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Rangliste: Wer ist der Taktikfuchs der Woche?

Wir haben uns neun Spiele und 18 Trainer zur Brust genommen. Und kamen zu dem Ergebnis: Einige von ihnen haben besonders gut performt. Unser Ranking: Wer ist der Taktikfuchs der 4. Bundesliga-Woche? So viel vorweg: Mit den Plätzen zwei und drei habt ihr sicher nicht gerechnet…

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Platz 6: Julian Nagelsmann – Umstellung gegen die Bayern-Dominanz

Für Fußballnerd Julian Nagelsmann sicher eine enttäuschende Platzierung. Nerdtum allein schützt allerdings nicht vor Matchplänen, die in die Hose gehen. So viel hat das Gipfeltreffen bei den Bayern bewiesen. Nagelsmanns 5-3-2 war gut gedacht, aber schlecht gemacht. Zumindest wenn es um das Thema Zugriff geht.  

Doch Nagelsmann wäre nicht Nagelsmann, wenn er in der Pause nicht umgestellt hätte. Er kritzelte ein 4-2-3-1 auf die Taktikttafel. Und in dem funktionierte der Spielaufbau gleich viel besser. Der wuchtige Konate konnte seine Qualitäten aus dem Halbraum einbringen. Dazu unterstützte der ballsichere Demme im Mittelfeld und Mukiele, zuvor Halbverteidiger der Dreierkette, nutzte seine Geschwindigkeit auf der rechten Abwehrseite. Wobei Abwehrseite relativ ist: Nagelsmann schob seine Außenverteidiger hoch, wollte, dass sie über den Flügel Dampf nach vorn machen. Im Zusammenspiel mit der Doppelspitze und dem offensiven Mittelfeld hatte Leipzig mehr Personal für seine Angriffe. Die Bayern-Dominanz schmolz dahin.

Das Ende vom Lied: Was im ersten Durchgang nicht lief, machte Nagelsmann mit seiner Umstellung wieder gut. Sie verhalf zwar nicht zum Sieg, wendete aber zumindest die drohende Niederlage ab. Auch wenn sein Team dazu ebenso eine gehörige Portion Matchglück brauchte.

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Platz 5: Niko Kovac - sein Matchplan tut den Bullen weh 

Im letzten Jahr musste Niko Kovac reichlich Kritik einstecken. Doch der Kroate scheint sich so langsam zu machen: Die Details seines Matchplans brachten selbst die hoch gehandelten Leipziger ins Wanken. Die verschobene Dreierkette durch den tiefen Pavard auf rechts, die Thiago-Kimmich-Doppelsechs, die gute Raumbesetzung in den offensiven Halbräumen: Beim FC Bayern griffen viele taktische Rädchen ineinander, die Leipzigs Defensivkonzept ordentlich durchrüttelten.   

Dass es für Kovac nicht für mehr als Platz 5 reicht, hat trotzdem einen Grund: Mit seiner Reaktion auf die Nagelsmann-Umstellung hat sich der Meistertrainer verspekuliert. Warum? Das haben wir in dieser Woche bereits mühsam auseinander gepflückt.

Platz 4: David Wagner - das Uth-Harit-Ballbesitzsystem gegen Paderborn

Die künsten Träume vieler Schalke wurden erhört: Ihre Mannschaft spielt endlich wieder guten Fußball. Und das war gegen Paderborn auch deshalb der Fall, weil sich ihr Chefcoach eine nette Ballbesitzidee zurechtgelegt hatte. 

Harit rutschte auf die linke Seite - zumindest auf dem Papier. Denn den Kreativspieler verschlug es weiter viel in Richtung Halbraum. Von dort wollte er das Ballbesitzspiel ankurbeln wie zuvor schon als Zehner. Weil aber gleichzeitig Uth seine eigentliche Position einnahm, hatten die Harit-Bewegungen einen schönen Nebeneffekt: Er konnte sich den Ball abholen, ohne dass die Anspielstation im Zehnerraum verloren ging.

Dass Wagner mit Uth einen zusätzlichen Ballbesitzspieler ins Zentrum gestellt hatte, sollte sich also auszahlen. Schalke spielte zwar weiter viel über die Flügel, kam von dort aber besser in die Mitte. Manchmal sind es eben auch die kleinen Stellschrauben, die Großes bewirken. 

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Platz 3: Martin Schmidt – Hütter-Dreierkette ausgeknockt

Gleich mehrmals hatte Martin Schmidt nach dem 2:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt betont, wie toll sein Matchplan aufgegangen sei. Und das zu Recht. Natürlich hatte er mal wieder auf typischen Schmidt-Fußball vertraut: Sein Team hatte viele Aktionen gegen den Ball. Dass der Spielaufbau wie gewohnt ziemlich mau war, wurde zumindest an diesem Samstag zur Nebensache. Denn dieses Mal war die Augsburger Kompaktheit groß genug, um durch Ballgewinne ins Umschalten zu kommen.

Mit seiner defensiven Spielphilosophie bewegt sich der FCA weit weg von den Trends der Liga. Dass Ballbesitz wichtig ist, wollen die Fuggerstädter noch immer nicht wahr haben. Dabei hätte Schmidt mit Richter, Vargas, Baier, Khedira und einigen anderen sicher das Potenzial, mehr Kombinationsfußball spielen zu lassen. Die Fußball-Verweigerungstaktik führte beispielsweise gegen Union Berlin zum vielleicht schwächsten Spiel der bisherigen Saison.

Doch gegen Frankfurt hatte Schmidt einen Kniff parat, der seinen Plan voll aufgehen ließ. Er wusste, dass die SGE bei Ballverlust hoch stehen, aber hinten nur mit drei Spielern abgesichert sein würde. Nach Balleroberungen sollten die schnellen Offensivspieler deshalb immer wieder auf die Reise geschickt werden. Ihr Ziel: die Räume hinter der Frankfurter Dreierkette. Frankfurts Adi Hütter gab nach dem Spiel offen zu, dass man auf den Matchplan von Schmidt reingefallen war: “Augsburg hat es sehr gut gemacht. Drei, vier Spieler starteten nach Ballgewinn gleich in die Tiefe. Das haben wir nicht verteidigt bekommen.”

Wenn man so will: Schmidt und Augsburg gehen gemeinsam den Eichhörchen-Weg. Sie schotten sich in einer gleichförmigen Bundesliga eher von der Allgemeinheit ab, jagen keinen Trends hinterher. Stichwort Ballbesitz. Und: Sie machen kleine Schritte nach vorn. Gegen Frankfurt vor allem in der Kompaktheit. Sie ließ den Schmidt’schen Umschaltfußball aufblühen. Ohne Zweifel: Hütters Dreierkette wurde von Schmidt geschickt ausgekontert. Mühsam ernährt sich das Eichhörchen.

Platz 2: Christian Streich - Taktik-Kniff & Farbwechsel

In der Vorwoche hatten wir gefragt: Will Christian Streich das La-Liga-Flair in den Breisgau bringen oder hält er lieber an seiner Chamäleon-Taktik fest? Die Antwort gab er gegen die TSG Hoffenheim. Sie lautete: sowohl als auch. Erst war Freiburg mit einen Ballbesitzplan zur Stelle, der das Hoffenheimer Pressing aushebelte. Dann kam der Streich’sche Pragmatismus zum Vorschein.

Aber der Reihe nach: Hoffenheim wollte die Freiburger Dreierkette mannorientiert pressen. Hieß: Die TSG schob drei Spieler vor, um die SC-Dreierkette in eine Patt-Situation zu bringen. Gelingen sollte das nicht. Denn Freiburgs Höfler fiel in die Abwehr zurück, während der Rest des Teams, abgesehen von den drei Verteidigern, weit vorne blieb. So wurden nicht nur die Freiburger, sondern auch die Hoffenheimer Mannschaftsteile voneinander getrennt. Die Konsequenz: Die Streich-Elf kam hinten in Überzahl und konnte den Ball genüsslich nach vorn tragen.

Hoffenheims Spieler waren indes nicht wirklich auf den Ballbesitz-Move der Breisgauer vorbereitet und schauten in die Röhre. Spätestens, als der Höfler-Abkipp-Trick für Freiburg vor dem 1:0 zum Dosenöffner wurde. Die Ballbesitz-Breisgauer schimmerten mal wieder durch. Allerdings sollte kurz danach auch schon wieder Schluss damit sein. Mit der Führung im Rücken nahm das Chamäleon eine andere Farbe an. Vorbei war es mit schönem Ballbesitzspiel. Streich ging es fortan um Risikoarmut und Stabilität. Die neue Strategie trug Früchte. Freiburg gewann das Spiel. Auch, weil ihr Trainer in die Trickkiste gegriffen hatte. Und weder die La-Liga- noch die Chamäleon-Taktik überstrapazierte.

Platz 1: Lucien Favre - Peter Bosz vorgeführt

Nach der bitteren Pleite bei Union Berlin dürfte der Titel 'Taktikfuchs der Woche' Balsam für Lucien Favres Seele sein. Der Schweizer traf mit Thomas Delaney eine perfekte Personalentscheidung. Der in die Startelf beorderte Däne wurde von uns sogar zum Spieler der Woche gekürt.

Vor allem aber unterstrich Favre, dass er längst nicht so engstirnig ist, wie ihm gerne mal nachgesagt wird. Sein Team überließ Leverkusen kurzerhand den Ball, verzichtete anlässlich der gegnerischen Pressingmaschinerie auf geduldigen Ballbesitzfußball. Stattdessen sollte auf den zweiten Ball gespielt und das Glück im Konterspiel gesucht werden. Favre hatte seine Strategie an das Bosz-System angepasst. Gegen Teams auf Augenhöhe lässt er gerne den Defensivtrainer heraushängen. Mit Erfolg. Dortmund geriet kaum unter Druck, machte das Zentrum dicht und setzte offensiv immer wieder Nadelstiche. Das Ergebnis, auch wenn es vielleicht einen Tick zu hoch ausfiel, sprach Bände: Favre hatte den Bosz-Fußball regelrecht vorgeführt. Herzlichen Glückwunsch zum Titel Taktikfuchs der Woche!

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Tags: Niko Kovac, Bundesliga, David Wagner, Lucien Favre, Martin Schmidt, Christian Streich, Julian Nagelsmann, Taktikfuchs der Woche

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