f logo RGB Blue 58 Twitter Social Icon Circle Color

Weder Fisch noch Fleisch: Augsburg-Klatsche trotz Mauertaktik

Dass der FC Augsburg auch in Zukunft nicht für Offensivfußball stehen würde, schien mit der Verpflichtung von Martin Schmidt klar. Der Schweizer steht vielmehr für eine kompakte, massive Defensive als für eine mitreißende Ballbesitzidee. Doch: Nach dem enttäuschenden Pokalaus gegen Regionalligist Verl gingen seine Augsburger auch beim Ligaauftakt in Dortmund (1:5) gnadenlos unter. Und das, obwohl die Fuggerstädter sich auf Schmidts vermeintliche Paradedisziplin konzentrierten: das Verteidigen.

Augsburg versagt erst als Ballbesitzmannschaft, dann als Underdog

Noch gegen Verl ließ sich für die Niederlage eine einfache Erklärung finden. Der unterklassige Gegner zwang Augsburg dazu, das Spiel zu machen, arbeitete kompromisslos und aggressiv gegen den Ball – ähnlich wie es die Augsburger eigentlich selbst tun möchten. Dass ihnen diese Aufgabe nicht liegen würde, war zu erwarten. Auch wenn abzuwarten bleibt, wie die Schmidt-Mannen sich so in einer Liga schlagen werden, in der sie längst nicht mehr die Kleinsten sind. Sich der Ballbesitzverantwortung ganz zu entziehen, wird wohl weder gegen die Aufsteiger, noch gegen Düsseldorf & Co. möglich sein.

Umso wichtiger wäre es wohl, Überraschungspunkte aus der Underdogposition heraus einzufahren. Im Signal Iduna Park glich jedoch nicht nur das Augsburger Offensivspiel einem Offenbarungseid. Auch gegen den Ball schien der FCA heillos überfordert. So heißt es derzeit: Augsburg ist taktisch weder Fisch noch Fleisch. 

Erst Traum-, dann Mauerfußball

Das Spiel gegen den BVB begann so typisch wie überraschend. Schon nach etwa 30 Sekunden ging der Außenseiter in Front. Ausgangspunkt: ein langer Ball direkt nach dem Anstoß und ein anschließender Ballgewinn im Zentrum. Was aber dann folgte, ließ darauf hoffen, dass Schmidt sein Team binnen weniger Tage auf ein neues Level hieven konnte: Als wäre der Ball eine Klick-Klack-Kugel zog Augsburg einen schnellen Konter auf. Tief-Klatsch hier, Verlagerung von innen nach Außen und wieder zurück dort. In der Mitte war Niederlechner zur Stelle. Es würde kaum überraschen, wenn sich viele Zuschauer verwundert die Augen gerieben hätten: Haben die beiden Teams etwa die Trikots getauscht?

Wer sich den Angriff aber mit Adleraugen ansieht, stellt fest: Augsburg hatte die perfekte Organisation, um den Ballgewinn auszuspielen. Kurze Wege zwischen den Spielern verhalfen zu schnellen, direkten Kombinationen. Etwas, was es unter Schmidt sonst kaum gibt. Vielmehr ist das Ballbesitzspiel seines Teams von riesigen Löchern zwischen den Mannschaftsteilen geprägt, sodass oft extrem weitere, berechenbare Bälle über das Feld fliegen. Das spielerische Potenzial, das Gruezo, Baier & Co. versprechen, kommt so kaum zur Entfaltung. 

Je länger das Spiel dauerte, desto mehr versank Augsburg im Mauerfußball. Über weite Strecken stand die Mannschaft gar im Abwehrpressing. Torschütze Niederlechner war mehr elfter Verteidiger als Unruhestifter. Der einzige Wunsch nach dem BVB-Ausgleich: Das Ergebnis irgendwie in die Halbzeit retten.

Keine Kontergefahr

Das klappte auch deshalb, weil der BVB Vorsicht walten ließ, den Ball lieber geduldig in den Reihen hielt, statt das Risiko zu erhöhen. Augsburg kam so kaum an das Leder, Balleroberungen konnten an einer Hand abgezählt werden. Ohnehin: Das Einigeln am eigenen Strafraum führte automatisch dazu, dass die Strecke zum Dortmunder Tor extrem lang wurde. Dazu befanden sich bei Ballgewinnen viele Augsburger Spieler hinter und viele Dortmunder vor dem Ball. Die logische Konsequenz: Man rasselte ins Gegenpressing und verlor den Ball meist wieder schnell. Augsburg fehlte also nicht nur in den wenigen Aufbaumomenten eine zündende Idee. Auch das offensive Umschalten verlief im Sande.

Was wollte Schmidt also bezwecken?

Schon während des Spiels wurde klar: Martin Schmidt wollte seine Mannschaft längst nicht so tief verteidigen lassen. Der 42-Jährige gestikulierte wild an der Seitenlinie herum, kommunizierte immer wieder mit seinen Spielern, versuchte Einfluss zu nehmen. Gelingen sollte ihm das an diesem Nachmittag nicht. Wenig überraschend konstatierte er nach dem Spiel: "Wir haben keine Entlastung bekommen, wir haben viele Bälle zu schnell verloren."

Weil sich spätestens nach dem 1:2 auch die Defensive auflöste, ließ sich eine Augsburger Klatsche kaum mehr abwenden. Die Kernprobleme: Wenig Druck auf dem Ball in Strafraumnähe: Sancho, Witsel & Co. konnten in aller Ruhe Hereingaben in die Gefahrenzone bringen. Augsburg stand Spalier. Auch geklärte Bälle landeten direkt wieder beim BVB, wie etwa vor dem 3:1. In der Box selbst bewegte sich die FCA-Defensive oft in geschlossener Position mit dem Körper und dem Blick zum Ball. So verlor man die Dortmunder Angreifer aus dem Auge.

Was nun, FCA?

So schwach der Augsburger Auftritt auch war, er lieferte immerhin Erkenntnisse: Derzeit ist die Mannschaft nicht einmal in der Lage, einen funktionierenden Defensivplan auf das Feld zu bringen. Zumindest nicht gegen Top-Ballbesitzteams. Zudem muss sich Schmidt eingestehen: Defensive und Offensive gehören unweigerlich zusammen. Unter fehlender Entlastung leidet nicht nur die Angriffsabteilung, sondern auch die Verteidigung.

Man wird also womöglich bereits in Richtung des kommenden Wochenendes alle Steine umdrehen. Denn dann spielt Augsburg zuhause gegen Aufsteiger Union Berlin. Nicht unwahrscheinlich, dass man dann die nächste Ballbesitzprüfung ablegen muss. Aktuell scheint die Versetzung gefährdet.

Tags: Bundesliga, FC Augsburg, Martin Schmidt

Anmelden


Bulirooooberts Avatar
Buliroooobert antwortete auf das Thema: #2 21 Aug 2019 22:39
Pokalaus gegen Verl, gegen Dortmund untergegangen...
Augsburg für mich diese Saison
deutlich Abstiegskandidat. Jetzt wurden allerdings noch Jedvaj und Lichtsteiner geholt. Mal sehen, wie die beiden der FCA-Defensive helfen können. Wobei ich da skeptisch bin: Lichtsteiner ist schon 35 und Jedvajs Zweikampfquote von 54% lasse ich mal unkommentiert.