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Wer stößt Favre vom Thron & wird Taktikfuchs der Woche?

Trainer des Jahres? The Best-Award der Fifa? Uninteressant. Seit vergangener Woche träumen die Fußball-Lehrer der Bundesliga wahrscheinlich von nichts anderem mehr als „Taktikfuchs der Woche“ zu werden. Am letzten Spieltag räumte Lucien Favre groß ab. Er verwies Christian Streich und Martin Schmidt mit seiner Kontertaktik knapp auf die Plätze zwei und drei. Ob es für den Schweizer Glückwunsch-SMS seiner Kollegen gab, ist nicht überliefert. Doch spannender dürfte ohnehin die Frage sein: Wer hat ihn diese Woche vom Thron gestoßen? Denn so viel vorweg: Den begehrten Taktikfuechse-Wanderpokal musste Favre wieder abgeben. Er schaffte es dieses Mal gar nicht in die Rangliste. Dafür sein letzter Gegner. 

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Platz 5: Schmidt hält In-Game dagegen

Schon letzte Woche war Martin Schmidt der Überraschungsgast im Ranking. Und: Der Augsburger scheint auf den Geschmack gekommen zu sein.

Seit kurzem plaudert er immer mehr über Matchpläne und Systemumstellungen. Möglich, dass ihm die ersten Einträge in den Taktik-Stimmen zu kurz waren. Doch die vergangenen beiden Wochen zeigen: Hinter Schmidt verbirgt sich kein Geschichtenerzähler à la Käpt'n Blaubär, sondern ein kleiner Taktikfuchs.

Schmidt ordnete seiner Mannschaft gegen Freiburg nach dem 0:1 ein höheres Pressing an. Aus dem 4-4-2 wurde häufiger ein 4-3-3/4-2-4 inklusive mehr Druck auf Freiburgs Dreierkette. Und schwuppdiwupp war seine Mannschaft wieder im Spiel. Das 1:1 war am Ende ein gerechtes Ergebnis. Auch, weil Schmidt sich In-Game immer weniger gefallen lässt.

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Platz 4: Adi Hütter und sein Taktik-Cocktail gegen Dortmund

Frankfurts Adi Hütter hat in dieser Saison wohl gut aufgepasst, wenn der BVB gespielt hat. Als seine Eintracht selbst gegen die Schwarzgelben ran musste, mischte er die besten Anti-Dortmund-Taktiken zusammen. Seine erste Erkenntnis: Der BVB darf nicht mit Tempo hinter die Abwehr kommen. Das ist gefundenes Fressen für ihn. Also: etwas tiefer stehen und nicht wild vorne drauf gehen, dachte sich Hütter. Die zweite Erkenntnis: Gegen Dortmund braucht es ein zweikampfstarkes Mittelfeld, das sich die Sechser zur Brust nimmt. Plus fleißige Stürmer.

Schon war der perfekte Taktik-Cocktail gemixt. Nach einer schweren Halbzeit kam Hütters Elf immer besser ins Spiel. Wie genau? Mehr erfahrt ihr mit einem Klick auf den Artikel "Wild-West-Taktik, Risiko, Erdbeerkuchen & ein Punkt gegen den BVB".

Platz 3: Roses 4-3-3 rettet die Fohlen vorm Taktik-Gau(l)

Ein gellendes Pfeifkonzert mussten die Fohlen über sich ergehen lassen. Erst 0:4 gegen Wolfsberg, dann Rückstand gegen Düsseldorf. Das war den Zuschauern im Borussia Park zu viel. Von Wachstumsschmerzen wollten sie nichts mehr hören.

Zunächst nämlich bewies Fortunas Friedhelm Funkel: Ein lahmer Taktik-Gaul ist er auch mit seinen 65 Lenzen nicht. Er überraschte Marco Rose mit einer Fünferkette. Düsseldorf legte das Zentrum lahm und probierte es mit Ball über die Flügel - also über die Räume, in welche die Fohlen mit ihrer Raute am schwierigsten hinkamen. Rose drohte sich ein weiteres Mal mit seinem 4-Raute-2 zu verrennen.

Doch nach dem Rückstand wehrte er sich. Er stellte auf 4-3-3 um. Die Flügel sollten offensiv wie defensiv besser genutzt werden. Das zahlte sich aus. Etwa beim 1:1. Dort hatten die Fohlen den Fortuna-Linksverteidiger gebunden. Weil sich jetzt nicht mehr nur Rechtsverteidiger Laimer am Flügel tummelte, konnte der in den freien Raum sprinten. Pass in die Mitte, Tor durch Thuram. Ausgleich.

Wartet mal. Tor durch Thuram? Richtig. Den hatte Rose vorher ins Spiel gebracht. Der Ex-Salzburger schien sein Hufeisen wiedergefunden zu haben. Als Thuram den Ball kurz vor Ende nach einer Ecke nochmal ins Tor drückte, war das Rose-Glück endgültig zurück. 

Zusammenfassung? Plan A war eher für die Katz als für die Fohlen. Aber mit seinem glücklichen Händchen reparierte Rose einiges. Das reicht in unserer Wertung immerhin fürs Treppchen. Für mehr hätte Rose seine Mannschaft besser auf die Düsseldorfer Anfangstaktik einstellen müssen. Schade!

Platz 2: Bei Alfred Schreuder stimmten Matchplan & Wechsel

Alfred Schreuder schien etwas unentschlossen, was die richtige Wahl für seine Hoffenheimer sein würde. Eigentlich hatte sich das 3-4-3 etabliert. Doch mit der Viererkette konnte sich die TSG immerhin einen Punkt gegen die Ballbesitzmannschaft aus Leverkusen ermauern. Demgegenüber stand eine bittere 0:3-Packung gegen Freiburg. (Bis zur Umstellung) mit Dreierkette wohlgemerkt.

Was also tun? Schreuder hatte kurzerhand eine Misch-Taktik zusammengebraut: offensiv Viererkette, defensiv Fünferkette. Wie schon gegen Leverkusen war Hoffenheim auch in Wolfsburg bereit, den Ball abzugeben. Vor allem auf einen Wolf hatte es Schreuder abgesehen: Marcel Tisserand. Der Innenverteidiger wurde von Hoffenheim freigelassen. Die BB-Doppelspitze Belfodil/Bebou stand gegen den Ball ein wenig nach links verschoben. Die Folge: Tisserand sammelte die meisten Ballkontakte aller Spieler. Für den Spielaufbau als Rechtsfuß auf der linken Seite war das nicht ideal. Wir hatten schon vorige Woche angemerkt: Linksfuß Brooks ist für das Wolfsburger Aufbauspiel schwer zu ersetzen. Gut möglich, dass Schreuder hier heimlich mitgelesen hat. Gegneranalyse im Jahr 2019: Lesebrille auf und Taktikfuechse.de anklicken.

Die Tisserand-Idee war aber noch nicht alles. Schreuder hatte ja schließlich offensiv auch noch einen Kniff parat. Mit dem Dreier-Viererketten-Wechselspielchen unterstrich der Niederländer unsere These: Unter ihm wird die TSG keine graue Maus. Aber dieses Mal wollte er es uns so richtig zeigen. Kaderabek gab den Rechtsaußen, während Skov, eigentlich torgefährliche Offensivkraft, hinten links begann. 

Nein, Schreuder hatte sich nicht auf der Taktiktafel verschrieben. Dahinter steckte ein kluger Gedanke. Er wollte einen spielstarken Mann auf der linken Abwehrseite haben. Den bekam er mit Skov. Dazu sollte Kaderabek rechts als möglicher Konterspieler parat stehen, der auch Kopfballduelle gewinnen kann. Das war ihm etwa vor dem 1:0 von Rudy gelungen.

Übrigens: Auch unsere In-Game-Kritik scheint sich Schreuder zu Herzen genommen zu haben. Seine Wechsel gegen Wolfsburg machten Sinn. Baumgartner brachte für Geiger nochmal Aggressivität und Vertikalität ins Spiel. Adamyan für Belfodil konnte Ähnliches bewirken. Der Ex-Regensburger hatte kurz vor Ende sogar noch eine große Kontermöglichkeit. Obwohl er die Siegchance vergab, sahnt sein Trainer diese Woche ab. Nicht nur Schreuders Matchplan überzeugte. Auch In-Game hat er das eine oder andere richtig gemacht. Platz zwei: Das kann sich zum Ranglisten-Debüt sehen lassen. Gratulation.

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Platz 1: Nagelsmann performt auf Nagelsmann-Niveau 

Julian Nagelsmann war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: Nur Platz 6 in der Vorwoche? Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Durch den Wochensieg dürfte das Lächeln nun zurück sein.

Allerdings wollte Nagelsmanns Matchplan in der Anfangsphase gegen Bremen wieder nicht so recht fluppen. Der Taktikguru liebt das Spiel durchs Zentrum. Seine Bullen sollten dort die Achter finden. Werders 5-3-2 konterte die Idee. Leipzig musste es mehr über die Flügel versuchen.

Doch mit Mukiele und Klostermann, Letzterer dazu noch als Rechtsfuß auf links, hatte Nagelsmann hier nicht wirklich seine stärksten Ballbesitzfußballer aufgeboten. Beide fühlen sich mit etwas Platz wohler. Nach Pässen auf die Flügel war bei den Bullen häufiger Schicht im Schacht als ihrem Trainer lieb war.

Zwei Standards genügten Leipzig zwar, um das Spiel in die richtigen Bahnen zu lenken. Trotzdem war klar, was in der Halbzeit folgen würde: eine Umstellung von Nagelsmann. Er brachte mit Marcelo Saracchi einen Linksfuß auf die linke Seite und schob Klostermann nach rechts. Seine Mannschaft sollte es fortan mehr über Flanken und Konter probieren.

Das war aber erst der Anfang. Denn auch die Formationswechsel von Kohfeldt auf Raute und später 4-3-3 wehrte Nagelsmann gekonnt ab. Nach dem Flanken- und Konterauftrag zur Halbzeit schickte Nagelsmann die nächste Botschaft aufs Feld: Sein Team sollte sich infolge von Laimers Platzverweis im 5-3-1 in die eigene Hälfte zurückziehen und Bremen machen lassen.

Wenig überraschend: Der Plan zeigte Wirkung. Bremen biss sich an Nagelsmanns Defensive die Zähne aus. Dass schließlich Saracchi den Deckel auf den Leipzig-Sieg machte, passte da ein wenig ins Bild. Nagelsmann performte, wie ein Nagelsmann zu performen hat. Auf Topniveau. Sein Plan A war wieder einmal nicht ganz perfekt. Aber In-Game kann ein Nagelsmann das Ruder dann eben doch häufig herumreißen. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch! Wanderpokal und Urkunde kommen per Post.

Tags: FC Augsburg, Martin Schmidt, Borussia Mönchengladbach, Marco Rose , RB Leipzig, Julian Naglesmann, TSG Hoffenheim, Alfred Schreuder, Eintracht Frankfurt, Adi Hütter, Taktikfuchs der Woche

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