber Anspielstationen für den weiteren Ballvortrag weg. Anders formuliert: Es fehlen vorne die Anspielstationen.

Dass die Berliner Außenverteidiger mittlerweile häufiger das offensive Mittelfeld besetzen ist deswegen sowohl ein Zeichen von Flexibilität, als auch dafür, dass besser geeignetes Personal gerade woanders unterwegs ist. Mittelstädt kann sich in den Offensivzonen noch am ehesten zurechtfinden. Plattenhardt ist aber tiefer besser aufgehoben, während Klünter wohl am ehesten ganz außen seine Position hat. Interessant ist in diesem Kontext die Leihe von Marius Wolf, der als Außenverteidiger nochmal eine interessante Note ins Spiel bringen und den fast traditionell spielstarken rechten Berliner Außenverteidiger geben kann. Wie er dann konkret gebraucht wird - also wie viel er in die Mitte ziehen muss - wird die Zeit zeigen.

3. DIe Konterabsicherung

Die wilden Ballbesitzstrukturen bringen uns auch direkt zum dritten Punkt: der Absicherung gegen Konter. Hertha hat gegen Wolfsburg und Schalke schon drei späte Gegentore nach Kontern kassiert. Thomas Tuchel sprach früher davon, immer fünf Spieler zur Absicherung hinter dem Ball haben zu wollen. Das darf natürlich nicht wie am Reißbrett geplant werden. Die fünf Spieler stehen nicht einfach hinter dem Ball herum, bis endlich ein Konter kommt, den sie unterbinden dürfen. Dafür ist das Spiel zu dynamisch, sie müssen ihre Position immer wieder anpassen und Situationen lesen.

Dazu muss ein Trainer bei einem Rückstand möglicherweise Risiko gehen und vielleicht mehr Spieler nach vorne schieben. Es ist aber bezeichnend, dass Covics Team in den betroffenen Szenen nur drei (0:2 von Wolfsburg und 2:0 von Schalke) bzw. vier (0:3 von Wolfsburg) Akteure zur Absicherung delegiert hatte. Das Problem geht natürlich Hand in Hand mit den Bewegungen der Mittelfeldspieler, die eben auch zu fehlenden Spielern in der Konterabsicherung führen kann.

Abschließend muss man die Ergebnisse dennoch relativieren. Es ist unwahrscheinlich, dass Hertha weiter so schlechte Resultate einfährt. Laut der Statistikseite understat.com hat man bereits vier Tore zu viel kassiert und zwei zu wenig geschossen. Das Spiel nach vorne ist an sich ziemlich vielversprechend. Dennoch zeichnen sich die besagten Probleme ab, die mehr oder weniger alle darauf zurückzuführen sind, dass Hertha zu wild unterwegs ist, was angesichts des Personals im Kader keine gute Entscheidung zu sein scheint.

Durch klarere Regeln - z.B. dass der linke Achter tief bleiben muss, wenn der linke Außenverteidiger sich im offensiven Mittelfeld bewegt - könnte schon viel geholfen sein. Dass Hertha jetzt erstmal als Letzter zum Kellerduell den Tabellenvorletzten aus Paderborn empfängt, war vor der Saison nicht unbedingt zu erwarten. Doch derzeit läuft es weder mit noch gegen den Ball wirklich rund.

Tags: Bundesliga, Hertha BSC, Ante Covic

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