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Ausblick, Rückblick und Ist-Stand bei den Bayern

Vor einer Woche mussten die Bayern die erste Saisonniederlage einstecken. Dabei ging es in den letzten Wochen vor allem im Aufbauspiel voran. Warum also tat sich der Rekordmeister gegen die tiefen Hoffenheimer so wahnsinnig schwer? Wir erklären es und wagen einen kurzen Ausblick.

Wer nicht den ganzen Artikel lesen will

- Die Fortschritte im Spielaufbau der Bayern waren weiterhin zu erkennen

- aber es gab kaum Angriffe übers Zentrum, dafür wieder einen hohen Flügelfokus

- Hoffenheim stand sehr tief und verteidigte den Strafraum gut

- Kovac wird diese Saison noch einige Aufgaben gestellt bekommen

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Der neue Kovac-Plan ist zu erkennen

Trotz der Niederlage war definitiv nicht alles schlecht im Bayern-Spiel. Die Verbesserungen im Spielaufbau waren auch gegen Hoffenheim zu erkennen. Gerade die neue Unterstützung vom Flügel Richtung Zentrum. 

Die Bayern müssen nun nicht mehr auf Teufel komm raus ihre Flügelangriffe zu Ende spielen. Sie können abgebrochen werden, es kann ins Zentrum zurückgespielt und verlagert werden. Das ist nach den letzten Spielen keine neue Erkenntnis mehr. 

Konkret sah der Bayern-Ballbesitz gegen Hoffenheim so aus: Wenn einer der Außenverteidiger den Ball hatte, gab es einige Spieler, die sich um ihn herum anboten. Zehner Coutinho forderte im Halbraum den Ball und einer der Sechser machte sich ebenfalls bemerkbar, vor allem für einen Pass in die Mitte. Außerdem gab es natürlich noch den Flügelstürmer als Anspielstation nach vorne. Den Innenverteidiger klammern wir an dieser Stelle mal aus.

Der Außenverteidiger hatte also drei Optionen. Den tiefen Pass die Linie entlang auf den Flügelstürmer. Den Pass ins offensive Zentrum auf Coutinho oder den Abbruch des Angriffs über den Sechser. Diese Brücken in sämtliche Richtungen klingen nach einen klarem Ballbesitzplan. Dennoch erspielten sich die Bayern gegen Hoffenheim wenig Torchancen. Warum?

Schreuder mischt seine eigene Anti-Bayern-Taktik

Den Bayern gelang es nicht, Lücken ins offensive Mittelfeld zu reißen, sodass man es vor allem über die Flügel probieren wollte. Bisher lautete die Anti-Bayern-Taktik: Sechser aus dem Spiel nehmen und damit verhindern, dass die Bayern einen ins Laufen bringen. Schreuder hatte sich etwas anderes ausgedacht. Er stellte sein Team im 4-1-4-1 auf und besetzte die Flügel doppelt. So konnte Hoffenheim außen mit klaren Mannorientierungen gegen die Bayern vorgehen: Die Spieler liefen den Bayern-Außenverteidigern und ihren Vordermännern vereinfacht gesagt hinterher.

Deshalb gelang es dem Rekordmeister auch am Flügel kaum, Räume zu öffnen. Zum Beispiel, indem der Flügel sich fallen ließ und der Außenverteidiger in die Tiefe startete. Hoffenheim konterte das schlichtweg. 

Eine andere Bayern-Idee schien schon etwas vielversprechender: Im 4-1-4-1 hatten die Bayern-Sechser keinen direkten Gegenspieler. Außerdem spielte Hoffenheim nur mit einem echten Stürmer. So bekam man im Zentrum nicht besonders viel Zugriff. Und die Bayern konnten direkt aus dem Zentrum heraus nach außen auf Coman verlagern. Bebou, der äußere Hoffenheimer Mittelspieler, kam nicht schnell genug zum Doppeln und der zum Verteidiger umgeschulte Skov war auf sich allein gestellt. Coman konnte sich gegen ihn immer wieder durchsetzen und für Gefahr sorgen. 

Das Problem: Seine Hereingabe ins Zentrum ging meistens unter. Hoffenheim sammelte allgemein viele Bayern-Flanken auf. Durch das Tiefstehen konnte man den Strafraum schnell besetzen. Das erinnerte ein wenig an Nagelsmanns Leipziger, die ebenfalls penibel auf die Strafraumverteidigung achteten. Kein schlechtes Vorhaben gegen die flankenwütigen Bayern.

Interessant war, dass die Kovac-Mannen es oft mit langen Bällen probierten. Die versprachen gegen die tiefstehenden Hoffenheimer aber auch wenig Erfolg. Der Abstand zwischen Viererkette und Torwart Baumann war so gering, dass Bälle hinter die Abwehr schnell mal beim Keeper landeten. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kovac steht vor großen Aufgaben

Was bleibt nun aus den letzten Wochen? Erstens: Bayerns Ballbesitzsystem ist weiterhin in der Entwicklung. Um spielerisch wirklich auf Top-Niveau zu kommen, gehört mehr dazu als ein neuer Spielaufbau: Die Brücke ins Mittelfeld muss passen und im Angriffsdrittel braucht es ebenfalls durchdachte Lösungen. Die muss Kovac in der nächsten Zeit liefern, wenn er als echter Ballbesitztrainer getauft werden möchte.

Zweitens: Es gab schon so einige Ideen in dieser Saison, um den Bayern wehzutun. Um nur ein paar zu nennen: Der mutige Ballbesitz-Ansatz und das Mann-gegen-Mann über den ganzen Platz, das die Hertha spielte. Das hohe Pressing der Schalker, das die Bayern mit langen Bällen konterten. Das 4-2-3-1 von Nagelsmann, um Bayerns Sechser in Ketten zu legen. Und nun das sehr defensive 4-1-4-1 von Schreuder, das das Flügelspiel lahmlegen sollte.

Es wird hochspannend, welche Anti-Bayern-Taktik sich im Laufe der Saison wirklich durchsetzt. Möglicherweise wird es auch eine Mischung aus den bisherigen Ideen. Die Frage wird dann sein: Hat Niko Kovac ein Gegengift parat? Es bleibt dabei: Für ihn steht in diesem Jahr so einiges auf dem Spiel. Hop oder top. Scheitern - oder zum Spitzentrainer aufsteigen.

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Bildquelle

Tags: FC Bayern, Niko Kovac, Bundesliga, TSG Hoffenheim, Alfred Schreuder

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