f logo RGB Blue 58 Twitter Social Icon Circle Color

3 Wege, wie das extremste Team der Liga Spiele dominiert

Am Sonntag hatte Eintracht Frankfurt Werder Bremen zu Gast. Obwohl die Bremer unter Florian Kohfeldt eigentlich viel Wert auf ein konstruktives Aufbauspiel legen, wurden sie von Frankfurt über weite Strecken dominiert und in die eigene Hälfte gedrückt. Das spiegelte sich letztlich zwar nicht im Ergebnis (2:2), aber im Chancenverhältnis wider. Frankfurt kam zu 25 Torschüssen, Werder zu elf. Aber wie schafft es die Eintracht, ihre Gegner zu dominieren?

Weg Nummer eins: das Ballbesitzspiel

Als Grundlage dient den Hessen ihr Ballbesitzspiel. Vor wenigen Wochen haben wir bereits einen Blick auf den Frankfurter Fußball geworfen. Schon damals stach die Bewegungsfreude der Mannschaft hervor. Innenverteidiger werden zu Außenverteidigern, Flügelspieler zu Achtern und Sechser wieder zu Innenverteidigern. In Fachkreisen nennt man das Rochaden. Und die erfüllen einen Zweck: Die Eintracht ist im Spielaufbau schwer zu greifen und kann den Ball schnell in die vorderen Zonen bringen.

Dass sie häufig in vermeintlich ungefährliche Räume am Flügel abgedrängt wird: kein Problem. Im Gegenteil. Die Eintracht sucht von dort gezielt den schnellen Weg zur Grundlinie und schlägt Flanke um Flanke in den Strafraum. Gegen Bremen waren es am Ende sage und schreibe 49 (!) Stück. In der Box warten meist schon zwei groß gewachsene Stürmer plus ein eingerückter Flügelspieler und teils der Zehner auf die Hereingabe. Wenn die Flanke keinen direkten Abnehmer findet, wird die Pressingmaschine angeworfen. Frankfurt geht auf den zweiten Ball.

Die Idee von Hütter also: den Ball schnell nach vorn bringen und dort Druck auf den Gegner aufbauen. Am besten mit einem gefährlichen Abschluss. Ansonsten eben durchs Gegenpressing oder durchs 'normale' Pressing, wenn der Ball beispielsweise ins Aus geflogen ist.

Anzeige

Weg Nummer zwei: Spiel auf zweite Bälle und Gegenpressing

Damit sind wir schon bei Weg Nummer zwei angekommen. Auch wenn der Strafraum gut gefüllt ist: Um ihn herum lauern genug Spieler für den zweiten Ball. Die beiden Achter warten etwa kurz vor dem Strafraum und selbst die Halbverteidiger schieben weit in die gegnerische Hälfte. Einzig Hasebe hält ein paar Meter Sicherheitsabstand. Das gibt Adi Hütters Team um den Strafraum herum oft Überzahl. Schließlich muss sich die verteidigende Mannschaft bei Flanken stark auf die Box konzentrieren.

Bei Abprallern landete der Ball gegen Bremen daher immer wieder bei Rode und Co. Und selbst wenn er nicht direkt im Frankfurter Gegenpressing hängen blieb, waren sofort ein paar Hessen in der Nähe, um Druck auszuüben. Hütter möchte, dass seine Mannschaft in Zweikämpfen voll durchläuft statt den Gegner nur zu stellen. Wenn kein Zugriff gelingt, werden im Zweifel taktische Fouls gezogen. Der kleine Vorteil: In der gegnerischen Hälfte werden sie seltener mit einer Karte bestraft.

Der Nachteil der Frankfurter Spielweise: Lässt sich der Gegner weder durchs Pressing noch mit einem kleinen Foul stoppen, hat er viel Wiese vor sich. Er kann bestenfalls sogar mit viel Personal auf die Dreierkette (oder Zweierkette) zulaufen, während die 50 Meter zum eigenen Tor zu verteidigen hat. Diese Situationen kamen zu Saisonbeginn immer wieder zustande. Auch das haben wir schon genauer unter die Lupe genommen: Klick.

Anzeige

Weg Nummer drei: das Pressing

Chaos, Bestellung, Typografie, Tag-Cloud, SchlagwörterFrankfurt hat am liebsten Chaos-Spiele, wie etwa gegen den BVB. Wir haben das als Wild-West-Taktik bezeichnet. Manchmal kommt der Gegner aber trotzdem in den geordneten Spielaufbau. Zum Beispiel nach Abstößen.

Frankfurt setzt auch dann viel auf Intensität, das Jagen des Gegners und zahlreiche Zweikämpfe. Die Verteidiger bleiben wie in den anderen Spielphasen oft in Gleichzahlsituationen gegen den gegnerischen Angriff zurück, wenn die Vorderleute pressen. So will die Eintracht vorne eine Überzahl aufbauen. Auch hier das BVB-Beispiel: Hütter hatte eine klare Dreierkette aufgeboten, die Flügelspieler schoben gegen den Ball weit nach vorne statt die Dreierkette zu einer Fünferreihe aufzufüllen.

Bremen versuchte Frankfurts Pressingidee phasenweise mit sehr tiefen Außenverteidigern zu kontern. Das sollte die Pressingwege verlängern. Doch Pässe nach Außen waren für die Eintracht ein Anlass, um extrem weit zum Flügel zu schieben. So provozierte die Elf von Adi Hütter immer wieder unkontrollierte Abspiele in engen Räumen. Sie wurden für den Gegner zum Boomerang und landeten schnell wieder im Strafraum.

Und: Lange Bälle waren auch kein wirklich probates Mittel gegen die Hessen. Frankfurt konnte die meisten dieser Pässe einfach klären.

Fazit

Das ganze Frankfurter Spiel wurde von Adi Hütter und seinem Trainerteam darauf ausgelegt, den Gegner zu stressen und unter Druck zu setzen. Dafür bringt sein Team das Leder im klaren Ballbesitz und in Umschaltmomenten schnell vor das gegnerische Tor. Der Gegner soll erdrückt und möglichst lange in seinem Drittel festgehalten werden.

Besonders wichtig für diese Spielweise sind die beiden Achter und die Halbverteidiger, die jeweils etwas verrückte Rollen im Spielaufbau ausfüllen und wichtig für das Spiel auf zweite Bälle, das Gegenpressing und das klassiche Pressing sind. Unsere These: Frankfurt ist das extremste Team der Liga. Aber das Risiko ist groß: Befreit sich der Gegner aus seinem Drittel, steht man hinten schnell blank. Deshalb ist für Hütter die Eingespieltheit und der Faktor Zeit wahnsinnig wichtig.

Anzeige

Tags: Bundesliga, Eintracht Frankfurt, Adi Hütter

Anmelden