f logo RGB Blue 58 Twitter Social Icon Circle Color

Was ist eigentlich der Tikinaccio?

Tiki Taka ist spätestens seit der Ankunft von Pep Guardiola allen ein Begriff. Auch wenn der Katalane selbst eigentlich kein Freund dieser Bezeichnung ist, meint sie doch eigentlich den Ballbesitz ohne tieferen Sinn. Das ist beim Tikinaccio anders. Der hat gewiss seinen Zweck - wenngleich auch keinen offensiven.

Ballbesitz gilt allgemein als Mittel zur Chancekreierung. In den meisten Fällen wird er auch tatsächlich dazu genutzt. Dass es aber auch anders geht, hat die spanische Nationalmannschaft in den letzten Jahren bewiesen.

Gerade während der EM 2008 und der WM 2010 musste der spätere Titelgewinner für seine Spielweise viel Kritik einstecken. Als Beleg für die vermeintliche Ineffektivität des vielen Ballbesitzes galt häufig die geringe Anzahl der geschossenen Tore. In der Tat traf Spanien 2010 in Südafrika 'nur' acht Mal ins gegnerische Netz. In keinem der K.O.-Spiele erzielte die Mannschaft von Vicente del Bosque mehr als einen Treffer. Allerdings kassierte Spanien während des gesamten Turniers auch nur ein Gegentor. Der Grund dafür war nicht nur ihr ausgezeichnetes Pressingverhalten, sondern eben auch der Ballbesitz.

Xavi, Iniesta & Co. hielten den Ball sicher in ihren Reihen und sorgten damit dafür, dass der Gegner keine Möglichkeit zum Erzielen von Toren bekam. Logisch: Hat er nicht den Ball, kann er schließlich auch keine Torgefahr erzeugen. So ist der Ballbesitz für Spanien in diesem Kontext zu einem defensiv-taktischen Mittel geworden, das gerne als Tikinaccio bezeichnet wird. Letztlich ist das Wort eine Ableitung aus Tiki Taka, dem zum Selbstzweck verkommenem Ballbesitz, und dem Catenaccio. Ursprünglich stand dieser Begriff für ein bestimmtes System, heute für eine extrem defensive Spielweise - wie sie der Tikinaccio in Ansätzen ist. Der Vorteil: Durch den Ballbesitz verteidigt man zwar indirekt sein eigenes Tor, verliert aber nicht die Spielkontrolle und muss womöglich weniger laufen als im Spiel gegen den Ball. Das Grundprinzip ist die Ballsicherung über Kombinationsspiel. Die fußballerischen Anforderungen sind entsprechend hoch, will man den Ball über viele Stationen sicher in den Reihen halten. In der pressingstarken Bundesliga wäre der Stil daher wohl nur für die wenigsten Teams praktikabel. Auch wenn es sich durchaus reizvoll anhört, das Tor zu verteidigen, ohne dem Ball hinterherrennen zu müssen...

Anmelden