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Hoffenheim ist noch keine Rennmaus

Schon vor zwei Wochen schrieben wir in einem Artikel über die TSG 1899 Hoffenheim: Mit und auch gegen den Ball ist die Mannschaft noch nicht auf dem Level der Nagelsmann-Zeit angekommen. Coach Alfred Schreuder scheint dies genauso gesehen zu haben. Der Niederländer nahm einige Anpassungen vor. Trotzdem sprang für die TSG aus den letzten beiden Spielen nur ein Pünktchen heraus. Wir erklären euch warum.

Wer nicht den ganzen Artikel lesen will:

-Schreuder setzt nun auf eine Mischung aus 4-3-3 (mit Ball) und 3-5-2 (gegen den Ball)

- mit Ball wirkt der Ansatz etwas pragmatischer als in den Anfangsspielen, schneller wird zum langen Ball gegriffen

- die TSG verteidigt nun tiefer als in den ersten Spielen

 

Schreuders Ballbesitz-Umstellung

In den ersten Spielen ließ Schreuder (außer in Leverkusen) in einer Dreierkette aufbauen. Nach der 0:3-Klatsche gegen Freiburg entschied er sich dann für eine Umstellung. Er verpasste seinem Team in Ballbesitz ein 4-3-3. Wer sich dabei das Personal anschaut, dem dürfte ein interessanter Kniff auffallen: Pavel Kaderabek, gelernter Rechtsverteidiger, gibt den rechten Mittelfeldspieler. Robert Skov, eigentlich Offensivspieler, wird nun als Linksverteidiger aufgestellt.

Die Gründe dafür haben wir auch schon im Format "Taktikfuchs der Woche" beleuchtet. Kaderabek ist ziemlich kopfballstark. Da die TSG viele Flanken in den Strafraum bringt, kann er nach seinen Läufen in die Box für Gefahr sorgen. Auch außerhalb des Sechzehners wird er manchmal als Abnehmer für lange Bälle gesucht. Skov hingegen kann mit seiner Spielstärke im Aufbau helfen. Auch gegen hohes Pressing. Doch genau diesen Vorteil nutzte Hoffenheim bei der Heimniederlage gegen Gladbach zu selten.

Skov wird (nicht) zum Aufbauspieler

Der Reihe nach: Die Fohlen pressten hoch in einem 4-2-1-3. So spiegelten sie die Kraichgauer 1-2-Aufteilung im Mittelfeld und nahmen Grillitsch & Co. in Manndeckung. Vorne liefen sie mit drei Spielern an. Der linke Stürmer, Plea, orientierte sich an TSG-Rechtsverteidiger Posch. Mittelstürmer Embolo lief meist den rechten Innenverteidiger Akpoguma an. Der rechte Stürmer, Thuram, tat dasselbe mit dem linken Innenverteidiger Hübner. Und schon sind wir bei der kleinen Lücke im Gladbacher Pressing angekommen: Linksverteidiger Skov war frei. Der Plan von Rose war wohl, Skov mit Thurams Deckungsschatten aus dem Spiel zu nehmen. Doch Skov rückte ein paar Mal nach innen aus dem Deckungsschatten heraus. Wenn Skov dann am Ball war, konnte er ihn auch erstmal verarbeiten. Borussen-Rechtsverteidiger Lainer hatte einen einigermaßen weiten Weg auf ihn. Das Mittelfeld konnte ihn ebenfalls nicht sofort unter Druck setzen. Sie waren durch die Mannorientierungen innen gebunden.

So konnte die TSG das Pressing über links auflösen und durch eine schöne Kombination nach rechts verlagern. Da Gladbach sehr ballorientiert verschob, gab es dort auch eine Menge Raum. Klingt nach gutem Ballbesitzspiel, oder? Das war es auch. Allerdings gab es diese Szene nur ein einziges Mal. Ansonsten spielten die Kraichgauer die Aufbauchance über Skov kaum aus. Ein Punkt, der auch Schreuder missfiel: „Wir müssen das schneller erkennen. Wenn der Gegner zu dritt anläuft, hast du ein 4-gegen-3“, so der Niederländer. Stattdessen spielten die Hoffenheimer viele lange Bälle.

Immerhin: Wenn die TSG kontrolliert ins letzte Drittel kam, wurde es gefährlich. Die Halbfeldflanken fanden häufiger einen Abnehmer als noch in den ersten Spielen. Das Problem war, dass Hoffenheim sich schlichtweg zu selten ins letzte Drittel spielte. Kurios: Vor der Umstellung erreichte die TSG häufiger die Gefahrenzonen. Dort fanden die Angriffe aber nach Halbfeldflanken und Distanzschüssen ein schwaches Ende. Jetzt gab es stärkere Schwierigkeiten im Spielaufbau. Sind die Probleme etwa nur verschoben worden?

Schreuder lässt tiefer pressen

In den ersten Spielen setzte die TSG, abgesehen vom viel zitierten Leverkusen-Spiel, auf ein recht hohes Pressing. Doch Christian Streichs Freiburger deckten die Probleme des Pressings gnadenlos auf. Auch deswegen entschied sich Schreuder für eine tiefere Defensive. Seit dem Spiel in Wolfsburg formiert sich die Schreuder-Elf in einem 3-5-2/5-3-2-Mittelfeldpressing. Im Mittelfeld waren gegen das Gladbacher 4-2-1-3 also klare Zuordnungen möglich. Doch die Hoffenheimer agierten weniger mannorientiert als die Mannen von Marco Rose. Die Achter orientierten sich zwar an den Gladbacher Sechsern, aber sie klebten nicht an ihnen. Nur von Sechser Grillitsch war eine engere Deckung gegen Gladbach-Zehner Neuhaus zu erkennen. Insgesamt wirkte die TSG ziemlich stabil. Sie ließ aus dem Gladbacher Ballbesitz trotz des Endergebnisses (0:3) kaum etwas zu. Die TSG konnte sogar einige gute Ballgewinne im Zentrum verbuchen. Man muss aber auch sagen, dass das genauso an den Gladbachern lag. Die Fohlen schaffen es noch nicht, Roses Fußball umzusetzen.

Fazit

Aber auch Hoffenheim scheint weiterhin viel Zeit zu brauchen. Das betont auch Schreuder immer wieder. Schon das zweite Heimspiel in Folge wurde deutlich verloren. Trotzdem: Das Ergebnis entsprach zumindest in dieser Höhe nicht unbedingt dem Spielverlauf. Aktuell, so scheint es, hat Schreuder eine solide Stabilität in die Mannschaft gebracht. Aber vom Nagelsmann'schen Ballbesitzfußball ist man noch weit entfernt.

Nun geht es gegen die Bayern, wo man sicher nicht viel Ballbesitz haben wird. Das wird der Mannschaft wohl gar nicht so schlecht bekommen. Mal sehen, ob sich Schreuder in München etwas Spezielles ausdenkt oder ob er weiter auf den Dreier-Viererketten-Mix setzt. Bisher war er immer für eine Überraschung gut. 

Wir bleiben dabei: Eine graue Maus ist die Schreuder-TSG definitiv nicht. Eine Rennmaus, die ihren Gegnern davon rennt, aber eben auch noch nicht.

Tags: Bundesliga, TSG Hoffenheim, Alfred Schreuder

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