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Die Generation nach Klopp, Pep & Co: vier große Trainertalente im Check

Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Diego Simeone und Co. sind mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt. Aber auch sie mussten mal klein anfangen. Guardiola hat über Barcelonas B-Mannschaft den Trainerolymp erklommen. Klopp konnte zunächst bei seinem Herzensklub Mainz überzeugen und wagte dann den Schritt nach Dortmund. Der Argentinier Simeone fand über Stationen in seiner Heimat den Weg nach Europa. Alle drei werden den Spitzenfußball wohl auch in den nächsten Jahren noch prägen. Doch die neue Trainergeneration schläft nicht. Wir haben einen Blick auf vier Trainertalente geworfen, denen in Zukunft Großes zuzutrauen ist. Und wer weiß: Vielleicht ist einer von ihnen sogar der neue Pep, Klopp oder Simeone.

Wer nicht den ganzen Text lesen will:

- Graham Potter besitzt eine moderne Spielphilosophie und denkt auch außerhalb des Platzes sehr innovativ.

- Patrick Vieira steht auf Ballbesitz und Spielkontrolle. Mit der verbesserten Offensive kann es für Nizza unter seiner Leitung steil nach oben gehen.

- Julien Stephan ist der jüngste Trainer der Ligue 1. Er lässt einen attraktiven Ballbesitz-Fußball spielen.

- Marcelo Gallardo ist zwar noch in Südamerika unterwegs, dürfte aber früher oder später nach Europa wechseln. Sein River Plate agiert sehr flexibel und tauscht oft die Positionen.

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Graham Potter: über Umwege in die Premier League

Zu Spielerzeiten war Graham Potter ein ordentlicher Mittelfeldspieler. Den Großteil seiner Karriere verbrachte er in der zweiten englischen Liga. So gewöhnlich seine Spielerkarriere verlief, so ungewöhnlich begann allerdings die als Trainer. Zum Ende seiner Karriere absolvierte Potter seinen Abschluss in Sozialwissenschaften. Im Jahr 2007 übernahm er dann das Amt des technischen Direktors der ghanaischen Frauen-Nationalmannschaft für die WM 2007. Anfang 2011 heuerte er schließlich als Cheftrainer in Schweden bei Östersund an. Zu diesem Zeitpunkt spielte der Verein in der vierten Liga. Doch Potter hat ihn in seiner siebenjährigen Amtszeit bis in die erste Liga geführt. In der letzten Spielzeit unter seiner Führung landete der Klub sogar auf dem fünften Platz.

2018 ging es für Potter fast folgerichtig zurück in den englischen Profifußball, wenn auch erst einmal nach Wales. Dort übernahm er den Premier-League-Absteiger Swansea. Er beendete die Saison auf einem guten zehnten Platz. Diese Leistungen überzeugten die Verantwortlichen von Brighton & Hove Albion so sehr, dass sie ihn im Sommer die Nachfolge von Chris Houghton zutrauten. 14 Jahre nach Ende seiner Spielerkarriere erfüllte sich Potter also endlich seinen Traum von der Premier League.

Sein Aufstieg war natürlich kein Zufallsprodukt. Der 44-Jährige steht für eine sehr moderne Spielphilosophie. Meist vertraut er auf eine Dreierkette. Er wechselt aber immer wieder auch während des Spiels die Formation, wie man es aus der Bundesliga beispielsweise von Julian Nagelsmann kennt. Wie das hochgehandelte deutsche Trainertalent will auch Potter flach und kontrolliert herausspielen. Auch er mag es, viel Ballbesitz zu haben. Dazu passt, dass seine Teams hoch ins Pressing gehen sollen. Sein System wirkt schon jetzt sehr weit.

Doch neben seinem taktischen Know-How zeichnet Potter vor allem seine Arbeit neben dem Platz aus. Er ist ein Querdenker mit großer Empathie. Ihm wird nachgesagt, seine Mannschaft immer wieder aufs Neue zu einer richtigen Einheit zu formen. Außerdem vertraut er in seiner Arbeit sehr auf Daten. Seit seiner Zeit bei Östersund arbeitet er mit einem Analysten zusammen, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Östersunds Erfolgsgeschichte konnte durch das sehr datenbasierte Scouting überhaupt erst geschrieben werden. Und auch Brighton ist ein Verein, in dem die Datenanalyse eine große Rolle spielt.

Mit Potter hat man nun also einen Trainer, der mit diesen Daten umzugehen weiß und zudem eine moderne Spielphilosophie vertritt. Somit ist er möglicherweise der Prototyp des Trainers der Zukunft. Nicht unwahrscheinlich, dass sein Abenteuer als Trainer bald über die Grenzen von Brighton hinausführt.

Patrick Vieira: von der Spieler- zur Trainerlegende?

Patrick Vieira ist zweifelsfrei einer der größten Spieler seiner Zeit. Er wurde Welt- und Europameister, gehörte zudem dem sogenannten Invincible-Team Arsenals an. Nun will er als Trainer einen ähnlichen Erfolgsweg einschlagen. Und die Chancen darauf stehen nicht schlecht.

Nach seinem Karriereende bei Manchester City wurde Vieira erst Nachwuchskoordinator und anschließend Nachwuchstrainer bei den Citizens. 2016 übernahm er den New York City FC, der wie City zur „City Group“ gehört. In seinen zweieinhalb Jahren dort wurde der Verein zwei Mal Zweiter der Western Conference. Vor der letzten Saison folgte Viera dann den Lockrufen aus Europa. Er übernahm den OGC Nizza als Nachfolger von Lucien Favre.

Seine Spielidee ist insbesondere durch seine Spielerkarriere und die Zeit bei City geprägt. Dort lernte er das Ballbesitz- und Positionsspiel Guardiolas lieben. Vieira möchte Ballbesitzfußball spielen lassen. Im Aufbau verwendet er viel Personal, damit seine Mannschaft den Ball möglichst sicher nach vorne tragen kann. Für Vieria ist das Ballbesitzspiel auch ein Mittel zum Verhindern von Gegentreffern.

Schon als Spieler hatte der Sechser Vieira die Defensive immer im Blick. Das setzt sich als Trainer fort. Mit nur 35 Gegentreffern stellte Nizza in der vergangenen Saison die zweitbeste Defensive der Ligue 1. Nizzas großes Problem war jedoch die Chancenverwertung. Sie erzielten nur 30 Treffer. Die drittschwächste Offensive der Liga. Nach den erwartbaren Toren, gemessen an ihren Torchancen, hätten sie 14 Treffer mehr erzielen müssen. Die Mannschaft spielte sich also durchaus Gelegenheiten heraus, konnte sie aber schlichtweg nicht verwerten. In diesem Sommer verstärkte sich Nizza unter ihrem neuen Besitzer mit hochkarätigen Offensivspielern. Kasper Dolberg, Alexis Claude-Maurice und Adam Ounas sollen Torgefährlichkeit in die Offensive von Vieira bringen. Gut möglich, dass Vieiras Stern durch sie endgültig aufgeht. Der Stern eines Ballbesitztrainers, der trotzdem defensiv (genug) denkt.

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Julien Stephan: der 38-jährige PSG-Jäger

Julien Stephan verbrachte seine Spielerkarriere in den unteren französischen Ligen. Als Trainer ist er schon jetzt erfolgreicher. Bei seiner letzten Station als Spieler nahm er gleichzeitig einen Job als Jugendtrainer an. Anschließend verschlug es ihn zu größeren Vereinen, ehe er 2012 die U19 von Stade Rennes übernahm.

Nach drei erfolgreichen Jahren folgte dann der nächste Schritt. Stephan leitete fortan das B-Team. Als Sabri Lamouchi schließlich nach schwachem Saisonbeginn seinen Hut als Trainer der ersten Mannschaft nehmen musste, wurde Stephan sein Nachfolger. In seinem Debütjahr als Profitrainer führte er Rennes gleich zum Pokal-Sieg gegen Paris Saint-Germain. Und auch in dieser Saison ist sein Team mit zehn Punkten nach fünf Spielen gut gestartet. Derzeit ist man in der Liga PSG-Jäger Nummer Eins.

Stephan lässt seine Mannschaft in diesem Jahr in einem 3-1-4-2 auflaufen. Aus dieser Formation heraus möchte er flach herausspielen. Sein Team sucht gerne das Risiko, spielt viel über das Zentrum. Schlüsselspieler ist dabei der erst 16-jährige Eduardo Camavinga, den Stephan aus der Jugend mit in die Profi-Mannschaft nahm. Stephan setzt gerne auf junge Talente und kann bei Rennes auf eine hervorragende Akademie zurückgreifen.

Im Offensivdrittel soll seine Mannschaft Chancen meist über die Flügel kreieren. In Strafraumnähe nutzt sie dann viele Pässe in den Rückraum auf einen der beiden Stürmer. Mittel, die man so ähnlich von Pep Guardiola kennt. Mit erst 38 Jahren hat Stephan noch genug Zeit, seine Spielidee weiterzuentwickeln. Und wer weiß: Vielleicht feiert er früher oder später ähnliche Erfolge wie der Katalane. Die Zeit wird es zeigen. 

Marcelo Gallardo: das nächste große argentinische Trainer-Talent

Argentinien hat mit Marcelo Bielsa, Diego Simeone und Mauricio Pochettino einige der einflussreichsten und besten Trainer der letzten Jahre hervorgebracht. Der nächste Trainer in dieser Reihe könnte Marcelo Gallardo sein.

Gallardo kann auf eine gute Spielerkarriere zurückblicken. Er lief sogar 45 Mal für die argentinische Nationalmannschaft auf. Seine Laufbahn hatte er einst bei River Plate begonnen. Anschließend zog es ihn unter anderem zu Monaco und PSG, ehe er nach Buenos Aires zurückkehrte. Erstaunlicherweise beendete er dort aber nicht seine Karriere, sondern bei Nacional in Uruguay. Direkt nach seinem Karriereende wurde er für ein Jahr Trainer des Klubs. 2014 führte der Weg des heute 43-Jährigen dann zurück zu seinem Jugend-Klub River Plate. Auch nach fast 250 Spielen ist er noch Trainer des argentinischen Riesen. Für südamerikanische Verhältnisse ist dies eine bemerkenswert lange Zeit, die zweifelsohne ein Indiz für seine Trainerqualität ist. Im letzten Jahr krönte Gallardo seine Amtszeit gar mit dem Sieg der Copa Libertadores gegen den Erzrivalen Boca Juniors.

Gallardo denkt wahnsinnig modern und ist durchaus ein gewiefter Taktiker. Er lässt sein Team meist in einer Art 4-Raute-2 oder 4-3-1-2 spielen. Das Prunkstück stellt dabei das Spiel mit dem Ball dar. Die Mittelfeldspieler agieren sehr flexibel und wechseln oft ihre Positionen. So stellt man eine der besten Offensivreihen Südamerikas.

Eine sehr wichtige Aufgabe bei River ist zudem das Entwickeln von Talenten. Auch dabei überzeugt Gallardo. Der aktuelle Kader Rivers ist gespickt mit hochtalentierten Youngsters. Vor allem Exequiel Palacios, der schon mit Real Madrid in Verbindung gebracht wurde, ist hier hervorzuheben. Der 20-Jährige feierte sein Debüt unter Gallardo und wurde von diesem entscheidend gefördert. Palacios wird genauso wie Gallardo über kurz oder lang in Europa landen. Dass der Fußballlehrer dann noch einmal zu seinem Herzens- und Jugendklub zurückkehrt, scheint eher unwahrscheinlich. Denn wie bei vielen seiner Vorgängern könnte er auf dem größten Fußball-Kontinent erst so richtig durch die Decke gehen.

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