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Trotz Anti-Klostellung-Taktik: Ist der Effzeh Opfer seines Auftaktprogramms?

Wolfsburg, Dortmund und Gladbach an drei der ersten vier Spieltage – die Kölner hätten sich mit Sicherheit ein einfacheres Auftaktprogramm gewünscht. Die Hoffnung der Fans, dass Achim Beierlorzer den drei Europapokalteilnehmern mit seiner Pressingphilosophie ein paar Punkte abnehmen kann, hat sich nicht erfüllt. Wenn es läuft wie erwartet, steht der Effzeh am nächsten Wochenende nach einer Reise in die Allianz Arena mit nur drei Punkten aus fünf Spielen da. Dabei waren die Leistungen gar nicht so schlecht. 

Wer nicht den ganzen Artikel lesen möchte:

- Beierlorzer passt sein Pressing an den Gegner an

- Die Gladbacher Dribblings bereiten den Kölnern Probleme

- Es fehlt an Durchschlagskraft und offensiven Möglichkeiten, solange der Gegner kompakt verteidigt

- Köln schlägt sich bislang passabel und kann gegen jeden Gegner mithalten, die fehlenden Punkte sind auch auf den schweren Spielplan zurückzuführen

 

Beierlorzers Pressing ist flexibel

Die Grundlage des Kölner Spiels bildet wie erwartet das Pressing. Beierlorzer möchte, dass seine Spieler den Gegner ansprinten, nicht vor ihm abstoppen. "Keine Klostellung einnehmen" nennt er das. Besonders gegen die großen Gegner hat der Effzeh nicht den Anspruch, viel Ballbesitz zu haben. Beierlorzer ist dabei aber nicht starr in seinen Prinzipien, sondern passt sich dem Gegner an. Gegen die Wolfsburger Dreierkette presste man mehr in 4-3-3-Staffelungen, gegen den BVB ließ Beierlorzer aus dem gewohnten 4-4-2 oft eine Mittelfeldraute bilden, um den Aufbau des BVB besser attackieren zu können. Besonders auffällig war das an Dortmund angepasste Rückwärtspressing der Stürmer. So hatte man die BVB-Sechser aus dem Spiel genommen.

Auch gegen Gladbach ließ sich Beierlorzer nicht lumpen. Er passte sich aktiv an die Spielweise und Formation des Gegners an. Um das für die Borussia so wichtige Zentrum zu schließen, zog sich das Kölner Mittelfeld extrem zusammen. Befand sich der Ball dann wiederum nahe der Seitenauslinie bei einem Gladbacher, schob die Mannschaft von Beierlorzer weit zur Ballseite. Der ballferne gegnerische Außenverteidiger wurde komplett blank gelassen. Finden konnte die Fohlenelf diesen freien Spieler aber nur selten. Dafür war der Druck, den die Kölner auf den Ball ausübten, zu hoch. Der Grund, um in Beierlorzers Sprache zu bleiben: Sein Team hatte keine Klostellung eingenommen.  

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Probleme hatte seine Mannschaft allerdings mit den Dribblings der Gladbacher. Meist schafften es Zakaria, Neuhaus oder der zurückfallende Zehner Embolo, den Ball im Zentrum zu kontrollieren und ihn auf eigene Faust nach vorne zu tragen. Hier verlor der Effzeh zu oft das direkte Duell. Zur Entschuldigung der Kölner sei aber gesagt, dass die Borussia an diesem Nachmittag auch erstaunliche Qualitäten im Dribbling an den Tag legte. Haben die Kölner nun schlecht verteidigt oder war Gladbach besonders gut? Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Am Ende stimmt wahrscheinlich wie so oft ein bisschen von beidem. Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage waren die Probleme in den direkten Zweikämpfen ursächlich für die enttäuschende Leistung der Kölner in Hälfte eins. Es sei schwer, gegen Embolo, Plea oder Thuram in die Zweikämpfe zu kommen. Man habe die Aufgabe aber auch nicht gut gelöst, erklärte Beierlorzer auf der abschließenden Pressekonferenz. Dabei konnte auch die "Keine-Klostellung-Taktik" nicht helfen.

Der Effzeh kreiert zu wenig Offensivaktionen

Neben den kleineren oder auch größeren defensiven Schwächen hatte der Effzeh aber noch ein ganz anderes Problem: Es ging zu wenig im Spiel nach vorne, zumindest in der ersten Halbzeit. Die Kölner provozierten zu wenig hohe Ballgewinne, um gegen eine unsortierte Gladbacher Hintermannschaft kontern zu können. So musste man aus geordnetem Ballbesitz Offensivaktionen kreieren. Dass das nicht die Stärke des Beierlorzer-Teams ist, dürfte nur wenig überraschen. Oft ging es nur über lange Bälle ins Drittel der Gladbacher. Generell möchte Beierlorzer das Mittelfeld schnell überbrücken. Das war in allen bisherigen Spielen so, zuletzt gegen den SC Freiburg. Gefahr brachte das gegen Gladbach aber nicht ein.

Fühlten sich die Rheinländer dazu gezwungen, flach aufzubauen, war dies für das eigene Tor oft riskanter als für das gegnerische. Viel läuft beim Beierlorzer-Spielaufbau über die Viererkette und die beiden Sechser. Gegen Gladbach war aber gerade Rechtsverteidiger Ehizibue mit der Aufgabe hin und wieder überfordert. Der Neuzugang produzierte den einen oder anderen gefährlichen Ballverlust.

Das Verrückte an diesem Spiel: Die Kölner waren trotzdem nicht gnadenlos unterlegen und hatten bis zum Schluss die Möglichkeit, zumindest einen Punkt mitzunehmen. In Halbzeit zwei hatte sich eine Spieldynamik ergeben, die den Kölnern zugute kam. Die Gladbacher hatten weniger Ballbesitzphasen und konnten die eigene Intensität im Pressing nicht mehr auf demselben Niveau aufrecht halten. So fand das Spiel deutlich mehr in den beiden Angriffsdritteln und weniger im Zentrum statt. Und weil die Kölner jetzt leichter ins gegnerische Drittel kamen, hatten sie auch mehr Möglichkeiten, Torgefahr zu erzeugen. Der Effzeh liebt den Schlagabtausch mehr als Ballgeschiebe. Mit Stürmern wie Cordoba und Modeste in der Spitze reicht oft schon eine Halbfeldflanke, um dem Gegner Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Mit ihnen hat der Effzeh zwei der wuchtigsten Stürmer der Liga. Das hatten schon Dortmund und Freiburg zu spüren bekommen.

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Wie soll man den bisherigen Saisonverlauf einordnen?

Doch am Ende stand das Derby gegen Gladbach exemplarisch für die anderen beiden Saisonspiele gegen die Favoriten. Das Pressingsystem funktioniert über weite Strecken gut. Die Klostellung hat Beierlorzer dem Team weitestgehend ausgetrieben. Dazu ist er in der Lage, sinnvolle Gegneranpassungen vorzunehmen. Dadurch ist man auch gegen die Großen keinesfalls chancenlos. Es fehlte bisher aber immer ein kleines bisschen, um letztlich auch Zählbares mitzunehmen. Sei es das Spielglück gegen Wolfsburg, die Kraft in der Endphase gegen Dortmund oder die offensive Durchschlagskraft gegen Gladbach.

Ist das nun ein Problem? Erstmal nicht. Denn die bisherigen Gegner sind nicht unbedingt der Maßstab für die Domstädter. Niemand, der den Spielplan kannte, konnte erwarten, dass man zu Saisonbeginn viele Punkte holt. Auch wenn die Hoffnung auf die ein oder andere Überraschung mit Sicherheit da war. Aber vielleicht folgt sie ja doch am nächsten Wochenende gegen die Bayern. Dafür muss Köln nicht nur die Keine-Klostellung-Taktik an die Bayern anpassen, sondern auch ordentlich Zweikämpfe gewinnen ...

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Tags: Bundesliga, Achim Beierlorzer , 1. FC Köln

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