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Die Generation nach Klopp, Pep & Co: vier große Trainertalente im Check- Teil 2

Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Diego Simeone und Co. sind mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt. Aber auch sie mussten mal klein anfangen. Guardiola hat über Barcelonas B-Mannschaft den Trainerolymp erklommen. Klopp konnte zunächst bei seinem Herzensklub Mainz überzeugen und wagte dann den Schritt nach Dortmund. Der Argentinier Simeone fand über Stationen in seiner Heimat den Weg nach Europa. Alle drei werden den Spitzenfußball wohl auch in den nächsten Jahren noch prägen. Doch die neue Trainergeneration schläft nicht. Wir haben einen Blick auf vier Trainertalente geworfen, denen in Zukunft Großes zuzutrauen ist. Und wer weiß: Vielleicht ist einer von ihnen sogar der neue Pep, Klopp oder Simeone. Teil 2.

 

Wer nicht den ganzen Text lesen will:

- Eddie Howe führte Bournemouth von der vierten in die erste Liga und entwickelte Spieler intelligent weiter. Sein Team gehört zu den besten Offensiven der Liga.

- Jesse Marsch setzt auf ein RB-untypisches 4-3-3. Unter ihm entwickelt sich Salzburg zu einer noch größeren Offensivmacht.

- Murad Musaev setzt auf ein Positionsspiel à la Guardiola und lässt ein sehr modernes System spielen.

- Steve Cooper kommt aus dem Jugend-Fußball und schielt mit Swansea aktuell Richtung Premier League.

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Eddie Howe: Seit Jahren Englands größtes Trainer-Talent

Eddie Howe ist erst 41 Jahre alt, aber schon seit fast elf Jahren als Trainer tätig. Seine Spielerkarriere begann und beendete er bei Bournemouth. Zum Beginn des Jahres 2009, nur ein Jahr nach Ende seiner Spielerlaufbahn, wurde er dann Trainer Bournemouths. Zu diesem Zeitpunkt spielte der Klub noch in der vierten englischen Liga. In seinem zweiten Jahr stieg Howe mit seinem Verein gleich auf. Anfang 2011 verließ er den Verein schließlich, um sich dem zweitklassigen Burnley anzuschließen. Er wollte den nächsten Schritt gehen, sich auf größerer Bühne beweisen. Doch das Projekt scheiterte. Howe blieb nur 86 Spiele Trainer, musste im Oktober 2012 wieder gehen. Doch große Zeit zur Trauer blieb Howe nicht. Nur zwei Tage später kehrte er in seine Heimat zurück: nach Bournemouth.

Seitdem schreibt Howe eine echte Erfolgsgeschichte. Bournemouth ist mittlerweile Erstligist. Und Howe trotz seines jungen Alters der aktuell dienstälteste Coach der Premier League. Howe gelang ein Kunststück, das ihm wohl nur wenige nachmachen werden. Er führte einen kleinen Verein mit geringem Budget in die vielleicht beste Liga der Welt. Sein Geheimrezept? Die Fähigkeit, Spieler weiterzuentwickeln. Viele Spieler im jetzigen Kader sind den Weg aus der Unterklassigkeit mitgegangen. Howe hat sie zu guten Premier-League-Spielern geformt. Aus der aktuellen Truppe haben vor allem Nathan Aké und David Brooks zuletzt große Entwicklungsschritte gemacht. Beide sind hochtalentiert und werden wohl nicht ewig in Bournemouth spielen.

Howe setzt zumeist auf ein 4-4-2 mit einer hängenden und einer klassischeren Spitze. Er ist aber keinesfalls festgefahren, sondern passt die Formationen immer wieder auf den Gegner an. Diese Saison ließ er beispielsweise schon mit einer Dreierkette und einem 4-Raute-2 spielen. Die Stärken Bournemouths liegen vor allem im offensiven Umschaltspiel. Aber auch im Spielaufbau setzt Howes Team vielversprechende Akzente. Gegen den Ball hat Bournemouth hingegen noch seine Defizite.

Nachdem Bournemouth in den ersten Spielzeiten infolge des Aufstiegs überraschen konnte, landete man letzte Saison nur auf einem eher enttäuschenden 14. Platz. Auch wenn der durch Verletzungen begründet war. Diese Saison startete man derweil wieder sehr positiv. Nach sechs Spieltagen steht man auf dem sechsten Tabellenplatz. Howe wurde in der Vergangenheit schon mehrfach mit der englischen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Sollte er mit seinem Team wieder gut abschneiden, dürften die nächsten Lockrufe folgen. Vielleicht auch von Top-Klubs aus dem In- und Ausland.

Jesse Marsch: Das nächste Talent aus der RB-Schmiede

Marco Rose, Oliver Glasner, Adi Hütter, Achim Beierlorzer: All diese Bundesliga-Trainer kommen aus der Trainerschmiede Red Bulls. Nach dem Abgang Roses wurde im Sommer der Trainerstuhl bei RB Salzburg frei. Besetzt wurde dieser von Jesse Marsch. Der 45-jährige US-Amerikaner verbrachte seine gesamte Spielerzeit in den USA und startete dort auch seine Trainerkarriere - als Co des damaligen Nationalcoaches Bob Bradley. Nach weiteren Stationen wurde er 2015 schließlich Trainer der New York Red Bulls, wo er die RB-Philosophie kennenlernte. Er blieb bis zu Beginn der Saison 2018/19 in New York. Dann warb ihn Ralf Rangnick ab. Marsch arbeitete als dessen Co-Trainer bei RB Leipzig. Nach der letzten Saison in Deutschland wechselte er dann nach Salzburg. Mit seinem neuen Team führt Marsch nun standesgemäß die Liga an.

Wenig überraschend presst Salzburg unter seinem neuen Coach sehr hoch. Am spannendsten an der Personalie Marsch ist aber das Spiel mit dem Ball. Schon unter Rose zeigte RB neue Elemente im Ballbesitzspiel. Marsch geht noch einmal einen Schritt weiter. Er weicht vom RB-System, dem 4-2-2-2, ab und greift auch nicht auf das 4-Raute-2 Roses zurück. Stattdessen lässt er im 4-3-3 spielen, das er schon seit langem präferiert. Unter ihm ist RB trotz Abgängen wie dem von Stürmer Munas Dabbur so torgefährlich wie noch nie. In den bisherigen neun Pflichtspielen erzielte Salzburg 45 Tore. Das macht fünf Tore pro Spiel. Besonders die Entwicklung des 19-jährigen Norwegers Erling Braut Haaland ist bemerkenswert. Der Stürmer verbuchte in acht Spielen elf Treffer und sammelte fünf weitere Scorer.

Marsch könnte mit seiner offensiven Fußballphilosophie auch international für einige Überraschungen sorgen. Ähnlich wie Vorgänger Rose. Ob auch Marsch irgendwann den Weg zurück nach Deutschland finden wird? Möglich. Denn er ist weder ein reiner Pressing- noch Ballbesitztrainer. Vielmehr könnte er sich zu einem echten Komplettpaket entwickeln. Und das wird immer gesucht. 

Murad Musaev: Guardiola-Jünger aus Russland

Mit 35 Jahren ist Muras Musaev einer der besten Trainer Russlands und eines der größten Trainer-Talente der Welt. Etwas hochgegriffen? Nein.

Musaev besitzt nur die A-Lizenz. Deswegen darf er bei internationalen Spielen nicht einmal auf der Bank sitzen. Doch auch ohne die nötige Zulassung zeigte Musaevs Karriere steil nach oben. 2016 übernahm er die zweite Mannschaft Krasnodars. Zwischenzeitlich trainierte er noch interimsweise die russische U18, bevor er im April 2018 Chefcoach des Krasnodar-A-Teams wurde. Dort feierte er in kurzer Zeit einige Prestige-Erfolge. In der vergangenen Europa-League-Saison warf er Peter Bosz und Bayer Leverkusen aus dem Wettbewerb. In dieser Saison hatte der FC Porto in der Champions-League-Qualifikation das Nachsehen gegen das Musaev-Team.

Der Russe setzt auf ein 4-3-3 und weckt Erinnerungen an Pep Guardiola. Musaev vertraut nämlich auf das Positionsspiel. Die Zonen auf dem Feld werden unter ihm immer klar und trotzdem flexibel besetzt. Besonders zwischen den Achtern, Flügelspielern und Außenverteidigern gibt es reichlich Positionswechsel. Über einen flachen, konstruktiven Spielaufbau soll es flach nach vorne gehen. Auch wenn Musaev alternativ auch weite Diagonalpässe auf die dribbelstarken Flügelspieler zulässt.

In seiner kurzen Amtszeit beförderte Musaev zudem einige große Talente wie Torwart Matvey Safonov, Achter Daniil Utkin und Flügelspieler Shapi Suleymanov ins A-Team. Er guckt sich Spieler aus, die in seine Spielidee passen. Krasnodar verfügt über eine Reihe an kombinationsstarken und unterschätzten Ballbesitzfußballern. Ja: Krasnodar ist ein Team nach dem Geschmack eines Trainers, dessen Weg noch sehr weit führen dürfte. Nach dem Erwerb der nächsten Lizenz, versteht sich. 

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Steve Cooper: U-17-Weltmeister bei Swansea

Steve Cooper ist ein weiterer Name, der in Deutschland nur den Wenigsten bekannt sein dürfte. Der 39-Jährige wurde 2008 bei Liverpool angestellt. Dort arbeitete er bis 2013 als Jugendtrainer und Nachwuchskoordinator. 2014 heuerte er bei der englischen U16 an und führte den Jahrgang um Callum Hudson-Odoi, Phil Foden und Jadon Sancho ein Jahr später zum U-17-Weltmeister-Titel. Bis zu diesem Sommer war er dann Trainer der U19, ehe er Swansea City übernahm.

Swansea stieg vor zwei Jahren aus der Premier League ab und verlor seine besten Spieler. Im letzten Jahr landete man unter Graham Potter auf einem respektablen zehnten Tabellenplatz. Das Spielchen wiederholte sich: Im Sommer mussten die Waliser ihre beiden talentiertesten Spieler Daniel James und Oliver McBurnie abgeben.

Wer nun einen Absturz erwartet hat, wurde enttäuscht. Swansea steht nach acht Spieltagen mit 17 Punkten auf dem zweiten Rang. Bis dato verlor man nur gegen Nottingham Forrest, den Tabellensechsten. Die Championship ist in der Spitze noch sehr eng. Aber man kann davon ausgehen, dass Swansea diese Saison um den Aufstieg spielen wird. Cooper integriert, wie man es von einem ehemaligen Jugendtrainer erwartet, viele Talente in den Kader. Aus einem 4-2-3-1 möchte man den Gegner über Ballbesitz-Fußball dominieren. Gerade das macht Cooper zu einem Coach, der irgendwann mal einen größeren Klub trainieren könnte. Er ist ein Spielerentwickler, der nicht nur auf Kampf und Physis setzt. Es ist gut möglich, dass man ihn bereits nächste Saison in der Premier League sehen wird. 

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Tags: Taktik international, Trainer international

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