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Sieben Underdogs - und nur einer überzeugt

Paderborn, Köln, Union Berlin, Düsseldorf, Augsburg und Mainz – sechs Namen, zwei Gemeinsamkeiten. Zum einen gehört das Sextett zum Klub der Kleinen. Gegen kaum einen Bundesligist liegt die Favoritenrolle in ihren Händen. Zum anderen schmücken ihre Logos aktuell den Tabellenkeller. Einzig Freiburg tanzt aus der Reihe der Underdogs. Die Breisgauer sind Vierter - auf Augenhöhe mit Leipzig und vor den Bundesliga-Riesen Dortmund und Leverkusen. Aber was machen sie besser als die übrigen Underdogs? Wir werfen einen Blick auf die Kleinen der Liga.

Paderborn spielt Kombinationsfußball

Die Zahlen sind erschreckend: Nur ein Zähler steht auf dem Punktekonto des SC Paderborn. Neun Tore aus sieben Spielen mögen für den Aufsteiger zufriedenstellend sein. 19 Gegentreffer sind es hingegen kaum. Der SCP spielt ordentlich nach vorne. Er wird aber gleichzeitig zur Schießbude der Liga.

Beides scheint die logische Folge der Spielidee von Steffen Baumgart. Erst vergangene Woche haben wir das Paderborn-System unter die Lupe genommen. Beim Kellerduell gegen Mainz bestätigten sich die Eindrücke: Die Ostwestfalen wollen frechen Kombinationsfußball spielen. Gewissermaßen sind sie sogar eine kleine Ballbesitzmannschaft. Paderborn spielt schnell in die Spitze, aber mit klarer Organisation. Immer wieder wird viel Personal auf links abgestellt. Entweder geht es dann mit Tempo über die Seite nach vorn oder Paderborn verlagert. Auf rechts sollten es Pröger und Dräger gegen Mainz mehr auf eigene Faust versuchen. 

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All das sah nett aus und funktionierte immer mal: nicht nur gegen die 05er, sondern auch schon gegen die Bayern. Aber: Bei Ballverlust lässt sich Paderborn fast schon naiv auskontern. Die Sechser rücken im Ballbesitz sehr weit nach vorn. Die Rest-Abwehr (zwei Innenverteidiger und einer der Außenverteidiger) schieben bis in die gegnerische Hälfte. Zu oft kann der Gegner mit einem einfachen langen Ball die halbe Paderborner Mannschaft aushebeln und auf die Verteidigung zulaufen.

Dazu gesellt sich immer wieder die Fehleranfälligkeit einzelner Spieler. Kein Team hat mehr Ballverluste durch schlechte Ballkontrollen als Paderborn (20 pro Spiel). Das fällt durch das forsche Ballbesitz-System noch mehr ins Gewicht. Deshalb spielt der Aufsteiger attraktiv, aber nicht erfolgreich.

Dem Effzeh fehlt die Torgefahr 

Mit Achim Beierlorzer hat Köln im Sommer einen klassischen Pressingtrainer in die Domstadt geholt. Damit schien klar: Köln möchte die klassische Underdogrolle verkörpern.

Beierlorzer trieb seiner Mannschaft schnell die Klo-Stellung aus. Köln verteidigte hoch, intensiv und passte sein Viererkettensystem bei Bedarf an den Gegner an. Gegen Dortmund wurde etwa ein 4-Raute-2 gespielt. Bei den Bayern gab es ein 4-1-4-1/4-2-3-1. Das Ziel in beiden Spielen: Die wichtigen Ballbesitz-Sechser des Gegners aus dem Spiel nehmen.

Genau das kann Köln. Auch wenn die Auftritte noch wechselhaft waren: Gegen Hertha versagte der Effzeh gegen den Ball auf ganzer Linie. Er offenbarte riesige Löcher im Mittelfeld und zwischen den Ketten. Auf Schalke ließ Beierlorzer deshalb tiefer und kompakter verteidigen. Der Plan ging auf.

Das größere Sorgenkind ist das Offensivspiel. Beierlorzer muss beweisen, dass er mehr als nur Defensive kann. Fünf Treffer sind trotz des harten Spielplans eine magere Ausbeute. Dem Effzeh fällt nach vorn zu wenig ein. Meist probiert er sein Glück mit schnellen Flügelangriffen und langen Bällen. Die Sechser schmeißen gemeinsam mit der Viererkette den Spielaufbau. Im Angriffsdrittel tummeln sich die übrigen Vier. Viele Möglichkeiten zum Mittelfeldspiel bleiben da nicht. 

Die Eisernen mögen es Mann-gegen-Mann

Schon in der zweiten Liga waren Union-Spiele kein Leckerbissen. Die Mannschaft arbeitete solide gegen den Ball und hatte guten Zugriff im Gegenpressing. Den brauchte sie auch. Denn im eigenen Ballbesitz flog das Leder nur so über den Platz. Das Fischer-Team hatte selten den Anspruch, sich nach vorne zu kombinieren. Und wenn, dann verzweifelte es an dieser Aufgabe.

Dass Union in der ersten Liga plötzlich zur Ballbesitzmannschaft mutieren würde, war nahezu ausgeschlossen. Die Eisernen probieren es weiter mit viel Einsatz und Stabilität. Fischer setzt auf klare Mannorientierungen. Gegen Wolfsburg trieb er das sogar auf die Spitze. Seine Mannschaft spielte aus einer Dreierkettenformation heraus ein Mann gegen Mann. Der VfL hatte damit lange zu kämpfen. 

Zuvor hatte sich schon Dortmund an Unions Defensive die Zähne ausgebissen. Einzig Nagelsmanns Leipziger verdeutlichten: So schwer ist Union gar nicht zu schlagen. Die Bullen spielten bewusst mit den Berliner Mannorientierungen, zogen Spieler aus ihren Positionen. So entstanden Räume. 

Union wird im Kampf um den Klassenerhalt von seinen Gegnern abhängig sein. Je weniger gute Ballbesitzmannschaften die Liga stellt, desto bessere Karten hat der Aufsteiger.

Düsseldorf hat noch keine Spielidee

Düsseldorfs Leistungen gleichen einer Achterbahnfahrt. Gegen Gladbachs Raute und in Ansätzen auch gegen Freiburg zeigte die Fortuna: Sie kann auch Fußball spielen. Das zeichnete den Aufsteiger neben seiner Kontermaschinerie schon im letzten Jahr aus. Funkel möchte nun mit anderem Personal eine ähnliche Mischung aus Defensive, Umschaltspiel und punktuellen Ballbesitzszenen schaffen.

Doch gegen die Hertha ging so ziemlich alles schief. Düsseldorf zog sich oft in ein tiefes 6-3-1 zurück. Das führte bei Ballgewinnen zu wahnsinnig langen Konterwegen. Und im Ballbesitz gab es ebenfalls keine Ideen. Düsseldorf fehlte die Brücke vom Spielaufbau in Richtung Angriff. Hertha hatte gleichzeitig Lösungen parat, um die Sechserkette zu knacken. Fortuna war chancenlos. Funkel steht noch viel Arbeit bevor. In allen Bereichen.

Augsburg wird stabiler - oder?

Die Saison fing düster an. Nicht nur mit der Auftaktklatsche gegen Dortmund. Auch die Ballbesitzauftritte im Pokal gegen Verl und gegen Union waren ein echter Offenbarungseid. Verändert hat sich seither nicht allzu viel. Augsburg spielt weiter Defensivfußball, ist aber etwas kompakter geworden. Zumindest glaubte man das bis zu diesem Spieltag.

Nachdem Augsburgs 4-4-2 zu Saisonbeginn extrem passiv war, schraubte Schmidt an der Intensität. Den Fuggerstädtern gelangen mehr Wechsel zwischen Tiefstehen und hohem Pressing. Leverkusens Peter Bosz zeigte sich überrascht, dass sein Team so hoch angegangen wurde. Christian Streichs Freiburgern konnte Augsburg dank eines Intensitätswechsels sogar einen Punkt abknöpfen.

Aber dann die Packung gegen Gladbach: Augsburg bekam keinen Druck auf den Fohlen-Spielaufbau und hinten stimmten die Abstände nicht. Die Abwehr ließ sich zu leicht zurückdrängen. 

Offensiv versuchte der FCA vom Bolzen wegzukommen. Das wurde zum Boomerang. Augsburg leistete sich zahlreiche Schnitzer im Spielaufbau. Hinzu kommt, dass Schmidt sehr spät anpasst, wenn es nicht läuft. Gegen Dortmund ließ sich seine Mannschaft extrem an den eigenen Strafraum drängen. Verhindern konnte der Schweizer das nicht. In Gladbach stellte er immerhin auf 4-1-4-1 um. Damit wollte er den Sechserraum unter Kontrolle bringen. Da stand es aber schon 0:4.

Mainz verabschiedet sich vom Ballbesitz

Wohin würde die Mainzer Reise im dritten Jahr unter Sandro Schwarz gehen? Die bittere Wahrheit nach sieben Spielen lautet: Eine wirkliche Antwort darauf konnte der Chefcoach noch nicht liefern.

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Die Idee vom Ballbesitzfußball in der Raute scheint Schwarz aufgegeben zu haben. Gegen Gladbach gab es mehr 4-3-3-Szenen, bei Paderborn dann ein 4-4-2 - gepaart mit einer Portion Underdog-Fußball. Mainz spielte viele lange Bälle hinter das Paderborner Mittelfeld und schaltete schnell um.

In der Raute hatte das selten geklappt. Mit der klassischen Viererreihe im Mittelfeld kam man gegen Paderborns Außenverteidiger besser ins Pressing. Trotzdem bleiben die Fragezeichen. Denn der SCP spielte Mainz mit seiner verrückten Fußball-Idee gehörig in die Karten. Richtungsweisender werden wohl andere Duelle: Wie viele interessante Ballgewinne kann die Schwarz-Elf gegen bessere Ballbesitzteams verbuchen? Oder gegen die Mitkonkurrenten, die vor allem Langholz schlagen? 

Nur wenn das gelingt, wird Mainz in ruhigeres Fahrwasser kommen. Denn aus dem eigenen Ballbesitz geht derzeit zu wenig.

Freiburg ist der kompletteste Underdog

Was macht Freiburg so viel besser als die anderen Underdogs? Die Antwort ist einfach: Das Streich-Team ist vergleichsweise komplett. Es kann seine Gegner im Rahmen seiner Möglichkeiten kontrollieren. Freiburg scheint anders als viele Konkurrenten bei Ballbesitzaufgaben nicht völlig ausgeliefert.

Das Ganze paart Streich mit einer Portion Stabilität und Umschaltstärke. Er richtet sein Dreierketten-System immer wieder geschickt am Gegner aus. In einzelnen Spielen schob er seine Flügelspieler beispielsweise sehr weit nach vorne. Dann wiederum standen sie tiefer und Freiburg spielte eher mit einer Fünferkette. Gegen Dortmund nutzte Streich sogar beide Varianten. Erst spielten seine Jungs ein 5-4-1. Das sollte Dortmunds Verlagerungsspielchen bremsen. Doch Freiburg fehlte die Entlastung. Streich passte an, ließ mehr im 3-4-3 attackieren.

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Um es kurz zu machen: Freiburg hat verhältnismäßig viele gute Fußballer in seinen Reihen, die einen klaren Plan an die Hand bekommen. Nicht nur im Underdog-Stil, sondern auch über den eigenen Ballbesitz. Dazu steht ein Trainer an der Seitenlinie, der den Unterschied machen kann. Mit seinen ausgeklügelten Matchplänen und intelligenten Korrekturen während des Spiels.

Allerdings: Zu Saisonbeginn hatte Freiburg auch das Glück auf seiner Seite. Und: Viele dicke Bretter kommen erst noch ...

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Tags: Bundesliga, FC Augsburg, SC Paderborn, SC Freiburg, Union Berlin, 1. FC Köln, Mainz 05, Fortuna Düsseldorf

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