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Plötzlich Tabellenführer...mit Ballbesitzfußball

Und plötzlich war sie da: Ohne große Nebengeräusche hat Borussia Mönchengladbach die Tabellenspitze erobert. Obwohl die Saison bisher eine echte Berg- und Talfahrt war. Doch nachdem alle anderen gepatzt hatten, fertigten die Fohlen Augsburg ab (5:1). Mit einer guten Portion Rose-Fußball ...

Die Rose-Raute ist verschwundenFile:FC Red Bull Salzburg versus SV Ried (Testspiel 27. Jänner 2018) 05.jpg

Rose selbst hatte vor wenigen Wochen im Sportstudio zugegeben: "Wenn du viel am Spiel gegen den Ball arbeitest, verlierst du vielleicht den Fokus auf Ballbesitz. Auf das, was die Jungs in den letzten Jahren gut gemacht haben." Eine selbstkritische, aber vor allem ehrliche Aussage.

In vielen Spielen hatten seine Fohlen Schwierigkeiten mit dem Ball. Eine neue DNA will Rose ihnen verleihen. Schneller vertikaler Kombinationsfußball soll es werden. Aber die Fans im Borussia Park wurden bis dato nicht immer verwöhnt. "Wir wollen den Ball nicht nur nach vorne dreschen", so Rose. Die Realität sah manchmal anders aus. Gladbach arbeitete viel mit Chipbällen: "Wir waren oft einfach wegzupressen und mussten es lang lösen."

Die Raute wirkte manchmal wie ein Hemmschuh. Gladbachs Angriffe schienen berechenbar. Es fehlte die Breite im letzten Drittel, viele Angriffe wurden dadurch zu wild, zu unkontrolliert. Vielleicht auch zu vertikal?

Seit dem Düsseldorf-Spiel hat Rose umgestellt. Weg von der Raute, hin zu einer Art 4-3-3 mit einem Zehner. Der Auslöser: Die dramatische Anfangsphase bei der Fortuna, in der Gladbach förmlich überrollt wurde. Rose hatte sich früh im Spiel für den Systemwechsel entschieden. 

In Hoffenheim nutzte er das 4-3-3/4-2-1-3 dann auch, um das Ballbesitz-Mittelfeld der TSG zu spiegeln. Mit Erfolg. Nach vorn lief es zwar weiter nicht rund, aber Grillitsch & Co. waren aus dem Spiel.

Eine echte Ballbesitz-Aufgabe wurde Gladbach dann am Sonntag gestellt. Schließlich ist der FC Augsburg eine typische Umschaltmannschaft, die sich vielen Außenseiter-Klischees bedient. Was aber klappte gegen die Fuggerstädter besser als zuvor?

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Kramer, Lainer und Bensebaini schmeißen den Aufbau

Neuzugang Bensebaini (hier noch im Rennes-Dress)Roses Gladbacher werden auch in Zukunft keine Ballbesitzmannschaft, die sich den Gegner Ewigkeiten zurechtlegt. Anders als Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund. Die Fohlen suchen den schnellen Weg in die Spitze. Rose dazu: "Wir wollen so früh wie möglich Tiefe entwickeln und in kurzer Zeit viele Chancen kreieren." Damit das gelingt, braucht Rose zunächst einmal gute Aufbauspieler. Wie etwa Christoph Kramer und die beiden Außenverteidiger. Ihnen hat Rose eine Schlüsselrolle zugeteilt. Kramer ließ sich gegen Augsburg viel in die Abwehr fallen, um dort eine 3-gegen-2-Situation zu schaffen. Er ist der spielintelligente Ballverteiler im Aufbau.

Im richtigen Moment soll der Ball schließlich auf die vorgerückten Außenverteidiger gehen. Die Neuzugänge Lainer und Bensebaini (Foto) gelten als klassische Rose-Spieler. Sie laufen die Linie rauf und runter, sind körperlich stark, können aber genauso Verantwortung im Ballbesitz übernehmen. Ihr Job: Pässe vom Flügel diagonal in die Halbräume feuern. Am besten hinter das gegnerische Mittelfeld. Vor allem Bensebaini kurbelte das Spiel gegen Augsburg an. Der Algerier sammelte 99 Ballkontakte. Höchstwert, gemeinsam mit Tony Jantschke. 

Gladbach mag Halbraumkombinationen 

Warum aber hielt Augsburg den Raum im Rücken des Mittelfelds nicht dicht? Ganz einfach: Gladbach räumte ihn frei. Die äußeren Stürmer im 4-3-3 hießen Thuram und Herrmann. Beide mögen es, an der Abseitslinie (oder sogar dahinter) zu lauern und Läufe hinter die Abwehr zu starten. Augsburgs Viererkette hatte großen Respekt vor ihren Sprints. Sie ließ sich nach hinten drücken - und der Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr wurde größer.

Rose möchte dann den ballnahen Halbraum überladen. Heißt: Viele Spieler sollten sich dorthin bewegen, um auf kleinem Raum miteinander zu kombinieren. Wenn der äußere Stürmer keinen tiefen Lauf macht, bietet er sich kurz an, fordert den Ball. Der Mittelstürmer, Plea, rückt auch etwas Richtung Ballseite. Er suchte gegen Augsburg vor allem Lücken im Zentrum.

Zakaria kann von der Sechs ebenfalls in den Halbraum stoßen, genau wie Zehner Benes. Der Jungspund ist der Support-Spieler von Rose. Er schaltet sich dort ein, wo er gerade gebraucht wird. Das kann mal im Spielaufbau sein, mal halblinks und mal halbrechts.

Manchmal verstrickt sich Gladbach in den engen Räumen. Dank der Kombinations- und Dribbelstärke vieler Fohlen und der großen Körperlichkeit geht es aber auch immer wieder mit Tempo Richtung Strafraum. Und wenn nicht, kann mit viel Personal Gegenpressing gespielt werden.

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Die Neuen passen zu Rose

Die individuelle Klasse bei den Gladbachern ist sehr hoch. Wenn Lainer und Bensebaini typische Rose-Spieler verkörpern, dann Thuram und Zakaria erst recht. Beide sind wuchtige Techniker mit Eins-gegen-eins-Qualität. Vor allem Thuram kann auch mal Unterzahlsituationen oder verzwickte Situationen am Flügel lösen. Durch ihn spielt Gladbach im Ballbesitz oder Umschaltmoment auch mal einfacher nach vorn - ohne, dass es Ballverluste hagelt.

Was auffällt: Alle Neuzugänge des Sommers spielen schon jetzt eine gute Rolle. Das scheint kein Zufall zu sein. In Gladbach wurde nach einer klaren Spielphilosophie eingekauft. Rose braucht für sein geradliniges Positionsspiel echte Konditionspakete mit guten Ballbesitz-Werkzeugen. Die hat er bekommen. Und sie mit dem 4-3-3/4-2-1-3-Mix jetzt in ein passendes System eingebettet.

Erklärung: Kondition umfasst neben der Ausdauer Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit

Die Frage nach der Konstanz bleibt

Rollercoaster, Achterbahn, Big DipperTrotzdem darf nicht unter den Tisch gekehrt werden: Augsburg wollte am Sonntag Fußball spielen, ohne es zu können. Genau für solche Gegner hat Rose seine Pressing- und Umschaltmaschinerie. Gleich mehrere Tore legte sich der FCA mehr oder weniger selbst ins Nest.

Insofern war Augsburg ein gefundenes Fressen für den Fohlen-Fußball. Bisher tat sich Gladbach vor allem gegen starke Umschaltmannschaften schwer, die hoch anliefen - und eben nicht blauäugig ins Gladbacher Pressing gerannt sind. Das beste Beispiel hierfür war das kleine Wolfsberg in der Europa League.

In den kommenden Wochen warten auf Gladbach mit Frankfurt und Leverkusen zwei der besten Pressingmannschaften der Liga. Dazu mit Dortmund und Werder zwei Gegner, die für Kompaktheit stehen. Erst dann wird man wirklich beantworten können, wie weit das Fohlen-Ballbesitzspiel schon ist. Die Hoffnungen sind jedenfalls groß, dass mit der Borussia eine vertikale, aber auch starke Positionsspiel-Mannschaft heranwächst. Dank Marco Rose und einer klugen Einkaufspolitik. 

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Tags: Bundesliga, Borussia Mönchengladbach, Marco Rose

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